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5.0 von 5 Sternen
In einem fremden Land, 18. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Namensvetter (Gebundene Ausgabe)
Ashima hat geheiratet. Einen Bengalen, ebenfalls wie sie, aus Kalkuttas Oberschicht. Natürlich ist es eine arrangierte Hochzeit. Und natürlich wird sie ihrem Mann folgen, auch wenn ihr das schwerfällt. Denn der lebt in den USA, hat einen Job an dem angesehen Massachussetts Institut für Technology (MIT).
Jetzt ist sie schwanger. Und hat ein Problem mit dem Namen. Denn Bengali haben zwei Namen, einen offiziellen, der erst nach langem Überlegen verliehen wird und einen inoffiziellen, eine Art Spitzname, den nur die Angehörigen verwenden.
Das Kind, ein Junge, soll in der bengalischen Tradition aufwachsen, auch wenn es in Amerika geboren wurde. Und so bittet Aschima ihre Großmutter einen Namen auszuwählen und ihr diesen zu schreiben. Doch der Brief geht verloren, die Großmutter stirbt kurz darauf und an dem Jungen bleibt ein Name hängen, den ihm der Vater gegeben hat: Gogol, nachdem großen russischen Schriftsteller.
Gogol wächst in Amerika auf, möchte Amerikaner sein, versteht die Kultur seiner Eltern nicht, weiß nicht, warum sie so anders sind als die Eltern seiner Schulkameraden. Kalkutta ist für ihn ein schwüler, dreckiger Ort, er begleitet seine Eltern ungern dorthin. Seinen Namen hasst er, sobald er kann, lässt er ihn ändern.
Auch die Eltern verlieren nach und nach die Kontakte in die alte Heimat. Zu groß ist die Entfernung, zu selten können sie zurückfliegen, das alles ist in den Siebziger Jahren nicht einfach.
Die Pulitzerpreisträgerin Jahiri hat einen poetischen Roman über eine Einwandererfamilie geschrieben, poetisch, zart, ruhig und doch kann man ihn nicht mehr aus der Hand legen. Meisterhaft schildert sie ihre Personen, deren Konflikte, Wünsche und Hoffnungen, die amerikanische wie die bengalische Welt werden lebendig, die Unterschiede, aber auch das, was verbindet.
Und der Kampf der Menschen um einen Platz, den sie als Heimat empfinden, den sie suchen und oft nicht finden. Dieser Gogol steht wie sein Vater zwischen zwei Kulturen und doch ist ihm der Vater fremder als manch anderer, den er kennt. Er wächst an amerikanischen Schulen auf, sieht mit anderen bengalischen Kindern auf Familienfesten amerikanisches Fernsehen und stolpert durchs Leben, als wäre er wirklich eine Figur von Gogol. Eine, die lebendig geworden ist.
Mit Frauen hat er so seine Probleme, überhaupt tut er sich mit Menschen schwer. Und das ist vielleicht der einzige Kritikpunkt an diesem wunderschönen Buch: Dass die Autorin, die sonst so lebendige Figuren zu zeichnen vermag, bei den Freundinnen Gogols seltsam blasse Gestalten entwirft. Doch ansonsten wird der Leser mit einem Lesevergnügen der ganz seltenen Art belohnt. Ein poetisches Buch, das ein Pageturner ist, ein ruhiger, fast beschaulicher Text, der einem den Atem raubt.
Ein Meisterwerk, ein Muss für jeden, der sich poetische Romane liebt. Ein Muss für jeden Buchliebhaber.
(C) Hans Peter Roentgen
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gelungener Roman!, 10. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Namensvetter (Gebundene Ausgabe)
Wie lange dauert es, bis man wirklich ankommt in einem fremden neuen Land? Vor dem Hintergrund der hiesigen Debatten um Ausländer-Integration, Green-Cards und Computerfachleute aus Indien mag es hilfreich sein, ein Blick woanders hin zu werfen - z.B. nach Amerika, dem geschichtlichen Einwanderungsland Nr. 1.
In ruhigen und gelassenen Sätzen vermittelt uns Jhumpa Lahiri in ihrem ersten Roman einen gelungenen Einblick in eine indische Akademikerfamilie, die sich in den 60er Jahren aufmachte, als Einwanderer in den USA Fuß zu fassen. Eindrucksvoll erleben wir wie es Kindern der 2. Generation ergeht, die den Spagat zwischen dem traditionellen Elternhaus und dem modernen Amerika bewältigen müssen.
Wer „Kick it like Beckham" mochte, wird auch an dieses Buch interessant finden.
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