Die österreichischen Elektro-Goten LÂme Immortelle hatten sich mit ihren letzten Alben langsam aber sicher in Richtung Goten-Rocker entwickelt. Eine scheinbar endgültige Hinwendung zu dieser Richtung deutete sich mit dem 2006er Album Auf deinen Schwingen an. Die Rückkehr der Band zu ihrem alten Label Trisol scheint aber auch mit einer Rückbesinnung auf ihre Elektrowurzeln einhergegangen zu sein. So gab Thomas Rainer in einem Interview zu Protokoll, dass er sich beim Schreiben der neuen Songs von den älteren Stücken der Band hat inspirieren lassen. Nun ist aber die Grenze zwischen Rückbesinnung und Selbstkopie durchaus fließend. Auf Vergessen, eine sehr gefühlvolle Einführung in das Thema des Albums (der Wiener Friedhof der Namenlosen), folgt mit 1000 Voices und kraftvoller EBM-Stampfer, bei dem man sich nicht des Eindrucks erwehren kann, den Song auf einer älteren LAI-Scheibe schon einmal gehört zu haben. Der Song ist nicht schlecht, aber eben nichts wirklich Neues. Ähnlich Cleansing, der vorletzte Track der CD, auch er kommt daher wie ein alter Bekannter, allerdings wie einer der Liebsten überhaupt. Hier werden tanzbare Rhythmen mit getragenem Gesang und einer Prise Verrücktheit dargeboten, bis sich alles in einen typischen, aber dennoch unverbrauchten LÂme Immortelle-Refrain auflöst. Aber den gotisch-rockenden Klängen haben LÂme Immortelle nicht gänzlich abgeschworen. Bleib und das darauf folgende Requiem hätten musikalisch sicher auch gut auf das Vorgänger-Album gepasst, wobei der letztgenannte Song die musikalischen Direktiven von Auf deinen Schwingen besser an die Stimmung des aktuellen Albums anzupassen vermag. Neben dem schon erwähnten Cleansing sind vor allem das rockige Blutrot und das verzweifelt-aggressive Es tut mir Leid als besonders hörenswert hervorzuheben.
Die Tracks der zweiten CD des Doppelalbums werden von zwei gesprochenen Beiträgen (Erneuerung und Erinnerung) umrahmt und bieten dazwischen einen weiteren EBM-Track (When the Suns has ceased to shine) sowie fünf Cover-Versionen anderer Künstler, die ihre durchaus hörenswerten Versionen von LAI-Songs präsentieren. Eine interessante Angelegenheit.
Diesem Album müsste man eigentlich 4,5 Sterne geben können. Denn es ist auf jeden Fall ein sehr gelungenes. Allerdings lassen einige Stücke etwas Frische vermissen und mit Reborn hat sich doch auch ein eher schwacher Track auf das Album verirrt. Deshalb 4 von 5 Sterne.