Sag vor 1000 Personen das Wort "Eskimo" und alle haben dasselbe Bild im Kopf: Pelzgefütterte Parkas, Kanufahrten mit der Harpune, Robbenjagd und Iglus. Woher kommt dieses stereotype Bild? Wie so oft wurde es durch die Medien geschaffen - nämlich durch "Nanuk der Eskimo", einen der ersten Dokumentarfilme, den es jemals gab.
Hier reiste der Regisseur Robert Flaherty in den 20er Jahren nach Alaska um dort die Lebensgewohnheiten eines bis dahin fast vollkommen unbekannten Menschenschlages zu dokumentieren: Den fröhlich-sorglosen Ureinwohner dieser unwirtlichen, von der menschlichen Zivilisation scheinbar vollkommen unberührten Gegend, der in familiärer Klanstruktur in selbstgebauten Schneehütten wohnt und in erster Linie von Fischfang und Elfenbeinhandel lebt. Ihm gelingt ein wunderbar poetischer Stummfilm mit wunderschönen Bildern und einigen interessanten Erkenntnissen, die immer noch erstaunen.
Was den Film besonders von heutigen Produktionen unterscheidet, ist die natürliche Atmosphäre: Die Kamera läuft, und zeichnet einfach das Leben vor der Linse auf, ohne dass sich die Akteure verstellen müssen. Und auch wenn mittlerweile ans Licht kam, dass manche Szenen nachgespielt, und manche Fakten ein klein wenig zurechtgebogen wurden, bietet dieser Film nicht nur ein zutiefst entspannende, freundlich inszenierte Reise in ein anderes Land, sondern auch die interessante Erkenntnis, wie die öffentliche Wahrnehmung, manchmal ein ganzes Jahrhundert lang, durch einen einzigen journalistischen Beitrag geformt werden kann.