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Der Liedermacher von der Spree verbiegt sich nach wie vor nicht. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er im ironischen Album-Opener "Alles O.K. in Guantánamo Bay" zum Karibikbeat mit den Menschenrechtsverletzungen und der Arroganz der Weltmacht USA abrechnet. Er beklagt als Tierschützer im Titel "Hundgebet" das bedauernswerte Stadtdasein unserer Vierbeiner, und er hält im Antikriegslied "Die Waffen nieder" zum wiederholten Male ein Plädoyer für den Frieden, das unter die Haut geht.
Doch nicht nur das Zeitgeschehen im Weltmaßstab liegt dem Poeten mit der Nickelbrille am Herzen, für seine Erfahrungen im Privaten findet er ebenso treffende Worte. Im autobiografischen "Douce France" zum Beispiel erinnert sich der frankophile Künstler an seine jugendlichen Reiseeindrücke von der Grande Nation. Das ebenfalls sehr persönliche "Sven" erzählt von der Comic-Leidenschaft, die Reinhard Mey seit der Kindheit nicht losgelassen hat. Und "Ich glaube nicht" schließlich ist eine offenherzige Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhältnis zur Religion.
Egal, worüber der bei Erscheinen des Album 61 Jahre alte Liedermacher auch singt: Er ist immer noch ganz er selbst, verspürt nicht die geringste Lust zur Camouflage. Gerade dieser Ehrlichkeit verdankt er zu Recht seine seit mehreren Jahrzehnten ungebrochen anhaltende Popularität.
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Das gesamte Album und seine 13 Titel leben wieder von der Mey ganz eigenen Beobachtungsgabe und der in meinen Augen immer wieder aufs Neue brillianten, lyrischen Umsetzung in seinen Texten. "Wo nimmt er nur all' diese Worte her...?" Könnte man da glatt mit einer seiner Passagen aus "Immer mehr" fragen. An den hier von einem anderen Kritiker angeprangerten phasenweisen Wiederholungen sei es textlich oder auch musikalisch kann ich nichts verwerfliches finden. Wenn andere Künstler es nach wesentlich kürzer Schaffens-Phase nur noch zustande bringen gleichklingende Musik-Meterware abzuliefern, dann darf meiner Meinung nach 23 Alben und über 500 Liedern ruhig schon einmal ein Stück altvertrautes in der ein oder anderen Passage enthalten sein. Irgendwo schließt sich damit vielleicht für Reinhard Mey der ein oderer andere ganz persönliche Kreis. Mit Sicherheit resultiert dies nicht aus purer Einfallslosigkeit seinerseits.
Nanga Parbat ist, das wurde hier auch schon gesagt, kein ohrwurmgetränktes Easy-Listening-Album. Wie bei allen Liedern und Alben zuvor muß man es reifen lassen, man muß es an hören, ihm zu hören und immer wieder neue Dinge heraushören, die das ganze Werk mit jedem Mal schärfer und klarer werden lassen. Und genau das ist es doch, was die Musik von Reinhard Mey so besonders macht, dass sie nicht abflacht und nicht stumpf wird und einem auch nach vielen Jahren länger nicht gehörte Stücke Gänsehaut, wohlige Schauer oder auch feuchte Augen bescheren.
Einziger kleiner Wehrmutstropfen zum Schluß. Diesesmal heißt es ein ganzes Jahr länger warten als üblich, bis Reinhard Mey die neuen Lieder und die vertrauten sowieso wieder uns seinem Publikum live zum Geschenk macht. Bis dahin heißt es in den Erinnerungen an das Rüm Hart Konzert in Düsseldorf 2002 zu schwelgen und diese mit dem Ansehen der Live-DVD noch etwas lebendiger zu halten.
Ganz klar 5 Sterne!!!
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