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48 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein intellektueller Schlagmichtot als Held!?, 4. August 2008
"First I was driven... Second I was brilliant. Not just your run-of-the mill brilliance either. I was extraordinary brilliant. Lastly I was lucky. Plain and simple."
Tja und sofort geht's auf in eine meiner Lieblingsdomänen in Form einer Bar, wo der geneigte Leser das zweifelhafte Vergnügen hat, von einem dermaßen unscheinbar aussehenden Barbesitzer bedient zu werden, dass man an dessen Existenz zweifeln könnte. Aber - welch' Überraschung - dahinter verbirgt sich der größte Held dieser Zeit: Kvothe, the Bloodless - Mittelpunkt zahlloser Geschichten und Legenden, die samt und sonders an der Wahrheit vorbeigehen. Zufällig stapft auch noch der größte Chronist dieser Zeit, um den sich ebenso viele qualitativ hochwertige Legenden drehen, herein und verlockt Kvothe dazu, seine Geschichte zu erzählen - Kvothe sagt zu, legt aber fest, dass seine Geschichte nicht weniger als exakt 3 Tage braucht.
Kvothe selbst ist ein überdurchschnittlich intelligenter junger Mann, der die Ermordung seiner Eltern durch einen Dämonen der Chandrian miterlebt. Danach im statischen Schockzustand überlebt er drei Jahre als Straßenjunge in einer Großstadt, aus der er nach einem Erweckungserlebnis flieht und sodann sein großes Lebensziel anpeilt: Die Universität. Er wird trotz seiner 15 Jahre aufgenommen und widmet sich in Folge den Problemen, die wohl so jeder Student hat: Lernen, Geld und Frauen. Daneben macht er sich wahre Freunde und wahre Feinde und und und....
Amüsant, spannend, mitreißend. Patrick Rothfuss hat einen wahrhaft bildgewaltigen Sprachstil, der es schafft, selbst alltägliche Tätigkeiten seines Helden spannend zu machen. Ich war völlig überrascht von dem qualitativ hochwertigen Sprachniveau, das den werten Leser bereits am Anfang mit den 3 Arten der Stille begrüßt - klingt langweilig, ist es aber nicht - da das dermaßen detailliert und eindrucksvoll beschrieben wird, dass man unwillkürlich selbst anfängt zu lauschen - und DAS nenne ich inspirierend! Vor allem die Dialoge sind derart geschliffen und humorvoll, dass neben vielen ausgefeilten Überraschungen wahre Lachexplosionen unausweichlich sind. Und nicht zuletzt hat das Buch viel Herz: So singt und spielt der Held eine romantische Ballade über zwei liebende Sagengestalten und man fühlt sich als wäre man dabei, ist emotional berührt, gelähmt und spürt die Macht der Emotionen genau so stark wie beim detailliert beschriebenen Publikum, ach was man wird derart zum Publikum, als säße man dabei.
Die Personen - maßgeblich der Held - sind sehr tiefgründig beschrieben. Da die Handlung in Form von Kvothes Lebensgeschichte, bis auf kleine Zwischenepisoden in der Bar, aus der Ich-Perspektive geschildert ist, kann man dem Helden auf einer sehr menschlichen Ebene folgen. Er ist nicht der strahlende Sieger, sondern trotz aller Intelligenz ein junger Mensch, der mit Mühe seinen Weg geht, alltägliche Probleme meistert und trotz aller Widrigkeiten nie den Mut verliert. Menschlich macht ihn vor allem ein latentes Geldproblem, was sich zu einem Kampf gegen Windmühlen entwickelt und fast schon zu sehr auf die Spitze getrieben wird. Insoweit passt auch die vielschichtige Handlung, die sich vergleichsweise langsam entwickelt und man spürt mit jedem neu aufgedecktem Detail, dass díes nur der Anfang zu etwas Größerem ist. Aus dem gelungenen Rahmen fallen allein die Passagen im Wald von Trebont heraus, die zwar sprachlich gewohnt eloquent sind, sich aber ohne wirklichen Sinn sehr sehr zäh über ein ganzes Kapitel hinziehen. Einmal überwunden wandelt das Buch aber wieder auf alten Pfaden u ein höchst faszinierendes und nicht zuletzt neugierig machendes Ende versöhnt den Leser fast mit den vorherigen Längen.
Und last but not least lernt der geneigte English-Laie hier noch unheimlich viel Vokabular dazu, selten habe ich bei einem Fantasy-Buch dermaßen viele Worte an Beschreibung statt Handlung vorbeiziehen sehen - und nicht ein Wort war verschwendet.
Fazit:
Das Buch war ein wahres Vergnügen und ich wurde fast durchgehend auf höchstem Niveau unterhalten. Da man derart stilistisch ausgefeilter und intelligenter Fantasy heutzutage viel zu selten begegnet, vergebe ich für dieses gelungene Auftaktwerk trotz der Trebontpassage die vollen 5 Sterne!
"It is not very heroic." I said dismissively. "I was expecting something with a little bit more flair." - "Well, I left my armor and my warhorse at home."
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Neuentdeckung des Jahres 2007, 14. Mai 2007
Zahlreiche Legenden umranken Kvothe, den berühmt berüchtigtsten Zauberer und Musiker aller Zeiten - Geschichten von Genius, Schönheit und Heldentum sowie Ignoranz, Verrat und abscheulichen Verbrechen.
Ein eifriger Chronist will das Gespinst aus Lügen und Wahrheit durchdringen und spürt den Zauberer in einem Provinznest auf, wo er in einer Taverne arbeitet und auf das endgültige Vergessen wartet. Nur widerwillig teilt Kvothe seine Erinnerungen. Doch manchmal müssen Helden daran erinnert werden, dass sie Helden sind und gebraucht werden.
Wer Scott Lynch, Joe Abercrombie oder Sarah Monette mag, wird von Patrick Rothfuss begeistert sein. Ich wage sogar zu behaupten, dass er qualitätsmäßig eine Stufe höher einzuschätzen ist.
Das Buch hat zwei Ebenen: die Gegenwart, in 3. Person gehalten, in der Kvothe ein gebrochener Mann ist und widerwillig seine Memoiren diktiert und Kvothe als Ich-Erzähler, der seine Kindheit als Teil einer Wandertruppe und seine Jugend an der Universität für Magie wiederauferstehen lässt. Mit bewundernswerter Leichtigkeit wechselt Rothfuss zwischen den Ebenen, weckt geschickt die Neugier des Lesers und wird, so nehme ich an, im dritten Band die Gegenwart "weiterlaufen" lassen (nach dem Motto: Memoiren als Therapieform für einen gefallenen Helden).
Während die Knochen der Geschichte altbekannt sind, ist ihre Präsentation es nicht. Sie ist voll düsteren Realismus, was durch Kvothe, einen ungewöhnlich undurchsichtigen Hauptcharakter verstärkt wird. Trotz seiner Talente ist er menschlich. Er begeht Fehler, aus Unwissenheit, Arroganz oder Unbesonnenheit (viele seiner späteren Probleme und sein schlechter Ruf gründen darin) und wird durch seine schwierigen Lebensumstände aufgehalten. TNotW ist das erste Fantasybuch, das ich gelesen habe, in dem Geldmangel ein gravierendes Dauerhindernis für den Hauptcharakter ist. Doch gerade diese Menschlichkeit macht Kvothe so sympathisch und obwohl das Buch streckenweise düster ist, wird es durch Lebensfreude gepaart mit unbändiger Wissbegier und intimen Momenten aufgehellt.
Einziger Wehmutstropfen ist, dass der Leser wenig von den aktuellen Zuständen in Kvothes Welt erfährt - es gibt allenfalls düstere Andeutungen von einem kürzlich beendeten Bürgerkrieg (an dem Kvothe mitschuld gewesen sein soll) und einer magischen (Monster-)Plage. Aber die gegenwärtige Situation steht auch nicht im Mittelpunkt des Buches, sonders Kvothes Vergangenheit und man darf sich gewiss mehr davon in Band zwei und drei erwarten.
THE NAME OF THE WIND ist auf jeder Ebene schön - inhaltlich, stilistisch, emotional. Es ist die Neuentdeckung des Jahres 2007!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Und noch ein vielversprechender Neuzugang im Fantasy-Genre, 20. März 2008
Zugegebenermaßen war ich nach den ersten paar Seiten dieses Romans ganz und gar nicht überzeugt, eine richtig gute Fantasy-Story in den Händen zu halten. Ein bäuerliches Dorf, das plötzlich von unheimlichen Wesen heimgesucht wird? Das gab's schon viel zu oft, um innovativ zu sein. Doch dann entfaltet sich die Geschichte erst richtig: Man merkt schnell, dass die Begebenheiten auf den ersten Seiten (noch) nicht zur wirklichen Handlung gehören. Viel mehr geht es um die Erinnerungen von Kvothe, eines Mannes, dessen Geschichte gar nicht spannender sein könnte und die er einen Chronisten innerhalb von 3 Tagen zu Papier bringen lässt.
Rothfuss schafft es hier gekonnt, die beiden Handlungsstränge voneinander zu trennen: Einmal das Geschehen im Wirtshaus, während die Geschichte erzählt wird und auf der anderen Seite die Geschichte selbst. Schnell bekommt man das Gefühl, wirklich eine der Personen zu sein, die der Geschichte lauschen und jedesmal, wenn Kvothe seine Erzählung unterbricht, hat man den Eindruck, tatsächlich aus der Geschichte gerissen zu werden und sich im Gasthaus wiederzufinden.
"The Name of the Wind" ist ein großartiger Auftakt und ich bin wirklich gespannt, wie sich die Geschichte um Kvothe, den "Kingkiller" noch entwickeln wird.
Somit kann ich diesen Roman auch nur wärmstens empfehlen. Jeder, der anspruchsvolle Fantasy-Literatur und Lagerfeuergeschichten liebt, wird dieses Buch ebenso schnell verschlingen, wie ich es tat (auch, wenn ich es leider nicht an nur einem Tag geschafft habe, die Zeit, die Kvothe auch zum Erzählen benötigt. Aber das kann ja nachgeholt werden, wenn die Trilogie vollständig ist...)
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