Ein Mann rennt mitten im Winter halbnackt auf die Autobahn. Der Polizei gelingt es, ihn einzufangen und ins Krankenhaus zu bringen. Dort stellt man fest, dass er sich an nichts mehr erinnern kann - und dass er neben seinem eigenen Blut auch noch das Blut zwei anderer Menschen an sich hat. Die Ärztin Dr. Santer wird mit seinem Fall beauftragt und außerdem taucht noch schnell das Militär auf. Denn in London steht eine Friedenskonferenz an und vieles an dem Mann - verheilte Schußwunden, sein durchtrainierter Körper und, wie sich bald herausstellt, hervorragenden militärischen Kenntnisse - lassen vermuten, dass es sich bei ihn um einen Terroristen handelt. John West, wie er vom Krankenhauspersonal genannt wird, soll deshalb dem Militär überstellt werden, doch bevor es dazu kommt, werden seine Bewacher von Unbekannten erschossen und er kann gerade noch entkommen. Auf der Flucht entführt er Dr. Santer und es beginnt eine gnadenlose Jagd.
Der Thriller von Katherine John ist gut aufgebaut, spannend und hat zudem einen (leider) sehr aktuellen Bezug was den internationalen Terrorismus angeht. Die Story ist recht glaubwürdig entwickelt, wobei die Hintergründe und die Verantwortlichen, die sich schließlich herauskristallisieren, doch etwas seltsam wirken. Da liegt auch der größte Kritikpunkt des Buches, denn das Ende kommt etwas Knall auf Fall. Ein zweiter Kritikpunkt sind die vielen logischen Fehler in dem Buch. Blondierte Haare erhalten z.B. nicht über Nacht ihre Naturfarbe zurück. Um so was zu vermeiden, gab es mal den ehrbaren Beruf des Lektors, der anscheinend komplett wegrationalisiert wurde, anders kann man eine solche Anhäufung von Fehlern nicht erklären. Ein Lektor hätte auch manche Formulierung, die unfreiwillig komisch wirkt, entdeckt, wobei ich nicht beurteilen kann, ob diese auf das Konto des Übersetzers gehen. Insgesamt ist "Namenlos" aber ein spannendes, gut lesbares Buch, mit glaubwürdigen und auch durchaus sympathischen Charakteren.