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Im Zentrum steht der mittellose Berliner Nachwuchs-Boxer Friedrich (Max Riemelt in einer beeindruckenden Vorstellung), der die Napola als einzige Chance sieht, seine erhoffte Sportkarriere wahr machen zu können. Erst der sensible Albrecht (Tom Schilling), Sohn des Gauleiters Heinrich Stein (Justus von Dohnányi), öffnet Friedrich nach und nach die Augen über die systematische Gehirnwäsche, der sie in dieser Erziehungsanstalt ausgesetzt sind. Für die Beiden beginnt ein ideologischer Kampf innerhalb dieses Mikrokosmos des unmenschlichen Nazi-Regimes, dessen tragisches Ende vorprogrammiert zu sein scheint. Auch wenn Regisseur und Drehbuch-Autor Gansel mehr aus seinem unverbrauchten Setting hätte machen können, weiß sein Mahnmal für den geistigen Widerstand der Jugend dennoch durch hohe Dramatik und das eindringliche Spiel seiner Hauptakteure zu begeistern. Wohl auch wegen der Unverbrauchtheit seines Sujets umschifft Napola erfolgreich das Alles schon mal gesehen-Gefühl bei vielen anderen Filmen über die Nazi-Zeit, und bietet gerade für junge Leute wichtige Denkanstöße, die Napola lange nachwirken lassen. -- Frank-Michael Helmke
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Technisch sauber umgesetzter, mit sinnvollen Extras ergänzter Film.
Bild: Sehr ruhig und stabil läuft das Bild ab. Hochscharf bis in Hintergründe hinein, bleibt nahezu nichts verborgen. Gesichter in der zweiten Reihe verlieren nur unwesentlich an Konturen und bleiben auch in Schwenks weitgehend formtreu. Kräfitges Rot auf den Fahnen und Armbinden sticht dem Zuschauer durch seine immense Sättigung förmlich ins Auge (00.05.10). Das Bild hadert etwas mit sanft ruckelnden Rauschblöcken an Hintergründen, wie Wänden oer Himmeln (00.04.50, 00.18.55). Fensterkreuze bei Gegenlicht gefilmt, überstrahlen bei einstrahlender Sonne nicht oder fransen aus, was auf einen sehr guten Kontrastpegel schliessen läßt.
Ton: Der akustische Part wird weitgehend von der Musik bestimmt, die sich nahezu allein der Surroundkanäle bedient. Der Raumeindruck ist eher frontlastig und dialogbestimmt. Das Training um die 20. Minute herum könnte schon mehr nach hinten hinaus klingen. Die Stimmen sind von gesundem Volumen und folgen auch der Kamera. Die Dynamikausbeute ist befriedigend bis gut, könnte aber auch die unteren Oktaven mehr zur Geltung bringen.
Extras: Die Idee, den Regisseur im Hauptmenü eine begrüßende Einleitung sprechen zu lassen, ist gelungen. Leider sollte dieser sich vorher etwas Text bereitlegen und nicht faseln. Das Videotagebuch ist auch eine gute Idee und zeigt ganz authentisch die Suche nach Drehorten, einen übernächtigten, zähneputzenden Regisseur und Gespräche mit ehemaligen Schülern an Napolas. Der Regiekommentar ist ebenfalls weitgehend gehaltvoll. Schöner wäre es gewesen, ihm einen echten Naopla-Schüler beizusetzen, um der durchaus beeindruckenden Darstellung dieser Eliteschulen Hitlers den nötigen geschichtlichen Kontext zu geben. 8 Minuten teils verlängerte Extraszenen sind optional mit einem Regiekommentar zu sehen. Geschichtlichen Hintergrund eröffnen die sauber recherchierten Textseiten zu den Napolas. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Ihm gelingt dabei die Gratwanderung, das Publikum zu unterhalten, aber auch dem Ernst des Themas und der Psychologie der Figuren gerecht zu werden. Anders als die auf historischen Persönlichkeiten beruhenden, aktuellen Filme über den Nationalsozialismus 'Der Untergang', 'Der neunte Tag' und 'Sophie Scholl - Die letzten Tage' erzählt Gansel die fiktive Geschichte zweier scheinbar gegensätzlicher, befreundeter Schüler. Allerdings ließ er sich dazu von den Erfahrungen seines Großvaters inspirieren, der Ausbilder an einer Reichskriegsschule war. Zwei Jahre tüftelte er mit Koautorin Maggie Peren am Drehbuch, das 2003 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, und drehte einen Film, der gleich in mehreren Kategorien preiswürdig ist.
Der eine Schüler, der blonde, hochaufgeschossene Friedrich (Max Riemelt wurde für seine Performance in Karlovy Vary ausgezeichnet), stammt aus einer Berliner Arbeiterfamilie und wird vom Sport- und Deutschlehrer (Devid Striesow) der Eliteschule bei einem Boxkampf entdeckt. Friedrich geht gegen den Willen des Vaters nach Burg Allenstein, um der Armut zu entkommen, zur Elite zu gehören. Der andere, der schmächtige, schüchterne Albrecht (Tom Schilling, ebenfalls mit einer hervorragenden Leistung), literarisch begabter Spross eines SS-Hardliners ist nur an der Schule, um den Wünschen des Vaters zu entsprechen. Während Friedrich sich von der Nazi-Ideologie vereinnahmen lässt und beim Boxen sein Mitleid wie befohlen ablegt, regt sich in Albrecht der Widerstand gegen den Vater, das unmenschliche System, das er schließlich in einem Aufsatz anprangert.
Zwei packend inszenierte Schlüsselszenen treiben die Wandlung der Helden voran bis beide auf ihre Art dem unmenschlichen System die Stirn bieten. In der einen Szene wirft sich ein vom Schleifer der Schule (Michael Schenk, macht eindrucksvoll seinem Spitznamen im Film 'Peiniger' alle Ehre) gequälter Bettnässer bei einer Übung auf eine Granate, um die Kameraden zu retten; in der anderen werden bei einer nächtlichen Jagd, Flüchtlinge erschossen. Gansel findet passend pathetische Bilder (Kamera: Torsten Breuer) und die entsprechende Musikuntermalung, David Lynchs Leibkomponist Angelo Badalamenti steuerte Motive zum Score bei, um den Zuschauer bei der klassisch erzählten Geschichte emotional mit zu nehmen. Dass dies gelingt, liegt natürlich auch am glaubwürdigen Spiel des Ensembles. Neben den beiden Hauptdarstellern glänzt etwa Justus von Dohnanyi als rheinisches SS-Ekelpaket.
Die Story beginnt ruhig als Internatsgeschichte, in der Naziideologie nur ab und an durchbricht, etwa wenn Friedrich bei der Aufnahme als arischer Typ vermessen wird. Ansonsten gibt es wie in jeder Internatsgeschichte machthungrige, ältere Schüler, die die jüngeren drangsalieren, oder einen Stuben-Clown. Doch Gansel und Peren bauen in ihrem durchstrukturierten Buch mehr und mehr (Tragödien-)Spannung auf. Gansel beweist sein Geschick in der Choreographie von Massen-Szenen beim Frühsport oder beim Essen in der großen Halle, wie in der Inszenierung intimer Szenen zwischen den Freunden oder dynamischer Box-Szenen. Ausstattung und Kostüm tun das ihrige, um die damalige Zeit realistisch wieder zu geben. So ist dem Drama, nachdem es u.a. bei den Filmtagen in Hof gefeiert wurde, ein zahlreiches, auch jüngeres Publikum zu wünschen, das sich für ein nicht so bekanntes Kapitel der Nazigeschichte interessiert, wenn es im gebührenden Abstand zu 'Der Untergang' Ende Januar bundesweit in die Kinos kommt. hai.