Für mich zerfällt das Album in zwei Kategorien: weniger gelungene Stücke, die sich Gott sei Dank in der Minderheit befinden. Darunter die Cover-Versionen "Ring aus Feuer" und "Der Tag danach" oder "Du lebst", wobei letzteres vor allem textlich stark abfällt. Die Highlights, die eindeutig in der Überzahl sind, stammen beinahe ausschließlich von Ambros selbst oder den Mitgliedern seiner Band. Respekt vor allem vor Peter Koller, ich hätte ihm Texte wie "A klanes Resümee" echt nicht zugetraut. Auch bei den Arrangements bin ich geteilter Meinung: es wechselt hervorragend Gelungenes mit eher Schwächerem, wobei die ersteren Stücke aber wieder eindeutig in der Überzahl sind. "Des host nur glaubt", "Du lebst" oder "Der Nebel" gefallen mir musikalisch leider nicht so, während Ambros neues Produzententeam Gellner/Stranka Titel wie "Wer hat gelogen?", "Nimm mi", "Gelassen", "Wieder verliebt" oder "Dafür dank i dir" beinahe perfekt hinbekommen hat.
Die große Stärke von "Namenlos" liegt meiner Meinung nach in der stilistischen Bandbreite, dem Reifegrad der Texte und der durch sie ausgedrückten Emotionen und Gedanken, was zusammen mit den erwähnten musikalischen Highlights Ambros "Best of.."-Sammlung um einige Titel bereichern sollte. Was sich neben dem "Älterwerden"-Thema abzeichnet, ist Ambros wohl letztes Jahr schon akute Ehekrise, die ihn - wie so viele Künstler - als persönliches Schicksal besonders inspiriert zu haben scheint. Das wird auch deutlich in den häufigen persönlichen Anreden und dem exzessiven Gebrauch von Personalpronomen, den vor allem "Du (You)", die beste Cover-Version zeigt. Auch "Wieder verliebt", das mich nach einer rein zufälligen Hörbekanntschaft in Ö3 sofort für das Album begeistert hat, geht in diese Richtung und könnte man gut auf Ambros selbst anwenden, obwohl er das Lied im Textbuch einem Freund widmet. Schön ist auch, dass Ambros sich mal wieder einen All-time-Klassiker entlocken hat lassen, zs mit Joesi Prokopetz. "Gelassen" ist fantastisch und gehört in eine Kategorie mit "Zwickts mi" und dergleichen, während mir der von anderen Rezensenten gelobte Song "Der alte Sünder" textlich zu unklar und "schwafelig" bleibt und musikalisch zwar nett, aber belanglos klingt.
Alles in allem ein sehr gelungenes Ambros Album, viel besser als "Voom voom vanilla camera" (1999), von dem außer dem Titelsong nicht viele Lieder in den unsterblichen Ambros-Kanon eingehen werden. Ich gebs zu - ich hätte Ambros und seinem Team nicht so eine geschlossene Leistung zugetraut, deshalb fünf Sterne, da die vielen Pluspunkte die wenigen Abzüge leicht aufwiegen.