Ich kann meine Vorrezensenten einerseits verstehen, andererseits auch wieder nicht. Man kann kein Buch über Drogenexzesse und den Weg eines Menschen, der seiner Sucht völlig hilflos ausgeliefert ist, lesen und dabei erwarten alles sei geordnet und klar abgesteckt. Burroughs hat mit Naked Lunch genau das geschafft, was Sucht ausmacht: Ungezieltes, spontanes, teilweise sinnloses Handeln aus wechselnden, nicht nachvollziehbaren Anlässen. Der Held des Romans nimmt uns mit in seinen Rausch und wir werden nicht nur Zeugen sondern fast schon Teilhaber. Was mich an dem Roman am meisten beeindruckt ist, dass er zeitlos ist. Wer nicht weiß, wann Burroughs diese Zeilen geschrieben hat, der kann einfach nicht glauben, dass der Stoff weit über 50 Jahre alt ist. Er hat an seiner Aktualität absolut nichts verloren. Für mich eben ein zeitloser Klassiker, der, zugegebener Maßen, manchmal schwer zu lesen ist.