Vorab: dies ist kein Lehrbuch zu den verschiedenen Nanotechnologien, sondern eine Beschreibung der Karriere des Begriffes Nanotechnologie ( den der Autor außer in der Überschrift nur im Plural gebraucht ) und seiner Vermarktung in der Wissenschaftspolitik. Nanotechnologien befassen sich mit der Änderung von Stoffeigenschaften in Abhängigkeit von der Partikelgröße und Struktur ( z.B. Fullurene ), und waren lange schon Gegenstand der Forschungen in u. a. Chemie und Materialkunde.
Der Autor beschreibt, wie Wunschdenken, Science Fiction, transhumane Pläne und in die Suche nach Forschungsgeldern zu einer Aufladung des Begriffs mit quasireligiösen Heilerwartungen amerikanischer Herkunft geführt hat ( 'building the world atom by atom' ).
Durch übertriebene Erwartungen kann eine gefährlicheToleranz oder Ignoranz der Risiken entstehen ( dies belegt er am Beispiel des Einsatzes von Nanomaterialien in Reinigungsmitteln ). Auch werden so natürlich Forschungsgelder kanalisiert, die bei anderen Themen unter Umständen sinnvoller eingesetzt wären.
Gefördert wird diese Oberflächlichkeit auch durch die zunehmende Dominanz des Optischen ( auch in wissenschaftliche Publikationen - wie die 'Bilder` von Atomen ), die das notwendige Begreifen durch ein Betrachten ersetzt.
Kritisch geht der Autor mit der Philosophie ins Gericht, die sich heute wesentlich im Historischen bewegt, statt ihrer Aufgabe, nach Vernunft zu suchen und so zu helfen, 'Entscheidungen zu treffen, deren Ergebnis man nicht bereut`, nachzukommen. Zum Abschluß skizziert er, wie die Geisteswissenschaften ihre Passivität gegenüber naturwissenschaftlichen und technischen Entwicklungen überwinden können.