Der Erfolg ihres gemeinsamen
Romans hat Emma McLaughlin und Nicola Kraus sehr überrascht. Die beiden jungen Autorinnen sind Insider auf dem Nannysektor und haben ihre Erfahrungen schriftstellerisch verarbeitet. Getreu dem Motto, dass Fiktion eben doch interessanter als das wirkliche Leben ist, haben sie die Figuren ihres Dramas liebevoll ausgestaltet und mit ihrer Botschaft, materiell verwöhnten, aber emotional vernachlässigten Kindern mehr Aufmerksamkeit zu schenken voll in die Herzen ihrer Leser getroffen. Auch die Filmindustrie wurde auch die köstliche Gesellschaftssatire mit Herz und Biss aufmerksam, die 2007 unter der Regie von Shari Springer Berman und Robert Pulcini verfilmt wurde. Liebevoll ausgestattet und mit sehr guten Darstellern besetzt, konnte bei dem Film eigentlich gar nichts schiefgehen. Leider schwächen die eingebauten märchenhaften Elemente und das versüßte Filmende den Biss der Buchvorlage. Das Ergebnis ist ein eher durchschnittliches Selbstfindungsdrama mit obligatorischer Romantik.
Annie Braddock hat eben das Abschlusszeugnis in Anthropologie in der Tasche und möchte nun mit ihren Talenten den amerikanischen Markt erobern. Leider fällt ihr bereits auf die erste Frage im Vorstellungsgespräch nichts ein. Woher soll sie eigentlich wissen, wer sie selbst ist? Als sie sich im Central Park eher trübsinnige Gedanken über ihre Zukunft macht, fällt ihr Blick auf einen kleinen Jungen, den sie gerade noch retten kann, bevor er von einem abgelenkten Radler überrollt wird. Dankbar reicht die Mutter ihr die Hand und fragt nach ihrem Namen. Statt Annie versteht Mrs. X aber nur Nanny und schon bekommt Annie eine Flut von Visitenkarten von verzweifelten, reichen Müttern zugesteckt, die unbedingt mehr Zeit für sich brauchen. Unsere Heldin beschließt, ihre Karrierepläne erst einmal auf Eis zu legen und Feldforschung im Familiensektor zu betreiben. Sie nimmt den Job als Nanny bei der Familie X an. Allerdings hat der Job eindeutig seine Tücken. Der kleine Grayer, der seine letzte Nanny vermisst, hasst Annie. Sie muss in einer Besen-kammer schlafen und ihre neue Arbeitgeberin erwartet von ihr, dass sie fast rund um die Uhr bereit steht. Die letzte Nanny wurde entlassen, weil sie nur ein Date hatte! Männer sind also für Annie tabu, aber gleich am nächsten Tag läuft ihr der schnuckelige Nachbar von Familie X über den Weg, der bei ihr nur Harvard Hottie heißen wird. Außerdem hat sie ihrer Mutter noch nicht gestanden, dass sie sich für einen Dienstbotenjob weg wirft. Ihre beste Freundin Lynette hält sie für leicht verrückt, dass sie diesen Horrorjob behält. Aber Annie hat ihr Herz bereits an den kleinen, einsamen Grayer verloren, dessen Mutter sich keine Zeit für ihn nimmt. Der Vater X ist sogar noch schlimmer und vernachlässigt Frau und Sohn, um Geld zu scheffeln und seine Geliebte zu bedienen. Annie singt Grayer französische Lieder vor, schleppt ihn zu wichtigen Spielterminen und Partys und versucht nebenbei noch die hohen Anforderungen der exzentrischen Mrs. X zu erfüllen. Aber auch Harvard Hottie gibt nicht auf und möchte Annies Herz erobern. Der gemeinsame Familienurlaub bringt die perfekte Nanny dann auch an die persönlichen Grenzen. Aber ein Abschied von dem liebenswerten Grayer würde Annie und dem Kleinen das Herz brechen. Aber vielleicht liegt diese Entscheidung auch gar nicht in Nannys Hand...
Ein roter Schirm, der im Film als Symbol dafür steht, dass Annie ihren Problemen davon schweben will, erinnert an "Mary Poppins" und es ist bestimmt kein Zufall, dass auch die Filmmusik an den Klassiker erinnert. Leider hat Annie aber keine zauberhaften Fähigkeiten, die ihre Arbeit erleichtern. Mrs. X hat bestimmt nicht nur zufällig einen Mantel im Schlangenlederlook an, als sie Annie im Central Park zuerst begegnet. Leider hat unsere Heldin dieses Warnzeichen bemerkt und hält die extravagante Upper East Side Dame noch für etwas Besonderes. Annies Lieblingsplatz in ihrer Heimatstadt New York ist das Naturkundemuseum. Die Schaukästen des Museums wurden filmisch erweitert und der Zuschauer kann typische Szenen aus dem Großstadtleben der Reichen und Erfolgreichen betrachten. Annie merkt an, dass es in Afrika ein Sprichwort gibt: Es bedarf eines ganzen Dorfes, um ein Kind groß zu ziehen. An der Upper East Side jedoch bedarf es für die Erziehung des Kindes nur einen Menschen: Die Nanny!
Die Extras sind bei dieser DVD erwähnenswert, weil sie interessanten Aufschluss über die Hintergründe dieses Filmes geben. Da gibt ein Interview, in dem die Autorinnen des Buches munter über die Entstehungsgeschichte ihres Romans sprechen und auch ihre Eindrücke von dem filmischen Ergebnis wiedergeben. Sie haben bis zum Alter von 23 Jahren selbst als Nannys gearbeitet. "Mit 21 Jahren, so sagen sie, siehst Du Dich in der Welt Deiner Arbeitgeber um und Du denkst, wenn Du Dich anstrengst, könntest Du es genauso wie sie haben. Und dann siehst Du, wie sie wirklich leben und dann möchtest Du auf keinen Fall so werden wie sie. Die Frau ist in ihrem Bereich und das Kind soll in seinem Bereich bleiben. So willst Du nicht enden." Im Making of kommen die verschiedenen Schauspieler zu Wort und auch der Drehort New York wird gezeigt. Einige Szenen spielen im Central Park, der aber niemals für Dreharbeiten gesperrt wird. Eine anregende Herausforderung für die Crew.
Rein optisch besticht die Geschichte der Nanny mit Herz natürlich schon sehr. Scarlett Johannson ist wie immer ein Hingucker und sie spielt die mutige Nanny mit Überzeugung. Laura Linney darf sich als eiskalte Mrs. X in Szene setzen und sie kann einfach umwerfend aussehen. Als Gesellschaftssatire dagegen ist der Film etwas zu lasch. Die Romanze mit Harvard Hottie, die im Roman eher stiefmütterlich behandelt wurde, wurde filmisch etwas mehr ausgestalten, aber wirklich romantisch wirken Scarlett Johannson und Chris Evans dann doch nicht. Als eher leichtere Unterhaltung für einen verregneten Sonntagnachmittag ist der Film durchaus okay, aber aus der Buchvorlage hätte man eindeutig mehr machen können!