Man muss es in aller Grobheit sagen: Dieser Film ist einer jenen, die es schaffen, einen hervoragenden Stoff durch Unterdramatisierung, falsche Schwerpunktsetzung und bereitwilliges Tappen in die Liebesfalle, resp. "Liebeleienfalle" für jeden Zuschauer zu einem mittlemäßigen, nichtssagendem Filmchen zu machen.
Im Einzelnen: Da lässt man Napoleon große Sätze sagen, die Bilder fehlen ("Schauen sie sich das Schlachtfeld genau an, damit sie wissen, wieviel der Frieden gekostet hat" - aber der Zuschauer fragt sich, wo ist das Grauen des Schlachtfeldes im Film geblieben ist - weder ist es im Bild noch auf den Gesichtern der Schauspieler zu sehen)
Gegner werden im Dialog aufgebaut und erhalten dann doch eine kleine Szene in einer vorbeifahrenden Kutsche (Die Königen von Preußen) - ach ja, aber eine Liebschaft mit irgendeiner polnischen Adligen oder mit irgndeiner Zofe der Kaiserin, die bekommen wir für Minuten gezeigt.
Es heißt ein riesiges Statisten-Heer sei eingesetzt worden, mit großem Ausstattungsaufwand. Nun, zugegeben, die Auststattung ist großartig. Die riesigen Statistenheere bemerkt man nur nicht. Die Kameraführung ist derart unüberlegt, dass der Zuschauer immer nur wenige Hundert, also die Filmverhältnisse sieht.
Die Schlachten selbst sind, wohl auf Kosten der Liebesszenen zu kurz geraten. Dabei ist nicht so wichtig, dass sie unübersichtlich sind, das sind Schlachten für den Laien häufig, dabei ist auch nicht wichtig, dass kein Gemetzel veranstalltet wird. Nein, wichtig ist, dass man keine Ängste sieht, auf keiner Seite, von Soldaten, die in die Schlacht ziehen. Dieser Film kennt keine Persönlichkeiten.
Zu guter letzt bleibt die Frage, was uns der Film sagen wollte: nun, die Worte sind klar, aber es gibt keine Bilder zu den Worten, wo ist das zerüttete Frankreich, das auf seinen "Messias", hier Napolen wartet- wo bleiben den die Feinde, Kaiser, Könige, Generäle- ausser halt in einer vorbeifahrenden Kutsche - wo bleiben historische wichtige Ereignisse, wie das zerschlagen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, nach tausend Jahren Existens. Was ist mit dem Feldherrnruhm Napoleons, dessen taktisches Genie zwar angedeutet wird (Austerlitz), dessen strategische Revolution, in letzter Konsequens dann später umgesetzt von der Wehrmacht, die Schwerpunktsuche und der neuen Geschwindigkeit in der Heeresführung, völlig außen vor bleibt (Jena wird genannt - dass es aber eine Doppelschlacht war, die durch die nie gekannte Geschwindigkeit des napoleonischen Heeres gekennzeichnet war - es geht sang und klanglos unter).
Alles das klingt wohl im Dialog der Schauspieler an, doch seltenst sieht es der Zuschauer, keine Atmosphäre wird ihm geliefert, alles wird nur angerissen und fast nie ausgeführt, so geht dem Film etwas entscheidendes Verloren: die Schwerpunkthandlung - wenn man sie nicht in diesen Liebesgeschichten sehen will. Wie man das guten Gewissens tun will, ist mir aber rätselhaft.
Der Film ist vor allem ein Bildmedium, doch wurde das bei "Napoleon" offensichtlich übersehen.
Fazit: Dieser Film war hinsichtlich des Drehens und ist hinsichtlich des Kaufens eine reine Geldverschwendung.