1 Jahr nach Ausbruch einer Nano-Seuche leben noch vereinzelte Überlebende in den Bergen, während sämtliche Insekten und sonstigen Kleintiere - und eben Nanos - das Tiefland bevölkern. Nanos, das sind kleinstmikroskopische, mit blossem Auge unsichtbare Maschinen, die wie künstliche, zweckmässig programmierte Zellen agieren. Und weil sie Maschinen sind, benötigen sie Energie. Diese findet sich in sämtlichen Warmblütern: durch Wunden gelingt ihnen der instinktive Eintritt ins organische Gewebe, wo sie sich verteilen und vermehren, und somit den Körper des Wirts unaufhaltsam zerstören. Sie wurden aber mit einer Art Sicherung versehen, die sie ab einem gewissen Luftdruck in Stasis versetzt. Sobald Infizierte die Bergspitze verlassen, werden die bereits eingefangenen Nanos wieder aktiv.
Die Geschichte beginnt in einer Kommune, die gerade einen aus ihrer Reihe verseist haben. Denn in jener Höhe gibt's praktisch keine Vegetation mehr. Das unausweichliche Ende rückt näher - bis ein Überlebender aus dem Tiefland auftaucht, der aus einer Kommune stammt, die gegenüber auf der benachbarten Bergspitze lebt. Man hat sich gegenseitig bereits vor langer Zeit gesichtet.
Gleichzeitig lechzt eine gewisse Ruth danach, den Orbit zu verlassen, um endlich wieder Luft zu atmen. Seit über 1 Jahr lebt sie mit ihrer Crew in einer orbitalen Raumstation. Sie ist u.a. Nano-Expertin und sieht für sich die Chance, für die Welt ein bedeutsames Nano-Pflaster herzustellen. Im hochgelegenen Leadville, wo sich die letzten Regierungsleute unter ständiger Bedrohung einer Rebellengruppierung in einer post-apokalyptischen Festung aus Autos und Schrott zurückgezogen haben, tüftelt man an Möglichkeiten zur Bekämpfung des Nanoviruses.
Die Parallelgeschichten werden nach und nach zusammengeführt und schildern das Aufspüren und die Suche nach jenem Nanolabor, von wo die Epidemie ausgebrochen ist, sowie den Kampf um das mögliche Gegenmittel.
Carlson pflegt einen direkten Schreibstil, der recht viel Aufmerksamkeit erfordert. Selten wiederholt er frühere Fakten und Begebenheiten, um eine Zusammenhang zu späteren Dingen herzustellen, er verlässt sich voll auf die Aufmerksamkeit des Lesers. In meinem Falle war sie durchschnittlich, da ich das Buch mit geteiltem Interesse gelesen habe, womit sich dann und wann einige Unklarheiten ergaben. Ein Plotpoint wird selten komplett dargelegt, nur beispielsweise ein Blick und ein halber Kommentar ("Du meinst... das...?!") deuten auf eine neue Erkenntnis hin. Der Realitätsgrad seiner Geschichte ist beachtlich, Wunden und Verletzunge werden nicht beschönigt und jeder Triumph wird von einer ernüchternden Niederlage begleitet, wie wenn ein halb Verhungerter einen Haufen Dosenfrüchte findet, aber über keinen Dosenöffner verfügt.
Auch hinsichtlich der Beziehungen geht Carlson sehr weit. Gewisse Überlebende verlieben sich, doch die Situation lässt sie zweifeln: sind wir nun verliebt, oder sind wir in dieser Endzeit unseren Illusionen und Bedürfnissen nach Liebe und Wärme ausgeliefert? Wie echt kann diese Liebe sein? Ruth wird nebenbei auch von ihrer Rolle als mögliche Weltretterin unter starken Druck gesetzt, was sämtliche Zwischenmenschlichkeiten ebenso erschwert.
Die letzte Phase des Buches ist sehr spannend, wartet aber tatsächlich mit einer etwas unrealistischen Wendung auf sich. Fand ich allerdings nicht so störend wie scheinbar viele andere. Vermutlich deswegen, weil auch bei diesem scheinbaren "Happy-End" nicht alles so vielversprechend ist. Zuviele Zweifel, zuviele unsichere Spekulationen lassen Zweifel hochkommen, ob die Happy-End-Leute längerfristig auch wirklich besser dran sind als die Infizierten.
In Sachen Nanotechnologie wird man soweit 'belehrt', dass man den ungefähren Hergang der Krankheit grad noch versteht (siehe oben). Ob dies realistisch ist oder nicht, kann ich nicht sagen, doch Carlson ist definitiv kein Hard-SciFi-Autor. Gerade jedoch durch diese gewissen "Laien-Lücken" entwirft Carlson vor allem im Nachfolgeband einige sehr unglaubwürdige, geradezu an Magie angelehnte Möglichkeiten. Ein (sanftes) Beispiel: Nanos, die geographische Grenzen "erkennen", also ausserhalb eines Landes nicht funktionieren.
Am Ende bleibt eine nüchterne, realistische Endzeit-Geschichte, sanft gewürzt mit Action und Spannung, die sich zu 95 % im Hochland abspielt. Man soll also kein FALLOUT3 erwarten. Im Nachfolgeband wird die Endzeit-Stimmung vor allem Anfangs stark in den Vordergrund gerückt.