Am 7.1.2009 veröffentlichte der Schöpfer der Wehrmachtsausstellung, Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung, dem der Verlag dieses Buches gehört, Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Das ließ hoffen, denn zumindest zwei vorangegangene Initiativen des Professors entsprachen nicht diesen Regeln, darunter dieser erstmals 1996 erschienene 'Forschungsbericht', der sich aus Interviews zusammensetzt, die nachweislich, zum Teil unter falschem Vorwand, also manipulativ entstanden.
Entsprechende Proteste liegen den Autoren vor. Der Rezensent musste z. B. seinerzeit einen Anwalt bemühen, um die missbrauchten Interview-Aufzeichnungen von einem der Autoren zurück zu erhalten. Abgesehen davon waren die Begleitrecherchen der Verfasser derartig dürftig, dass man als Zeitzeuge nur noch den Kopf schütteln konnte.
Und dieses schon damals unredliche Buch erscheint nun als Sonderausgabe im gleichen Verlag, wohl in der Annahme, dass die letzten kompetenten Zeitzeugen inzwischen verstorben sein würden.
Aus Platzgründen kann hier nur der Kardinalfehler dieses Buches und der mit seiner Verwendung gedrehten Filme dargestellt werden. Die deutschen NAPOLA's unterschieden sich nämlich durch zwei markante Auffälligkeiten in 12 bis etwa 1934 gegründete, mit weitgehend Kadetten-Korps-Geist, und die 26 später entstandenen, insbesondere jene, die schon den Nöten des Krieges (Mangel an geeigneten Lehrkräften usw.!) ausgesetzt waren.
Hinzukommt, dass natürlich die Dauer einer NAPOLA-Zugehörigkeit von größter Bedeutung war. Rechnet man mit den damals 8-9 Jahren Oberschule bis zum Abitur, so hätte ein üblicher NAPOLA-Absolvent bei Kriegsende schon seit 1937 ihr Schulsystem durchlaufen haben müssen. Analog hätten die 22 später erst gegründeten NPEA's keinen einzigen Sextaner durchgehend zum Abitur bringen können.
Tatsächlich war deshalb die Fluktuation, besonders die Zahl der Quereinsteiger in die NAPOLA''s bis in die Obersekunda ganz erheblich und unvergleichbar mit einem normalen Schulsystem, ' was natürlich ungewöhnliche Konsequenzen mit sich brachte. Und die nationalsozialistische Prägung in den 11 'klassischen' NAPOLA''s war bis Kriegsende beträchtlich schwächer als in allen anderen Anstalten oder selbst der Hitler-Jugend.
Aber solche Fakten waren den Buchautoren keine Überlegungen wert, denn ihre eigentliche Aufgabe bestand darin, die von den Siegermächten schon lange vor Kriegsende postulierte Generationenschuld der Deutschen zu untermauern.
Als wenn das deutsche Volk nicht schon genug durch die Holocaust-Verbrechen belastet ist, wird in diesem Buch durch falsch begründete Interviews mit inzwischen erwachsenen Kindern und minderjährigen Enkeln versucht, negative Einflüsse von NAPOLA-Schülern bis in die zweite Generation nachzuweisen!