Nach in jüngster Zeit einigen eher sehr bescheidenen Erlebnissen aus dem Genre hat mich Naked Fear unerwartet positiv überrascht. Denn so abgedreht die Story, so vorhersehbar die Ereignisse, so simpel das Konzept - alle Beteiligten zeigen hier, das auch ein B-Movie wirklich mitreißen, richtig Spannung erzeugen und am Ende auch noch ordentlich überraschen kann - abschließende "Message" inklusive.
Die Story könnte kaum klassischer sein - mit der Aussicht auf ein lukratives Jobangebot wird die attraktive rothaarige Protagonistin Diane von einem Schlepper in das letzte Kuh-Dorf von Texas verfrachtet um dort in einem schmierigen Table-Dance-Schuppen so wenig Geld zu verdienen, dass es so schnell nicht dazu reichen wird, um die Reise und Unterbringungskosten, die sie ihrem Gönner schuldet, zu bezahlen und sich aus seinen Klauen zu befreien. Kann es schlimmer kommen? Es kann - denn Diane wird schon bald entführt von einem "Sportschützen" dem es mitnichten ausreicht auf klassisches Rotwild zu schießen. Ihn treibt eine ganz andere Form der Jagd an - er steht auf menschliche Beute. Betäubt, verschleppt, nackt in der Wildnis ausgesetzt, einen Verfolger mit Armbrust und Gewehr auf den Fersen, beginnt für die junge Frau der Kampf ums - im wahrsten Sinne des Wortes - nackte Überleben.
Und so einfach, um nicht zu sagen billig, das jetzt vielleicht klingen mag, es ist so richtig gut in Szene gesetzt. Diana agiert alles andere als einfältig, kopflos oder gar dumm. Sie beweist Köpfchen, setzt ihrem Verfolger ordentlich zu, bringt ihn aus dem Konzept. Schon bald ist sie nicht mehr die Beute, nicht mehr diejenige die reagiert - sondern diejenige die agiert. Es entsteht ein mitreißendes Katz und Mausspiel, nur dass es sich die Katze ein wenig anders, ein wenig leichter, vorgestellt hat. Als dann noch ein paar Camper auftauchen und ein neuer, überaus motivierter Polizist aus der Großstadt seine Nase in die bis dato etwas provinzhaften Ermittlungsmethoden seiner großmäuligen Südstaaten-Kollegen steckt, wird es für den "Jäger" schon bald eng.
Naked Fear ist solide Kost, spannend inszeniert, gut in Szene gesetzt. Für einen B-Movie geben die Beteiligten durchaus ihr Bestes, die Story weiß zu fesseln, nicht nur das Ende macht Lust auf mehr. Unterhaltung ist somit garantiert - wer sich fürs Genre interessieren kann, der darf aus meiner Sicht bedenkenlos zugreifen.