“Sie hat wirklich versucht, aus dem größten Scheiß, der in ihrem Leben passiert ist, das Beste zu machen – und das hat Nana im Endeffekt auch geschafft.”
Nana ist gerade einmal 19 Jahre alt als sie mit schlimmen Schmerzen ins Krankenhaus kommt. Die Diagnose wird ihr ganzes Leben und das ihrer Familie und Freunde verändern: Ewing-Sarkom – eine extrem seltene, bösartige Knochenkrebsart, die bereits Metastasen im ganzen Körper gebildet hat.
Nana, ein lebensfrohes Mädchen, das gerade ihr Abitur hinter sich gebracht hat und das Leben geniest, muss sich plötzlich ihrem Todesurteil stellen. Es beginnt der Behandlungszyklus mit OP, Chemotherapien, Bestrahlungen, nichts ist mehr so, wie es einmal war. Doch aus dem anfänglichen Schockstadium kämpft sich Nana schnell heraus. Mit unglaublicher Kraft und mit einmaligem Humor stellt sie sich ihrem Kampf. Und irgendwann beschließt sie, sich trotz Glatze nicht mehr zu verstecken. Nana findet sich selbst, wird in kurzer Zeit erwachsen und zeigt dies auch öffentlich. Erst entstehen private Fotos, die ihre Mutter macht, doch schon bald folgen Fotoshoots mit professionellen Fotografen.
“Man weiß ja, wie man aussieht, wenn man am Morgen in den Spiegel schaut, ungeschminkt, und es geht einem nicht gut. Ich glaube, Mama war es darum wichtig, dass ich wieder Fotos von mir sehe und sagen kann: Ach, das geht ja. Es ist gar nicht so schlimm.”
Es entsteht eine beeindruckte Fotoreihe mit ausdrucksstarken Fotos einer verletzlichen, starken, mutigen Nana. Zuerst mit Perücken, später auch mit Glatze oder Kurzhaarfrisur. Sehr viele dieser Fotos haben den Weg in das Buch geschafft und zeigen dem Leser eine junge Frau, die für sich eine Kraftquelle gefunden hat und diese auch an andere Krebskranke weitergeben will. Auf ihre Initiative hin, gründet sich der Verein “Recover your smile”, der krebskranken Frauen mit kostenlosen Schminkkursen und anschliessenden Fotoshootings ein Stück Selbstbewusstsein zurückgeben will.
Nana kämpft, erträgt den kalten, unpersönlichen Krankenhausalltag, die Schmerzen und die Übelkeit. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Familie, ihrer ersten großen Liebe und ihren vielen Freunden. Doch der Krebs gewinnt. Am 10. Januar 2012 stirbt Nana mit nur 21 Jahren zu Hause im Kreis ihrer Lieben.
Mich hat das Buch unglaublich bewegt. Ich habe es innerhalb von wenigen Stunden gelesen und zum Schluss liefen mir die Tränen über die Wangen. Unglaublich, wie ein Mensch einen berühren kann, obwohl man ihn nie persönlich kennengelernt hat. Selbst jetzt beim Schreiben dieser Rezension, habe ich einen Kloß im Hals. Nana, ich ziehe meinen Hut vor Dir! Aber auch vor Deinen Eltern und allen, die Dir in dieser schweren Zeit zur Seite standen.
Das Buch ist wunderschön gestaltet, mit vielen Fotos und vielen Zitaten. Nana kommt genauso zu Wort wie die Menschen, die sie in ihrer kurzen Zeit begleitet haben. Ich habe beim Lesen gelacht, geweint und viel nachgedacht. Oft habe ich mich gefragt, wie ich selbst in gewissen Situationen gehandelt hätte, ob ich den gleichen Mut wie Nana gehabt hätte. Es ist ein wichtiges Buch, gerade weil es so offen, ehrlich und schonungslos berichtet. Es hat mich an meine Grenzen geführt, mir aber auch Kraft gegeben, mich diesen Grenzen zu stellen.
Besonders berührend fand ich den Umgang der Familie mit dem tatsächlichen Tod des Kindes. Es ist in unserer Gesellschaft nicht üblich, sich dem Tod zu stellen, er ist immer noch ein Tabu. Meistens wird der Tote ganz schnell abgeholt und der Obhut des Beerdigungsinstitutes übergeben, bloß weg, diffuse Ängste quälen, man möchte nichts mit dem toten Körper zu tun haben. Doch Nana durfte noch zu Hause bleiben. Die Familie konnte sich würdig verabschieden, der Tod wurde angenommen und nicht beiseite geschoben. Auch hier zeigt sich die ungeheure Kraft dieser Menschen, die mich so tief beeindruckt haben.
“Nana… der Tod trägt Pink” – ein unglaubliches Buch und Vermächtnis einer jungen Frau, die ich nicht so schnell vergessen werde. Für so ein Buch vergibt man keine Sterne, ich kann nur sagen, lest es, wenn euch das Thema beschäftigt und wenn ihr mehr von Nana erfahren wollt, sie hat es verdient.