Im Jahre 1962 wird in Mailand eine Kinderleiche entdeckt, kurze Zeit später stürzt ein italienischer Ölmagnat mit seinem Flugzeug ab. Der Geheimdienst versucht die wahren Umstände zu vertuschen, doch Inspektor David Montorsi nimmt sich des Falls an. Ein Fall, der sein Leben radikal verändern wird.
Im Jahre 2001 treffen sich die einst mächtigsten Männer der Welt und die Geheimdienste befürchten ein Attentat. In beiden Fällen soll der geheimnisvolle Ismael im Hintergrund die Fäden ziehen - doch niemand hat Ismael je gesehen.
Bemerkenswert an Giuseppe Gennas Debütroman ist zunächst der simple, doch raffiniert komponierte Erzählaufbau. Genna lässt seinen Roman auf zwei Zeitebenen spielen. Die kurzen Kapitel, die mal 1962, mal 2001 spielen, wechseln sich in schnellem Tempo ab. Seine Erzählung wirkt wie ein Film, dessen einzelne Sequenzen in Zeitlupe ablaufen, die aber schnell aneinander geschnitten werden und so eine rasante Dynamik erzielen. Manchmal hetzt der Autor seine Leser regelrecht durch den Roman, erzeugt gleichzeitig aber auch eine unglaubliche Spannung.
Hinzu kommt Gennas Sprache, die mal abgehackte, verkürzte Sätze, dann wiederum bildhafte Metaphern bereit hält. Dabei achtet er darauf, die Sprache der jeweiligen Zeit und Figur anzupassen. Noch mehr Aufmerksamkeit erregt der Autor jedoch mit der geschickten Verknüpfung von Dichtung und Wahrheit. So ist etwa der mysteriöse Flugunfall von Enrico Mattei Realität. Die Umstände von Matteis Tod wurden nie wirklich aufgeklärt. Genna bedient sich der realen und geheimnisvollen Taten und strickt um sie herum einen spannenden Spionage- und Politthriller.
Bei manchen seiner Inszenierungen schießt der Autor allerdings übers Ziel hinaus. Etwa als er Inspektor Montorsi im Archiv der Partisanen eine mumifizierte Leiche finden lässt. Hier und an anderen Stellen des Buches baut Genna Spannungs- und Gruselverstärker ein, die er im Laufe der Erzählung nicht weiterführt und die der Thriller auch gar nicht nötig hat. Fesselnde Lektüre ist „Im Namen von Ismael" auch so.