Aus der Amazon.de-Redaktion
Unter dem Motto: Essen soll Spaß machen (!!!) präsentiert Nanny Ogg echte Scheibenwelt-Spezialitäten: zum Beispiel Lord Vetinaris Lieblingsgericht "Brot und Wasser" oder "Schafsaugen", die sich bei den Bewohnern von Klatsch gerüchteweise großer Beliebtheit erfreuen. Nicht nur genießbar, sondern sogar sehr schmackhaft ist der Echte Wiewunderland-Curry, nach einem Rezept von Ponce da Quirm. Natürlich darf auch Nanny Oggs berüchtigter Erdbeerwackler nicht fehlen (der übrigens -- ein Selbstversuch hat es bewiesen -- mit Pflaumen ebenso leicht zuzubereiten und trotzdem nicht jugendfrei ist).
In einem besonderen, der Zwergenküche gewidmeten Abschnitt findet sich außerdem eine für Menschen genießbare Variante des Zwergenbrotes und ein leckeres Rezept für Rattenpizza. Alle Gerichte sind leicht nachzukochen, da die scheibenwelttypischen Zutaten glücklicherweise durch hier zu Lande erhältliche ersetzt wurden.
Der zweite Teil des Buches bietet als Abrundung eine Reihe nützlicher Tipps zum Umgang mit Zwergen, Trollen und Untoten, die manchem eingeschlagenen Schädel vorbeugen dürften. Neben zahlreichen Anspielungen auf Pratchetts Romane machen die liebevollen Illustrationen das Lesen zu einem besonderen Vergnügen. Abschließend sei noch erwähnt, dass sämtliche Testpersonen die Probe-Verkostung ausgewählter Rezepte überlebt haben. Nanny Oggs Kochbuch kann also ohne Bedenken empfohlen werden; für Scheibenwelt-Fans ist es ohnehin ein Muss! --Sara Schade -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Er ist zum Schreien komisch. Er ist weise. Er hat Stil." (Daily Telegraph )
"Ein Ende der Erfolgsstory SCHEIBENWELT ist nicht in Sicht ... Pratchetts Bücher verkaufen sich verdammt gut." (Der Spiegel )
Kurzbeschreibung
Das ungewöhnlichste Kochbuch seit langer Zeit! Und mehr: Es enthält: ca. 50 Originalrezepte von der Scheibenwelt, dazu bedenkenswerte Weisheiten und gut gemeinte Ratschläge für junge Leute, die an der Schwelle des Abenteuers namens Ehe stehen; sowie Belehrungen über Etikette und viele andere hilfreiche Bemerkungen rund um das Essen und Verdauen.
Klappentext
Oxford Times
"Er ist zum Schreien komisch. Er ist weise. Er hat Stil."
Daily Telegraph
"Ein Ende der Erfolgsstory SCHEIBENWELT ist nicht in Sicht ... Pratchetts Bücher verkaufen sich verdammt gut."
Der Spiegel
Über den Autor
Stephen Briggs wurde 1951 in Oxford geboren, wo er auch heute noch lebt. Seine äußerst produktive Zusammenarbeit mit Terry Pratchett beruht auf einem glücklichen Zufall - und Stephen Briggs Leidenschaft fürs Theater: Nachdem Briggs für die örtliche Laienschauspieltruppe bereits Werke von Monty Python oder auch Tom Sharpe für die Bühne adaptiert hatte, war er auf der Suche nach neuem Stoff, als ihn ein Bekannter auf Terry Pratchett aufmerksam machte. Briggs las den frühen Scheibenwelt-Roman "MacBest", machte ein Theaterstück daraus, lud Terry Pratchett zur Premiere ein - und es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft …
Stephen Briggs schuf mit der Zeit eine umfassende Datenbank zur Scheibenwelt: der Samen, aus dem dann in Zusammenarbeit mit Terry Pratchett das Kompendium "Die Scheibenwelt von A-Z" erwuchs. Auch die Scheibenwelt-Karte "Die Straßen von Ankh-Morpork" geht auf eine Idee von Stephen Briggs zurück. Des Weiteren arbeitete Briggs bei Projekten wie "Nanny Oggs Kochbuch" oder den Scheibenwelt-Kalendern eng mit Terry Pratchett zusammen.
Paul Kidby las 1993 seinen ersten Scheibenwelt-Roman und widmet seitdem sein künstlerisches Schaffen fast ausschließlich den Orten und Bewohnern dieser Scheibe, denn: "Es ist eine große Welt, und es gibt viel zu tun." Neben den Buchcovern und Grußkarten illustrierte er auch die Scheibenwelt-Kalender und "Nanny Oggs Kochbuch". Ein erster Band mit Kunst aus der Scheibenwelt ist in Deutschland unter dem Titel "Das Scheibenwelt-Album" erschienen, gefolgt von "Wahre Helden", einem Scheibenwelt-Roman, den Kidbys meisterhafte Illustrationen zu einem wahren Sammlerstück machen.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht froh darüber bin, in Lancre geboren zu sein. Ich kenne jeden Quadratzentimeter dieses Ortes und auch alle Leute, und wenn ich so über die Berge, Hügel, Wälder und Täler sehe, denke ich: »Das junge Paar ist ziemlich lange im Dickicht gewesen. Ich sollte mit der Mutter der jungen Frau reden.«
Viele der alten Traditionen, die ich als Mädchen kannte, geraten immer mehr in Vergessenheit. Inzwischen gibt es meines Wissens sechs Öllampen im Königreich, und im Schloss wurde einer dieser neuen Aborte eingebaut, die sich selbst reinigen. Mein Shawn, der dort oben alles erledigt, abgesehen vom Regieren, muss nicht mehr jede Woche die Grube leeren. Er braucht nur noch den 1000-Liter-Tank auf dem Turm zu füllen. Das nennt man Fortschritt. Natürlich endet alles im Fluss; was man an Komfort gewinnt, geht für den Kompost verloren.
All dies bedeutet, dass sich die Zeiten ändern. Unter solchen Umständen laufen die Leute verwirrt herum, sind voller Ungewissheit und wenden sich an mich, weil ich eine grande dame bin, eine »große Frau«, wie man bei uns sagt, und dann stellen sie Fragen, die ihnen keine Ruhe lassen, zum Beispiel: Welche Feinheiten der Etikette gilt es zu beachten, wenn man eine Abendgesellschaft veranstaltet und der Mann, der bei Volksfesten Wiesel durch seine Hosenbeine laufen lässt und deshalb in dieser Gegend hohes Ansehen genießt, den Platz neben der Tochter eines Mannes erhält, der einst den zweiten Sohn eines Grafen niederschlug? Mit solchen verzwickten Problemen bekommt es eine Gastgeberin jeden Tag zu tun. Man braucht Erfahrung, um alles richtig zu machen und zu gewährleisten, dass ein sehr weiches Kissen auf dem Stuhl des Wieselmannes liegt, denn der arme Kerl leidet wegen seiner Kunst.
Man fragt mich Dinge wie: Auf welche Weise spricht man einen Herzog an? Bei solchen Gelegenheiten weise ich darauf hin, dass es von gewissen Details abhängt, etwa davon, ob man ein Tor aufhalten muss und einen halben Dollar verdienen kann. In dem Fall heißt es »Guten Tag, Euer Gnaden«. Aber wenn man gerade versucht, das Schloss anzuzünden, und wenn der Mob die Fenster einschlägt, sollte man ihn besser »Du aufgeblasener, verlogener Mistkerl!« nennen. Es ist alles eine Frage der finesse.
Immer wieder kommen Leute zu mir und möchten wissen, wie man den zehnten Hochzeitstag nennt, oder ob es sich lohnt, Bohnen am Donnerstag zu pflanzen. Es ist ganz natürlich, dass sich die Leute solche Auskünfte von uns Hexen erhoffen, denn immerhin sind wir die Hüterinnen der Tradition, aber die jungen Mädchen von heute scheinen nicht viel davon zu halten, diese Dinge zu lernen. Sie sind mehr an Kerzen und Glückskristallen und dergleichen interessiert. Ich möchte gern wissen, wie ein Kristall, ein Stück Fels, glücklich sein kann. Ich traue dem Okkulten nicht – man weiß nie, wer damit zu tun hatte.
Heutzutage wird mehr geschrieben als in meiner Jugend, und deshalb dachte ich mir: Schreib all die kleinen Tipps auf, mit denen man die vielen Unebenheiten auf dem Weg des Lebens glätten kann. Der Abschnitt mit den Rezepten ist deshalb so groß, weil sich so viel im Leben ums Essen dreht. Gute Manieren waren gefragt, als man alle Mammuts erlegt hatte und es keine Nahrungsstücke mehr gab, die groß genug waren, um alle gleichzeitig essen zu lassen. Eine gute Mahlzeit erfordert gute Manieren.
HINWEIS DER HERAUSGEBER
Gytha »Nanny« Ogg, die Autorin dieses Buches, ist eine bekannte Anwenderin jener Kombination aus praktischer Psychologie, gesundem Menschenverstand und okkulter Technik, die man Hexerei nennt.
Ihr Genie zeigt sich auch in der geschriebenen Sprache, denn dem Leser dürfte bald klar werden, dass sie eine ganz eigene Vorstellung von Grammatik und Orthografie hat. Was Interpunktion betrifft, fehlt es ihr an jeglicher Vorstellung. Satzzeichen scheint sie aus einer gewissen Entfernung aufs Papier zu werfen, wie Pfeile aufs Wurfbrett.
Wir haben uns die Freiheit genommen, die Sätze ein wenig zu entwirren, wobei hoffentlich etwas von der Atmosphäre des Originals erhalten geblieben ist. Darüber hinaus erlauben wir uns einen Hinweis auf die Gewichte und Maße bei den Kochrezepten. Wir haben sie, wenn auch widerstrebend, ins metrische System übertragen, denn Nanny Ogg verwendet häufig die sehr spezielle Maßeinheit namens »etwas« (zum Beispiel: »Man nehme etwas Mehl und etwas Zucker.«)
In diesem Zusammenhang waren einige, äh, Experimente erforderlich, denn die Maßeinheit »etwas« zeichnet sich durch eine gewisse Komplexität aus. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist etwas Mehl mehr als etwas Salz, aber die Hälfte von etwas scheint es nicht zu geben, dafür aber »ein bisschen«, wie in »ein bisschen Pfeffer«.
Man gewinnt instinktiv den Eindruck, dass ein bisschen Mehl mehr ist als etwas Pfeffer, aber vielleicht weniger als ein bisschen Butter. Mit »ein Stück Brot« dürfte eine Hand voll gemeint sein, und auch »ein Krümel« überfordert unsere Vorstellungskraft nicht. Allerdings bleibt unklar, welche Menge mit »ein Brocken« gemeint sein könnte.
Auch bei der Zeit ergab sich ein Problem, denn mit Längenangaben weiß Frau Ogg kaum etwas anzufangen, es sei denn sie betreffen humorvolle anatomische Bereiche. Wir konnten den Begriff »eine Weile« nicht in eine klar definierte Zeitspanne übersetzen. Offenbar handelt es sich um eine exponenzielle Maßeinheit. Ein Herausgeber fand verlässliche Hinweise darauf, dass »eine Weile« beim Kochen auf etwa 35 Minuten hinausläuft, aber wir fanden auch Beispiele dafür, dass »für eine Weile« bis zu zehn Jahre bedeuten kann, und kein Teig muss so lange aufgehen.
Schließlich gibt es noch das Problem der Authentizität. Bei vielen Rezepten mussten wir gewisse Ingredienzen durch andere ersetzen, da die Scheibenwelt-Äquivalente nicht zur Verfügung stehen, ungenießbar oder noch schlimmer sind. Kaum ein Autor kann sich auf Dauer seinen Lebensunterhalt verdienen, indem er seine Leser umbringt. Beispielsweise die verschiedenen Arten von Zwergenbrot. In Großbritannien findet man Ziegelsteinstaub normalerweise nicht einmal in Würstchen. Er schadet den Zähnen. Granit wird nur selten Menschen vorgesetzt. Zwar gibt es eine göttliche Anweisung, nach der der Mensch ein Viertelscheffel Dreck essen muss, bevor er stirbt, aber nirgends steht geschrieben, dass dies auf einem Teller geschehen muss. Außerdem sind die meisten menschlichen Nahrungsmittel, vielleicht mit Ausnahme der Sahnetorte, nicht für aggressive Zwecke bestimmt.
Deshalb haben wir auf strenge Genauigkeit verzichtet; wichtiger ist für uns, dass wir am Ende dieses Buches ebenso viele lebende Leser haben wie zu Anfang. Es geht uns darum, Aussehen und Eindruck der ursprünglichen Scheibenwelt-Speisen zu vermitteln und den Originalgeschmack soweit wie möglich zu meiden.
Terry Pratchett
Stephen Briggs
NANNY OGGS
PHILOSOPHIE
DES
KOCHENS
Die Leute sagen, dass die Liebe eines Mannes durch den Magen geht, was zeigt, dass sie in Hinsicht auf Anatomie ebenso verwirrt sind wie bei fast allen anderen Dingen. Aber vielleicht meinen sie damit auch nur, dass es gelegentlich zu Blähungen kommen kann. Wie dem auch sei: Wir leben nicht in einer perfekten Welt, und eine junge Frau sollte genug Weitblick haben und jene Künste erlernen, die einen Mann mit schwachem Willen davon abhalten, auf Irrwege zu geraten. Darüber hinaus ist es auch nützlich, Kochen zu lernen. (Nur ein kleiner Scherz, nichts für ungut.)
Es heißt, es gebe keine richtige Hauswirtschaft mehr. Es heißt auch, dass jene Fertigkeiten, die einst in allen Bereichen der Gesellschaft als selbstverständlich galten, immer mehr vernachlässigt werden. Angeblich liegt es daran, dass heute alle ans Vergnügen denken: an Theater, Lesen, Ballspiele und natürlich auch an selbst geschaffene Unterhaltung, wofür wir in meiner Jugend keine Zeit hatten.
Meine Oma verstand es sogar,...
Auszug aus Nanny Oggs Kochbuch von Terry Pratchett, Stephen Briggs, Tina Hannan. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht froh darüber bin, in Lancre geboren zu sein. Ich kenne jeden Quadratzentimeter dieses Ortes und auch alle Leute, und wenn ich so über die Berge, Hügel, Wälder und Täler sehe, denke ich: "Das junge Paar ist ziemlich lange im Dickicht gewesen. Ich sollte mit der Mutter der jungen Frau reden." Viele der alten Traditionen, die ich als Mädchen kannte, geraten immer mehr in Vergessenheit. Inzwischen gibt es meines Wissens sechs Öllampen im Königreich, und im Schloss wurde einer dieser neuen Aborte eingebaut, die sich selbst reinigen. Mein Shawn, der dort oben alles erledigt, abgesehen vom Regieren, muss nicht mehr jede Woche die Grube leeren. Er braucht nur noch den 1000-Liter-Tank auf dem Turm zu füllen. Das nennt man Fortschritt. Natürlich endet alles im Fluss; was man an Komfort gewinnt, geht für den Kompost verloren. All dies bedeutet, dass sich die Zeiten ändern. Unter solchen Umständen laufen die Leute verwirrt herum, sind voller Ungewissheit und wenden sich an mich, weil ich eine grande dame bin, eine "große Frau", wie man bei uns sagt, und dann stellen sie Fragen, die ihnen keine Ruhe lassen, zum Beispiel: Welche Feinheiten der Etikette gilt es zu beachten, wenn man eine Abendgesellschaft veranstaltet und der Mann, der bei Volksfesten Wiesel durch seine Hosenbeine laufen lässt und deshalb in dieser Gegend hohes Ansehen genießt, den Platz neben der Tochter eines Mannes erhält, der einst den zweiten Sohn eines Grafen niederschlug? Mit solchen verzwickten Problemen bekommt es eine Gastgeberin jeden Tag zu tun. Man braucht Erfahrung, um alles richtig zu machen und zu gewährleisten, dass ein sehr weiches Kissen auf dem Stuhl des Wieselmannes liegt, denn der arme Kerl leidet wegen seiner Kunst. Man fragt mich Dinge wie: Auf welche Weise spricht man einen Herzog an? Bei solchen Gelegenheiten weise ich darauf hin, dass es von gewissen Details abhängt, etwa davon, ob man ein Tor aufhalten muss und einen halben Dollar verdienen kann. In dem Fall heißt es "Guten Tag, Euer Gnaden". Aber wenn man gerade versucht, das Schloss anzuzünden, und wenn der Mob die Fenster einschlägt, sollte man ihn besser "Du aufgeblasener, verlogener Mistkerl!" nennen. Es ist alles eine Frage der finesse. Immer wieder kommen Leute zu mir und möchten wissen, wie man den zehnten Hochzeitstag nennt, oder ob es sich lohnt, Bohnen am Donnerstag zu pflanzen. Es ist ganz natürlich, dass sich die Leute solche Auskünfte von uns Hexen erhoffen, denn immerhin sind wir die Hüterinnen der Tradition, aber die jungen Mädchen von heute scheinen nicht viel davon zu halten, diese Dinge zu lernen. Sie sind mehr an Kerzen und Glückskristallen und dergleichen interessiert. Ich möchte gern wissen, wie ein Kristall, ein Stück Fels, glücklich sein kann. Ich traue dem Okkulten nicht - man weiß nie, wer damit zu tun hatte. Heutzutage wird mehr geschrieben als in meiner Jugend, und deshalb dachte ich mir: Schreib all die kleinen Tipps auf, mit denen man die vielen Unebenheiten auf dem Weg des Lebens glätten kann. Der Abschnitt mit den Rezepten ist deshalb so groß, weil sich so viel im Leben ums Essen dreht. Gute Manieren waren gefragt, als man alle Mammuts erlegt hatte und es keine Nahrungsstücke mehr gab, die groß genug waren, um alle gleichzeitig essen zu lassen. Eine gute Mahlzeit erfordert gute Manieren.
Hinweis der Herausgeber
Gytha "Nanny" Ogg, die Autorin dieses Buches, ist eine bekannte Anwenderin jener Kombination aus praktischer Psychologie, gesundem Menschenverstand und okkulter Technik, die man Hexerei nennt. Ihr Genie zeigt sich auch in der geschriebenen Sprache, denn dem Leser dürfte bald klar werden, dass sie eine ganz eigene Vorstellung von Grammatik und Orthografie hat. Was Interpunktion betrifft, fehlt es ihr an jeglicher Vorstellung. Satzzeichen scheint sie aus einer gewissen Entfernung aufs Papier zu werfen, wie Pfeile aufs Wurfbrett. Wir haben uns die Freiheit genommen, die Sätze ein wenig zu entwirren, wobei hoffentlich etwas von der Atmosphäre des Originals erhalten geblieben ist. Darüber hinaus erlauben wir uns einen Hinweis auf die Gewichte und Maße bei den Kochrezepten. Wir haben sie, wenn auch widerstrebend, ins metrische System übertragen, denn Nanny Ogg verwendet häufig die sehr spezielle Maßeinheit namens "etwas" (zum Beispiel: "Man nehme etwas Mehl und etwas Zucker.") In diesem Zusammenhang waren einige, äh, Experimente erforderlich, denn die Maßeinheit "etwas" zeichnet sich durch eine gewisse Komplexität aus. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist etwas Mehl mehr als etwas Salz, aber die Hälfte von etwas scheint es nicht zu geben, dafür aber "ein bisschen", wie in "ein bisschen Pfeffer". Man gewinnt instinktiv den Eindruck, dass ein bisschen Mehl mehr ist als etwas Pfeffer, aber vielleicht weniger als ein bisschen Butter. Mit "ein Stück Brot" dürfte eine Hand voll gemeint sein, und auch "ein Krümel" überfordert unsere Vorstellungskraft nicht. Allerdings bleibt unklar, welche Menge mit "ein Brocken" gemeint sein könnte. Auch bei der Zeit ergab sich ein Problem, denn mit Längenangaben weiß Frau Ogg kaum etwas anzufangen, es sei denn sie betreffen humorvolle anatomische Bereiche. Wir konnten den Begriff "eine Weile" nicht in eine klar definierte Zeitspanne übersetzen. Offenbar handelt es sich um eine exponenzielle Maßeinheit. Ein Herausgeber fand verlässliche Hinweise darauf, dass "eine Weile" beim Kochen auf etwa 35 Minuten hinausläuft, aber wir fanden auch Beispiele dafür, dass "für eine Weile" bis zu zehn Jahre bedeuten kann, und kein Teig muss so lange aufgehen. Schließlich gibt es noch das Problem der Authentizität. Bei vielen Rezepten mussten wir gewisse Ingredienzen durch andere ersetzen, da die Scheibenwelt-Äquivalente nicht zur Verfügung stehen, ungenießbar oder noch schlimmer sind. Kaum ein Autor kann sich auf Dauer seinen Lebensunterhalt verdienen, indem er seine Leser umbringt. Beispielsweise die verschiedenen Arten von Zwergenbrot. In Großbritannien findet man Ziegelsteinstaub normalerweise nicht einmal in Würstchen. Er schadet den Zähnen. Granit wird nur selten Menschen vorgesetzt. Zwar gibt es eine göttliche Anweisung, nach der der Mensch ein Viertelscheffel1 Dreck essen muss, bevor er stirbt, aber nirgends steht geschrieben, dass dies auf einem Teller geschehen muss. Außerdem sind die meisten menschlichen Nahrungsmittel, vielleicht mit Ausnahme der Sahnetorte, nicht für aggressive Zwecke bestimmt. Deshalb haben wir auf strenge Genauigkeit verzichtet; wichtiger ist für uns, dass wir am Ende dieses Buches ebenso viele lebende Leser haben wie zu Anfang. Es geht uns darum, Aussehen und Eindruck der ursprünglichen Scheibenwelt-Speisen zu vermitteln und den Originalgeschmack soweit wie möglich zu meiden.
Terry Pratchett
Stephen Briggs