Ich habe lange überlebt, ob ich mir Demon's Souls (DS) überhaupt kaufe, da ich so viel über den hohen Schwierigkeitsgrad gelesen hatte und ich mich zwar für einen relativ guten Spieler, definitiv aber für keinen Hardcore-Zocker halte. Um es vorweg zu nehmen: DS ist wirklich sehr schwierig, aber kein Albtraum und zu 99% fair!
Generell kommt mir DS wie eine Mischung aus Monster Hunter (PS2, PSP, Wii) und Infinity Blade (iOS) vor. Man hat eine zentrale Anlaufstelle (Nexus), von der man in die einzelnen Welten reisen kann, um dort verschiedene Rohstoffe zu farmen und am Ende einen Boss zu erlegen. Insgesamt gibt es fünf Welten mit normalerweise drei Abschnitten pro Welt (die erste Welt hat vier). Unter DS-Spielern bezeichnet man jeden Abschnitt als Level. Der erste Abschnitt der ersten Welt heißt dann also 1-1, währenddessen der dritte Abschnitt der vierten Welt 4-3 wäre. Somit hat man insgesamt 16 Level, bevor man das Spiel das erste Mal durchgespielt hat. Allerdings baut das Spiel von Anfang an darauf auf, es mehrere Male durchzuspielen (das bezeichnet man dann als NG+ = New Game + bzw. NG++ usw.). Ich selbst habe erst vor sehr kurzer Zeit angefangen und bin immer noch im NG-Modus.
Die Story ist nicht gerade tief oder spektakulär und kann komplett vernachlässigt werden. Jedoch kommt es bei dieser Art Spiel auch wirklich nicht auf die Story an. Ich möchte nur Leute vorwarnen, die eine Story a la Dragon Age etc. erwarten.
Das kurze Tutorial-Level am Anfang zeigt schon sehr deutlich, wie der spätere Spielverlauf aussehen wird: hart und erbarmungslos :)! Es ist zwar locker zu schaffen, aber man kann nicht einfach mal so auf einen Gegner zustürmen und irgendwelche Tasten drücken, um lebend vorbeizukommen. Bei DS ist Raffinesse, Geduld und Können gefragt. Oft muß man ausweichen, parieren, blocken und dann erst zuschlagen, um gleich danach wieder respektvollen Abstand zum Gegner zu nehmen. Es gibt nur sehr wenige Gegnertypen, die als Kanonenfutter bezeichnet werden können. Und selbst die können einen mit ein, zwei Schlägen den Gar aus machen, wenn man nicht aufpasst! Der eigene Spielertod ist ein Element in DS, mit dem man sich sehr schnell anfreunden und abfinden sollte, denn er kommt sehr häufig! Bereits am Ende des Tutorial-Levels trifft man auf einen Boss, den man eigentlich nicht besiegen kann. Man soll also sterben, um in Geistform im Nexus aufzuwachen und das eigentliche Abenteuer zu beginnen.
Obwohl man im Verlauf des Spiels sehr häufig stirbt und es an manchen Stellen wirklich sehr hart sein kann, macht es trotzdem in 99% der Fälle tierisch Spaß :)! Zum einen liegt das an der überaus präzisen Steuerung und zum anderen an der Fairness des Spiels. Fast immer ist man selbst schuld, wenn man stirbt, weil man übermütig wurde, zu hektisch war oder seinen Gegner nicht genügend studiert hat. Sobald man seinen Gegner und dessen Angriffsmuster jedoch kennt und sich konzentriert, besiegt man diesen auch in Geistform und den Einschränkungen, die damit verbunden sind.
In Geistform hat man standardmäßig übrigens nur 50% seiner maximalen Lebensenergie, was den Spielverlauf noch einmal erschwert! Um wieder zurück in seine menschliche Form zu kommen, muß man entweder einen Endboss erledigen, einem anderen Spieler helfen seinen Endboss zu erledigen oder mit Hilfe eines speziellen Items zurücktransformieren. Glücklicherweise gibt es bereits in Level 1-1 einen Ring (Cling Ring), der die maximale Lebensenergie in Geistform auf 75% erhöht.
Ein großer Vorteil an DS ist die spielerische Freiheit. Man kann prinzipiell wählen in welcher Reihenfolge man die Level abarbeiten möchte. Man muß also nicht zunächst die erste Welt komplett abschließen, um in die zweite zu gelangen. Ich habe sogar mal gelesen, daß die empfohlene Reihenfolge wie folgt lautet: 1-1, 2-1, 3-1, 4-1, 5-1. Ich persönlich bin stattdessen folgendermaßen vorgegangen: 1-1, 1-2, 2-1, 5-1, 3-1, aber das kann jeder wirklich halten, wie er möchte.
Bevor man beginnt, kann man sich eine Startklasse aussuchen. Jede Startklasse hat unterschiedlich verteilte Attribute, Fähigkeiten, Rüstung und Waffen, jedoch kann man jede Klasse mit der Zeit beliebig anpassen. Merkt man also mit der Zeit, daß man zwar einen klassischen Nahkämpfer gewählt hat, jedoch lieber mit Magie hantieren möchte, kann man das machen, indem man die Attribute dementsprechend hochlevelt. Man ist demnach niemals in seiner Rolle gefangen, es macht nur mehr Sinn sich von Anfang an darüber im Klaren zu sein, welcher Spieltyp man ist und die Klassen dementsprechend auszusuchen.
Hierzu kommt auch gleich der absolut größte Schwachpunkt des Spiels und der Grund, warum ich DS nur 4 von 5 Sternen gebe. Die Klassenbalance ist leider total schlecht umgesetzt worden und äußerst unfair! Nahkampfklassen haben es im Vergleich zu Fernkampfklassen (besonders Fernkämpfer, die Magie einsetzen) erheblich schwieriger durch's Spiel zu kommen. Bereits beim Endboss von 1-1 merkt man, wie viel einfacher dieser ist, wenn man Magie einsetzt. Zunächst wählte ich die Temple Knight Klasse wegen des coolen Aussehens, der schweren Rüstung und der Nahkampffähigkeiten... Fehlentscheidung! Der Endboss ist zwar wirklich nicht schwer, aber sehr langwierig, wenn man nur Nahkampfwaffen zur Verfügung hat. Zum Testen erstellte ich dann noch eine Royalty, die über einen guten Angriffszauber verfügt und machte innerhalb kürzester Zeit kurzen Prozess mit dem Endgegner.
Noch viel deutlicher ist es beim Endboss von 2-1! Durch einen Trick, kann man diesen mittels Magie so dermaßen einfach legen, daß das Spiel schon fast an Spielspaß verliert ;)! Als Nahkämpfer bricht man sich hier einen ab und kann schon mal die Lust verlieren.
Mein Tipp bei der Klassenwahl lautet also: wählt Royalty und paßt sie dann so an, wie ihr eigentlich spielen möchtet! Wirklich sehr schade, da ich kein Fan von Magie und Fernwaffen bin und mich lieber ganz auf den Nahkampf konzentriert hätte.
Fazit: Obwohl das Spiel teilweise sehr schwer ist, macht es enormen Spaß! Das Leveldesign ist hervorragend, die Grafik düster und eindrucksvoll, der Sound beeindruckend und furchteinflößend, die Atmosphäre genial und die Rollenspielelemente und Action super! Gelegenheitsspieler müssen jedoch wohl oder übel einen großen Bogen um DS machen, da man nicht mal eben für eine Stunde oder so locker spielen kann, um sich die Zeit zu vertreiben. Für DS sollte man mind. zwei Stunden am Stück einrichten, damit man überhaupt was schafft... und das ist noch recht wenig! Für Spieler, die beweisen wollen wie Hardcore sie sind, ist DS der Benchmark schlechthin und eine absolute Kaufempfehlung :)!