Der vierteilige Historienfilm sollte in erster Linie als Unterhaltungsfilm angesehen werden. Da liegen zweifellos seine Stärken.
Er ist mit Christian Clavier, Gérard Depardieu, John Malkovich, Heino Ferch, Sebastian Koch, Alexandra Maria Lara und vielen weiteren herausragenden Schauspielern hochkarätig besetzt. Auch die Ausstattung und die Filmmusik tragen ebenfalls zu einem tollen Filmerlebnis bei. Soweit ist er absolut empfehlenswert und bis hierher hat sich die Minireihe auch alle fünf Sterne redlich verdient!
Nun ist die Situation bei historischen Stoffen einfach etwas anders gelagert als bei anderen. In diesem Fall beruht die Verfilmung ja auch noch auf einer Biografie Napoleons von Max Gallo!
Da neigt der Zuschauer sicher eher dazu, das, was er da sieht, auch für eine weitgehende Wiedergabe der damaligen Ereignisse zu halten. Und genau das ist der Punkt, an dem die Bewertung abstürzen muss!
Ganz oberflächlich hält sich die Verfilmung auch an die historischen Tatsachen. Aber eben leider nur an der Oberfläche.
Die Liste der geschichtlichen Verzerrungen und Fehler würde den Rahmen hier sprengen. Einfach nur grotesk ist die Darstellung Marie-Luises als besorgte Landesmutter 1814 beim Vorrücken der alliierten Truppen auf Paris. Ihre Sympathien bei der Pariser Bevölkerung waren zu dieser Zeit übrigens auf dem Nullpunkt angekommen. Sie wurde für die Niederlagen 1812, 1813 und 1814 mitverantwortlich gemacht. Marie-Luise ergriff damals sofort die Gelegenheit, wieder zurück nach Wien zu kehren.
Sie selbst hasste Napoleon und empfand die Heirat mit ihm als Opfergang für das Haus Habsburg. Außerdem besaß sie, allerdings noch vor der Heirat, eine nach Napoleon benannte Puppe, die ihre ganze Wut über neuerliche napoleonische Siege abbekam.
Auch das Bild der Person Napoleons wird in der Serie deutlich zu positiv gezeichnet. Er wird zu sehr als Held stilisiert. Seine Schattenseiten werden allenfall schemenhaft angedeutet.
Napoleons körperlicher und gesundheitlicher Verfall lassen sich an Hand der Verfilmung übrigens gar nicht erahnen. Der Mann, der 1815 bei Waterloo seine letzte Schlacht schlug, war gesundheitlich schwer angeschlagen und von seinem Leistungshöhepunkt 1805 Lichtjahre entfernt. Auch fand der Kampf im Juni und nicht im April 1815 statt.
Wer sich in seiner Freizeit einen toll ausgestatteten und herausragend besetzten Historienfilm ansehen will und nicht allzu viel Wert auf historische Genauigkeit legt, kann hier bedenkenlos zugreifen.
Wer sich allerdings über die damaligen Ereignisse informieren möchte - den historischen Napoleon kennenlernen will, der sollte die Finger von der Verfilmung lassen. Denn den hier dargestellten Napoleon hat es so nie gegeben.