So war es vorab zu lesen und es machten sich erste Ängste breit, das nächste Album würde vor Lärm und Old-School-Distortion nur so strotzen. Tut es stellenweise sogar, aber wohldosiert, man möchte fast sagen mit feinem Gespür. So wird es gegen Ende des Openers "Bixby Canyon Bridge" etwas lauter und der vorletzte Song "Pity And Fear" endet aprupt in einer Wall-Of-Noise, aber nur um dem letzten Song, dem alles und jeden schmelzenden Herzschmerz-Song "The Ice Is Getting Thinner" einen Passe-Partout zu bescheren.
Die Texte und Charaktere auf diesem Album sind differenzierter, ausgestalteter, tiefgründiger, ja sogar ironischer. Wer möchte dem Protagonisten von "You Can Do Better Than Me" diesen Ausdruck ernsthaft abnehmen? Oder wer kann sich mit dem Stalker aus "I Will Possess Your Heart" identifizieren? Ben Gibbard thematisiert auf diesem Album nicht nur sich selbst, auch wenn dieser Aspekt natürlich nicht zu kurz kommt.
Bixby Canyon Bridge handelt beispielsweise von einem Ort, von dem er etwas besonderes erwartete, da eines seiner Idole sich dort oft aufhielt, und wie er natürlich nur enttäuscht werden kann.
Musikalisch ist das Album, wie seine Vorgänger, weit entfernt von der "Kauf-mich!-Kauf-mich!"-Mentalität, überzeugt durch Kantigkeit, Unangepasstheit (siehe das 4-Min-Intro der Vorab-Single "I Will Possess Your Heart") und einer leicht melancholischen Grundstimmung, der man sich nur schwer entziehen kann. Es ist für den Hörer anfangs sicherlich kein leichtes Album, aber mit jedem Hördurchgang wird eine weitere Dimension der Songs sichtbar, bzw. hörbar. Zwar nicht so glatt produziert wie der Meilenstein "Plans", aber doch eingängig, auf seine Weise.
Auch in der Produktionsweise selbst arbeitete man komplett anders als zuvor, der Song "Talking Bird" ist mit Ausnahme einer Gitarre komplett Live eingespielt und selten wurden Takes abgebrochen.
Es zeugt auch vom Mut dieser Band, nicht mehr mit ohrgängigen Piano-Riffs zu arbeiten und stattdessen die Gitarren wieder mehr in den Vordergrund zu stellen, sie zu verzerren und dröhnen zu lassen, über die Grenzen der Songs hinweg. Zwischen den Songs herrscht selten Stille, da alle Songs aneinandergereit eine feste Spielreihenfolge ergeben.
Eine Empfehlung für "Album des Jahres 2008".