Der Dorfpfarrer(Matthias Habich) bringt es bei seiner Predigt auf den Punkt. Dieser Bibelsatz wird dem Bergsteiger Reinhold Messner(Florian Stetter) immer im Gedächtnis bleiben, wenn er an den Nanga Parbat zurückdenkt. Ist es möglich, eine Filmrezension zu Joseph Vilsmaiers -Nanga Parbat- zu schreiben, ohne auf den Streit und die heute nicht mehr aufklärbaren Umstände von Günter Messners(Andreas Tobias) Tod einzugehen? Ich werde es zumindest versuchen.
Der Nanga Parbat ist und bleibt der Schicksalsberg der Deutschen. Hermann Buhl wird unvergessen bleiben im Kampf gegen den unbezwingbar erscheinenden Achttausender. In seinem Geist stellt Karl Herrligkoffer(Karl Marcovic) 1969 eine Expedition zusammen. Er will die ersten Bergsteiger über die Rupal Wand, das gewaltigste Felsgebilde der Erde, auf den Gipfel bringen. Unter den Bergsteigern, ausgesuchten Profis, befinden sich auch Günhter und Reinhold Messner. Das Team startet 1970 in den Himalaya. Von Anfang an steht die Expedition unter keinem guten Stern. Es gibt Wartezeiten, schlechtes Wetter und Geldprobleme. Zudem sind die einzelnen Bergsteiger kein Team, sondern eher Konkurrenten. Ihren Expeditionsleiter Herrligkoffer nehmen sie nicht ernst. Der altbackene Herrligkoffer ist daran jedoch auch selbst schuld. Als der Gipfelsturm aufgrund schlechten Wetters abgebrochen werden soll, nimmt Reinhold Messner das Heft des Handelns in die Hand und wagt den Alleinaufstieg. Er ahnt nicht, dass sein Bruder Günther ihm nachsteigt. Was danach passierte, wird vermutlich für immer ein Geheimnis bleiben. Denn auf dem Gipfel des Nanga Parbat wartet nicht nur der Erfolg, sondern auch der Tod...
-Nanga Parbat- zeigt die Reinhold Messner Version der Geschichte. Das mag man einseitig finden, schließlich war Messner Vilsmaiers Berater beim Film. Aber: So gut kommt Messner auch bei dieser Variante nicht weg. -Nanga Parbat- zeigt den willensstarken Ausnahmebergsteiger, dessen Stärken vor allem sein Sturkopf, seine unglaubliche physische Belastbarkeit, aber auch seine absolute Team-Unfähigkeit sind. Was Messner im Alleingang so stark macht, schwächt das Nanga-Parbat-Team tödlich. Ob die Geschichte im Endeffekt so war, wie sie Messner schildert, oder auch nicht...ich glaube, dass es darum nicht geht. Sollte Messner falsch gehandelt haben, zahlte er dafür mit dem Leben des Bruders. Ein höherer Preis ist kaum vorstellbar. Günther Messner wusste zudem, auf welche tödliche Gefahr er sich einließ.
Joseph Vilsmaier hat -Nanga Parbat- ohne moralische Standpauke auf den Bildschirm gebannt. Seine Schilderung der Ereignisse ist klassisch, klar und sauber. Es sind vor allem die Bilder von Kameramann Peter von Haller, die aus -Nanga Parbat- ein unvergessliches Erlebnis machen. Von Haller hat die Himalayagipfel in Licht und Schönheit konserviert, dass es einem den Atem raubt. Weiterhin hat Vilsmaier mit geschickten Zeitsprüngen ins Leben der Messners einen wirklich unterhaltsamen Plot geschaffen.
Freunde von Bergfilmen, wie z.B. -Nordwand- oder -Sturz ins Leere- werden bei -Nanga Parbat- voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Wer sich für Reinhold Messner interessiert, wird ebenfalls fündig werden. Mich persönlich hat die grandiose Kameraarbeit begeistert. Als Bergsteiger-Fan war es auch interessant zu sehen, wie Vilsmaier den über Jahrzehnte schwelenden Konflikt zwischen Messner und seinen Kritikern im Film umgesetzt hat. Ich fand, das war voll und ganz gelungen. Was wirklich auf dem Nanga Parbat geschah? Wer weiß...vielleicht genau das, was wir in -Nanga Parbat- sehen. Sicher ist das jedoch nicht...