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Naokos Lächeln: Nur eine Liebesgeschichte - Roman
 
 
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Naokos Lächeln: Nur eine Liebesgeschichte - Roman [Taschenbuch]

Haruki Murakami
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (80 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Über den Staffellauf, der Leben heißt
Haruki Murakamis Liebesroman Naokos Lächeln ist ein schöner Kinoabend.

In den Büchern von Haruki Murakami geht es zu wie in den Filmen von Eric Rohmer. Schöne Menschen plaudern in angenehmer Umgebung ununterbrochen über Leben, Sex, Liebe und Tod und haben dabei keine Mühe, die richtigen Worte zu finden. Dabei halten sie sich alle für etwas ganz Besonderes.

Nur der Protagonist Watanabe glaubt, er sei ein Durchschnittsmensch mit Durchschnittsintellekt und Durchschnittskörper und merkt gar nicht, welche abstrusen Charaktere er um sich versammelt. Zum Beispiel Nagasawa, eine Art japanischer Casanova, der Nacht für Nacht losziehen muss, um Mädchen aufzureißen, während die schönste Frau zu Hause auf ihn wartet. Oder seine Kommilitonin Midori, die beide Eltern bis zum Krebstod pflegte und die sich nun nackt vor das Foto ihres Vaters setzt, um ihm zu zeigen, dass sie inzwischen eine Frau geworden ist. Midori würde sich nichts lieber wünschen, als dass Watanabe beim Onanieren an sie denke.

Die schöne Naoko dagegen hat andere Probleme. Freiwillig eingeschlossen in eine Nervenklinik versucht sie, den frühen Tod ihres Freundes Kizuki loszuwerden. Beide sind zusammen aufgewachsen und haben alles gemeinsam gelebt. Es war nie eine Frage gewesen, mit einem anderen Menschen zu leben. Doch plötzlich hatte sich Kizuki umgebracht, und sie war übrig geblieben. Wie einen Staffelstab gibt sie ihr Schicksal an Watanabe weiter, der Naoko liebt und den sie dennoch auf dieselbe Art verlassen wird, wie sie es einst wurde.

Der Leser merkt bei allem sehr schnell, dass zwischen der Entscheidung, beim Onanieren an jemanden zu denken und miteinander das Leben zu verbringen, kein großer Unterschied besteht. Dass es immer nur darum geht, dass man sich in der Welt versichert und jemanden findet, der einem die eigene Existenz abnimmt.

Haruki Murakami, der in Japan Millionenauflagen verkauft, schreibt darüber ein leichtes und gleichzeitig trauriges Buch, todernst und mit einem guten Schuss klugen Kitsches. Aber das hätte man eigentlich nicht anders erwartet. --Jana Hensel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Pralinen-Sex

Haruki Murakami macht's noch einmal

Der Japaner Haruki Murakami, der sich im letzten Jahr mit dem schlecht aus dem Amerikanischen übersetzten Buch «Gefährliche Geliebte» in deutschsprachigen Landen den Leumund des literarischen Libertins erwarb, legt nun mit «Naokos Lächeln» einen weiteren Roman im Kielwasser falscher Erwartungen vor; die sentimentale Suada aus pubertärem Weltschmerz und japanischem Frühlingserwachen kokettiert mit dem Erotik-Label wie sein Erzähler mit den grossen Namen der Weltliteratur; gewagt ist allenfalls der Hang zur Banalität. Dass der Held sich beispielsweise zu der weltbewegenden Einsicht hinreissen lässt, dass «der Tod nicht das Gegenteil des Lebens verkörpert, sondern ein Bestandteil desselben ist», mag man noch seiner Jugend zuschreiben. Wenn der Ich-Erzähler freilich im Rückblick Sentenzen von sich gibt wie «Ich konnte zwar meinen Triebstau abreagieren und will auch nicht leugnen, dass es mir Spass machte, die Mädchen überall zu befummeln, aber der Morgen danach war mir stets ein Greuel», darf man den letztes Jahr genährten Verdacht, Murakami sei ein Opfer schlampiger Sekundärübersetzung, wohl getrost beiseite wischen; auch die Direktübertragung von Ursula Gräfe bietet eine offenbar nicht ganz untypische Mischung aus Sexualhandbuch und Dr. Sommers Sprechstunde. Der Kultstatus, den der Autor nicht nur in Japan geniesst, wird durch diese jüngste Veröffentlichung, die mit dem Untertitel «nur eine Liebesgeschichte» Bescheidenheit suggeriert, jedenfalls nicht plausibler.

Eine Liebesgeschichte ist «Naokos Lächeln» schon allein deshalb nicht, weil sich der melancholische Held im Schatten junger Mädchenblüte zu irgendeinem Affekt erst gar nicht aufraffen kann; die einzige Emotion, der der Erzähler ausgiebig nachgibt, ist eine todessüchtig aufgedonnerte Nostalgie. Im Flugzeug durch eine Instrumentalversion von «Norwegian Wood» (wie das Buch im Original bzw. Amerikanischen nach einem Beatles-Song heisst) in seine Studentenzeit katapultiert, erzählt uns der 37-jährige Toru von der verlorenen Zeit der Jugendrevolte, als er mit Thomas Manns «Zauberberg» im Gepäck dem Aufbruch snobistisch trotzend, die erste Erfahrung mit Eros und Thanatos machte – eine womöglich spezifisch japanische Allianz aus Sex und Selbstmordgefahr, die den Erzähler über die Pubertät hinaus jedenfalls nachhaltig fasziniert. Allerdings ist der durch die Kabinenlautsprecher initiierte Erinnerungsschub eine leicht durchschaubare dramaturgische Finte – legt man Weltanschauung und Wortschatz zugrunde, hat der Ich-Erzähler die Fünfzehn nie überschritten. Denn «alles wird leichter, wenn man sich entspannt», und «das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen».

Die Pralinen, die der Erzähler sich aus der Erinnerungsschachtel klaubt, heissen Naoko, Reiko, Midori; sie führen den sexuellen Novizen nach allen Klischees des «Playboy»-Designs in die Freuden der Hochglanzerotik ein. Tatsächlich bedient sich der Text der gängigen Topoi der pornographischen Literatur, ohne doch selbst im mindesten pornographisch zu sein. Murakami gibt seine Bubenträume – «das Diagramm der 48 Stellungen» – gerne aus Frauenmund preis, darüber hinaus entblösst der Schlüssellochblick in japanische Mädchenzimmer die verführte Unschuld im Weichzeichner à la David Hamilton: makellose Mädchenkörper im Mondlicht und Marken-BH. «Naokos Lächeln» möchte ein Bildungsroman in der Tradition Salingers sein, eine Erziehung des Herzens zur sexuellen Reife nach dem Muster einer spätmodern ausstaffierten Erbauungsliteratur, und ist doch bloss eine romantisch verquaste Sommernachtsphantasie; nicht zufällig holt der Held an prägnanter Stelle Hermann Hesses Jugendbuch «Unterm Rad» aus dem Schrank.

Das Buch geizt nicht mit dem, was im «Quartett» gerne «Stellen» genannt wird, doch kann Murakamis Pralinen-Erotik nicht verhehlen, dass das einzig Skandalöse an diesem Buch seine ganz und gar unerotische Sprache ist. Erklärtermassen hatte der Autor die Absicht, eine Liebesgeschichte von der genialen Einfachheit eines Beatles-Songs zu verfassen. Es hat freilich nur zu einer Instrumentalversion für die Kaufhauskabine gereicht. Mit diesem Buch outet sich Murakami einmal mehr als der Richard Clayderman der japanischen Literatur.

Andrea Köhler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Tokio in den späten 60er Jahren: Während sich auf der ganzen Welt die Studenten versammeln, um das Establishment zu stürzen, gerät auch das private Leben von Toru Watanabe in Aufruhr. Mit seiner ersten Liebe Naoko verbindet ihn eine innige Seelenverwandtschaft, doch ihre Beziehung ist belastet durch den tragischen Selbstmord ihres gemeinsamen Freundes Kizuki. Als die temperamentvolle Midori in sein Leben tritt, die all das ist, was Naoko nicht sein kann, muss Watanabe sich zwischen Vergangenheit und Zukunft entscheiden …

Über den Autor

Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, studierte Theaterwissenschaften und Drehbuchschreiben in Tokio. 1974 gründete er den Jazzclub „Peter Cat“, den er bis 1982 leitete. In den 80er Jahren war Murakami dauerhaft in Europa ansässig (u. a. in Frankreich, Italien und Griechenland), 1991 ging er in die USA, ehe er 1995 nach Japan zurückkehrte. Murakami ist der international gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Roman "Gefährliche Geliebte" entzweite das Literarische Quartett, mit "Mister Aufziehvogel" schrieb er das Kultbuch seiner Generation. Ferner hat er die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ich war siebenunddreißig Jahre alt und saß in einer Boeing 747. In ihrem Anflug auf Hamburg tauchte die riesige Maschine in eine dichte Wolkenschicht ein. Trüber, kalter Novemberregen hing über dem Land und ließ die Szenerie wie ein düsteres flämisches Landschaftsbild erscheinen: die Arbeiter in ihren Regenmänteln, die Fahnen auf dem flachen Flughafengebäude, die BMW-Reklametafeln. Ich war also wieder einmal in Deutschland.
Nach der Landung erlosch das Nicht-Rauchen-Schild, und aus den Kabinenlautsprechern ertönte leise Hintergrundmusik - eine gedämpfte Instrumentalversion des Beatles-Stückes Norwegian Wood. Wie immer ließ diese Melodie mich erschauern, nur diesmal heftiger denn je.
Ich mußte mich nach vorn beugen und meinen Kopf mit beiden Händen umfassen, damit er mir nicht zersprang; so blieb ich sitzen. Eine deutsche Stewardeß kam heran und fragte auf Englisch, ob mir nicht gut sei. Alles in Ordnung, antwortete ich, mir sei nur ein bißchen schwindlig.
"Sind Sie sicher?"
"Ja, wirklich, vielen Dank", sagte ich.
Mit einem Lächeln verschwand sie. Inzwischen hatte die Musik gewechselt - ein Billy-Joel-Titel. Ich richtete mich auf, sah aus dem Fenster auf die dunklen Wolken, die von der
Nordsee herüberzogen, und dachte an all die Verluste, die ich in meinem Leben schon erlitten hatte. Verlorene Zeit, Menschen, die gestorben waren oder mich verlassen hatten, Gefühle, die nie mehr wiederkehren würden.
Während die Maschine zum Stillstand kam, die Leute ihre Sicherheitsgurte lösten und ihre Taschen und Jacken aus den Gepäckfächern nahmen, stand ich im Geist mitten auf einer Wiese. Ich sog den Duft des Grases ein, spürte den Wind auf meiner Haut und hörte Vogelgezwitscher. Es war im Herbst 1969, kurz vor meinem zwanzigsten Geburtstag.
Die Stewardeß setzte sich zu mir, um sich nochmals nach meinem Befinden zu erkundigen.
"Danke, es geht mir wieder gut", sagte ich lächelnd. "Ich kam mir nur ein bißchen verlassen vor."
"Das geht mir manchmal auch so. Ich kenne das." Mit einem Nicken stand sie auf und schenkte mir ein liebenswürdiges Lächeln. "Dann also auf Wiedersehen und gute Reise." "Auf Wiedersehen", erwiderte ich.

Achtzehn Jahre sind inzwischen vergangen, und doch habe ich jene Wiese noch immer deutlich vor Augen. Nach mehreren Tagen mit leichtem Sommerregen leuchteten die Hügel tiefgrün und wie frisch gewaschen; die Oktoberbrise ließ die Grasähren schwanken, und dünne Wolkenschleier hafteten am eisblauen Himmel, der so unendlich hoch erschien, daß einem die Augen schmerzten, wenn man zu ihm hinaufsah. Ein Windstoß strich über die Wiese, zauste leicht Naokos Haar und floh in die Wälder. In den Baumwipfeln rauschten die Blätter, und aus der Ferne ertönte das Bellen eines Hundes - leise, erstickte Rufe wie von der Schwelle einer anderen Welt. Sonst drang kein Laut bis zu uns. Wir begegneten keinem Menschen. Nur zwei karmesinrote Vögel flatterten erschreckt aus der Wiese auf und flogen in den Wald davon.
Während wir nebeneinander hergingen, erzählte mir Naoko von einem Brunnen.
Mit der Erinnerung ist es eine seltsame Sache. Als ich tatsächlich mit beiden Füßen in dieser Landschaft stand, hatte ich ihr kaum Beachtung geschenkt. Nie hätte ich gedacht, daß sie einen solchen Eindruck hinterlassen würde, und schon gar nicht, daß ich mich nach achtzehn Jahren noch bis in jede Einzelheit an sie erinnern würde. Ehrlich gesagt, mir war die Landschaft an jenem Tag völlig egal. Ich dachte an mich, an das schöne Mädchen an meiner Seite, ich dachte an uns beide und dann wieder an mich selbst. In jenem Alter kehrte alles, was ich sah, was ich fühlte, was ich dachte, am Ende wie ein Bumerang stets zu meiner eigenen Person zurück. Noch dazu war ich verliebt. Und diese Liebe hatte mich in eine entsetzlich komplizierte Lage gebracht. Schon deshalb gab es für so etwas wie eine Landschaft keinen Platz in meinem Kopf.
Und doch kommt mir, wenn ich heute zurückdenke, als erstes die Wiese in den Sinn. Der Duft des Grases, die Brise mit ihrem Anflug von Kühle, die Hügelkette, das Hundegebell. Alles ist ganz deutlich, so deutlich, als müßte ich nur die Hand ausstrecken, um es zu berühren. Aber in dieser Szenerie gibt es keine Menschen. Niemanden. Naoko nicht und mich auch nicht. Was wohl aus uns geworden ist? Wie konnten wir einfach so verschwinden? Alles, was mir damals so wichtig schien - Naoko, ich und meine damalige Welt: Wohin sind sie nur verschwunden? Dabei kann ich mich ja kaum noch an Naokos Gesicht erinnern. Geblieben ist mir nur dieses menschenleere Bild.
Sicher, wenn ich eine Weile nachdenke, fällt mir wieder ein, wie sie aussah. Sie hatte kleine kalte Hände, schönes Haar, das sich völlig glatt anfühlte, und unter dem einen ihrer weichen, runden Ohrläppchen ein winziges Muttermal. Ich erinnere mich an den eleganten Kamelhaarmantel, den sie im Winter trug, an ihre Art, einem in die Augen zu sehen, wenn sie eine Frage stellte, an das leichte Beben, das hin und wieder in ihrer Stimme lag (als spräche sie auf einer stürmischen Bergspitze) - wenn ich diese Bilder nach und nach zusammenfüge, tauchen auch ihre Gesichtszüge wieder vor mir auf. Zunächst ihr Profil, was vielleicht daran liegt, daß Naoko und ich immer nebeneinander gingen. Sie wendet sich mir zu, lächelt, legt den Kopf ein wenig zur Seite und beginnt zu sprechen, wobei sie mir forschend in die Augen sieht. Ganz so, als beobachte sie das Tummeln winziger Fischlein auf dem Grund einer klaren Quelle.
Allerdings dauert es immer eine Weile, bis Naokos Gesicht aus den Tiefen meines Gedächtnisses auftaucht. Von Jahr zu Jahr hat es immer ein bißchen länger gedauert. Traurig, aber wahr. Zuerst brauchte ich fünf Sekunden, um die Erinnerung heraufzubeschwören, dann zehn, dann dreißig, bis eine Minute daraus geworden war. Ähnlich wie Schatten in der Dämmerung allmählich immer länger werden, bis die Dunkelheit sie ganz verschluckt, entfernte sich mein Gedächtnis tatsächlich immer weiter von Naoko, ebenso wie es sich immer weiter von meinem damaligen Ich zu entfernen schien. Allein die Landschaft, die Wiese im Oktober, spulte sich wie die Schlüsselsequenz in einem Film immer wieder vor meinem inneren Auge ab, drängte sich stets von neuem in mein Bewußtsein. Und jedesmal, wenn diese Landschaft in meinem Kopf erschien, versetzte sie mir einen Stoß.
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