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Das Erbe der Napola. Versuch einer Generationengeschichte des Nationalsozialismus
 
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Das Erbe der Napola. Versuch einer Generationengeschichte des Nationalsozialismus [Gebundene Ausgabe]

Christian Schneider , Cordelia Stillke , Bernd Leineweber
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Christian Schneider, Cordelia Stillke und Bernd Leineweber gelingt es vorzüglich, den Leser in die so absurd erscheinende Welt der Napola zu entführen, ihm Tatsachen, Erklärungen und Augenzeugenberichte zu unterbreiten, die geeignet sind, einen Mosaikstein des zumindest zeitweise durchaus funktionierenden nationalsozialistischen Staates vor Augen zu führen." (Das Parlament, Matthias von Hellfeld)

Kurzbeschreibung


Die Folgen nationalsozialistischer Prägung über drei Generationen
Die "Napola" - wie die gebräuchliche Abkürzung für "Nationalpolitische Erziehungsanstalt" lautete - war eine Schlüsselinstitution des "Dritten Reiches": die pädagogische Zuchtstätte des Nationalsozialismus schlechthin. Hier sollte die künftige "Führergeneration" des Staates systematisch herangezogen werden. Die pädagogische Methodik der Napola beruhte auf dem Wechselspiel von Verführung und Zerstörung: Zerstörung der Individualität der Schüler durch die konsequente Entfernung aus dem zivilen Leben, durch extremen körperlichen Drill und ideologische Abrichtung. Verführung durch außergewöhnliche - und für Jugendliche attraktive - Angebote (vom Reiten bis zum Segelfliegen) und das Karriereversprechen einer künftigen Eliteposition.
Keiner, der eine dieser Schulen durchlaufen hat, ist davon unberührt geblieben. Viele haben ihren dort erteilten "Auftrag" erfüllt. Sie haben führende Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft erreicht - freilich nicht mehr im totalitären Staat des Nationalsozialismus, sondern, nach 1945, in der jungen bundesrepublikanischen Demokratie.
Wenn das Konzept der Eliteerziehung weitgehend aufgegangen ist, was ist dann aus dem "anderen" Teil der Erziehung, der Bindung an Führer und Vaterland, dem injizierten Glauben an rassische Überlegenheit und historische Sendung des deutschen Volkes geworden? Wie wirkt sich die "nationalsozialistische Imprägnierung" nach dem als traumatisch erfahrenen Bruch von 1945 aus?
Das Buch geht den unbewussten Identifikationen und Prägungen nach, die das historische Ende des Nationalsozialismus überdauert haben. Die Autoren haben in Tiefeninterviews nicht nur ehemalige Napolaschüler befragt, sondern auch ihre Nachkommen, um die Frage zu beantworten, ob es eine Erbschaft dieser Zeit gibt, die unbewusst auch in den Folgegenerationen weiterwirkt. Mit diesem Buch liegt die erste psychoanalytisch fundierte "Generationengeschichte" zu der immer wieder geforderten "Psychohistorie der Deutschen" vor."Christian Schneider, Cordelia Stillke und Bernd Leineweber gelingt es vorzüglich, den Leser in die so absurd erscheinende Welt der Napola zu entführen, ihm Tatsachen, Erklärungen und Augenzeugenberichte zu unterbreiten, die geeignet sind, einen Mosaikstein des zumindest zeitweise durchaus funktionierenden nationalsozialistischen Staates vor Augen zu führen." (Das Parlament, Matthias von Hellfeld)Christian Schneider, Jg. 1951, arbeitet als Soziologe und Forschungsanalytiker im Schwerpunkt "Psychoanalyse und Gesellschaft" des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts.
Cordelia Stillke, Jg. 1951, ist Sozialwissenschaftlerin und Psychoanalytikerin in Ausbildung. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
Bernd Leineweber, Jg. 1943, ist Soziologe. Er lebt als freier Schriftsteller in Heidelberg und Italien.

Der Verlag über das Buch

Die Geschichte der Napola
Die »Napola« - wie die gebräuchliche Abkürzung für »Nationalpolitische Erziehungsanstalt« lautete - war eine Schlüsselinstitution des »Dritten Reiches«: die pädagogische Zuchtstätte des Nationalsozialismus schlechthin. Hier sollte die künftige »Führergeneration« des Staates systematisch herangezogen werden. Die pädagogische Methodik der Napola beruhte auf dem Wechselspiel von Verführung und Zerstörung: Zerstörung der Individualität der Schüler durch die konsequente Entfernung aus dem zivilen Leben, durch extremen körperlichen Drill und ideologische Abrichtung. Verführung durch außergewöhnliche - und für Jugendliche attraktive - Angebote (vom Reiten bis zum Segelfliegen) und das Karriereversprechen einer künftigen Eliteposition.

Keiner, der eine dieser Schulen durchlaufen hat, ist davon unberührt geblieben. Viele haben ihren dort erteilten »Auftrag« erfüllt. Sie haben führende Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft erreicht - freilich nicht mehr im totalitären Staat des Nationalsozialismus, sondern, nach 1945, in der jungen bundesrepublikanischen Demokratie.

Wenn das Konzept der Eliteerziehung weitgehend aufgegangen ist, was ist dann aus dem »anderen« Teil der Erziehung, der Bindung an Führer und Vaterland, dem injizierten Glauben an rassische Überlegenheit und historische Sendung des deutschen Volkes geworden? Wie wirkt sich die »nationalsozialistische Imprägnierung« nach dem als traumatisch erfahrenen Bruch von 1945 aus?

Das Buch geht den unbewußten Identifikationen und Prägungen nach, die das historische Ende des Nationalsozialismus überdauert haben. Die Autoren haben in Tiefeninterviews nicht nur ehemalige Napolaschüler befragt, sondern auch ihre Nachkommen, um die Frage zu beantworten, ob es eine Erbschaft dieser Zeit gibt, die unbewußt auch in den Folgegenerationen weiterwirkt. Mit diesem Buch liegt die erste psychoanalytisch fundierte »Generationengeschichte« zu der immer wieder geforderten »Psychohistorie der Deutschen« vor.

»Den Autoren gelingt es vorzüglich, den Leser in die so absurd erscheinende Welt der 'Napola' zu entführen, ihm Tatsachen, Erklärungen und Augenzeugenberichte zu unterbreiten, die geeignet sind, einen Mosaikstein des zumindest zeitweise durchaus funktionierenden nationalsozialistischen Staates vor Augen zu führen . . . Am Ende kann man verstehen, wie diese Schulen funktionierten.« (Das Parlament, Matthias von Hellfeld)

Autorenportrait

Bernd Leineweber, Jg. 1943, ist Soziologe. Er lebt als freier Schriftsteller in Heidelberg und Italien.

Auszug

Die »Nationalpolitischen Erziehungsanstalten«. Institution und Geschichte

Mit der »Nationalpolitischen Erziehungsanstalt« (NPEA oder, wie das allgemein gebräuchliche umgangssprachliche Kürzel lautet, Napola) suchte der nationalsozialistische Führerstaat ein Instrument zur Auslese von geeignetem Nachwuchs für Führungspositionen in den zivilen Bereichen der Gesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung, in den freien Berufen und für das Militär zu schaffen. Sie sind zu unterscheiden von der anderen Neugründung im schulischen Bereich, den »Adolf-Hitler-Schulen« (AHS), in denen der Führungsnachwuchs für parteiamtliche Laufbahnen sowie die nationalsozialistischen Massenorganisationen herangezogen werden sollte.

Die Funktionsbestimmung der Napolas war von Anfang an widersprüchlich. Die kurze Dauer der Friedenszeit des Regimes und der rasche und hektische Wandel der Machtverhältnisse verhinderten eine schrittweise Entwicklung von Erziehungszielen, Unterrichtsplänen und organisatorischen Strukturen des Anstaltslebens. Ungelöst blieb vor allem die Frage, wie sich die pragmatische Aufgabenbestimmung einer Eliteschule in einer modernen Industriegesellschaft zu dem politischen Ziel des nationalsozialistischen Herrschaftsapparates verhielt, das gesellschaftliche Leben völlig umzuformen und vornehmlich auf dem Wege der »Erziehung« den »neuen Typ« des »NS-Menschen« zu schaffen. Diese widersprüchlichen Anforderungen reproduzierten sich auf der institutionellen Ebene. Während der staatliche Träger der Napolas, das »Reichs- und Preußische Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung« unter Bernhard Rust, an traditionellen Effektivitäts- und Leistungsmaßstäben für die Ausbildung an einer Eliteschule festhielt, suchten Parteiorgane und parteiabhängige Gliederungen wie zunächst die SA und später die SS mit dem Anspruch auf das Monopol der politischen Erziehung auf die Schulen Einfluß zu gewinnen. Deutlich zeigt sich dieser Konflikt zwischen staatlichen Organen und Parteiapparat in dem Ausspruch von Martin Bormann, dem Leiter der Parteikanzlei, daß der »Erziehungsminister« Rust in seinen Augen nur »Unterrichtsminister« sei (Scholtz 1973, 37).

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