Fritz Pölking ist zweifellos eine der Ikonen der Naturfotografie - und das weiß er auch. Sein Buch vermittelt durchaus Brauchbares, allerdings in einem Stil, den ich nur streckenweise sympathisch finden konnte.
Aber erstmal zum Inhalt: Auf knapp 100 Seiten vermittelt der Autor Wesentliches zum Thema Naturfotografie, geht ausführlich auf seine Lieblingsobjektive ein, auf Balgengeräte, Zwischenringe und Konverter. Blitze, Stative, Nahlinsen und weiteres Zubehör wie Graukarte werden kurz gestreift, er stellt nützliches Zubehör vor und geht kurz darauf ein, dass auch die Komposition zu einem guten Bild gehört. Mehr als eine Seite ist ihm dieser meiner Ansicht nach wichtigste Aspekt der Fotografie nicht wert - mich hätte schon interessiert, wie er z.B. die Schärfeebene ausrichtet. Interessant waren da seltsamerweise nur die Beispiele im Vorwort. Mit kurzen Ausführungen etwa zu Fotoreisen hat es sich dann auch schon, der Rest sind einige seiner Bilder und ein paar Fotos, die ihn beim Aufnehmen der Bilder zeigen. Digitalkameras blendet er völlig aus, was aber nicht verwundert.
Für Anfänger liefern die extrem kurzen (1-2 Seiten, groß gedruckt) Kapitel sicherlich wertvolle Hinweise, jemand, der sich schon mit Fotografie auskennt, ist hoffnungslos unterfordert. Der große Druck und die vielen Bilder täuschen nicht über den Mangel an Inhalt hinweg.
Und da beginnt das Buch, ärgerlich zu werden. Der Autor hält sich erstaunlich lang an beinahe philosophischen Betrachtungen z.B. zu Autofokus-Objektiven auf und schwadroniert über den Genuss beim Fotografieren, den die moderne Ausrüstung seiner Ansicht nach nicht mehr liefern kann. Seitenweise ergeht er sich in Kommentaren zur Ausrüstung, die in einem Brief an den Hersteller besser aufgehoben gewesen wären.
Der Stil ist oft schulmeisterlich und manchmal unangenehm belehrend. Am ärgerlichsten empfand ich den Abschnitt über Fehler in der Fotografie, in dem er ausgerechnet ein Bild zeigt, das seine Frau gemacht hat. Er zeigt auch eigene Fehlerbilder, aber ärgerlich ist, dass dieses Bild meines Wissens in diesem Band das einzige Bild seiner Frau ist, das ein richtiges Motiv zeigt und kein Schnappschuss von Fritz Pölking bei der Arbeit ist. Fast noch ärgerlicher ist der Kommentar dazu: "Suchen Sie den Fehler hier einmal selbst" - das fiel mir erstaunlich schwer, weil der in dem Buch verwendete Druck nicht gut genug ist, um etwa den von ihm an einem eigenen Bild kritisierten Mangel an Schärfe überhaupt zu erkennen. Ich weiß daher leider immer noch nicht, was Frau Pölking so offensichtlich falsch gemacht hat.
Alles in allem - kein schlechtes Buch, aber nichts für Fortgeschrittene, zu wenig Information, der Stil ist garantiert nicht jedermanns Sache, die Fotos sind sicherlich gut, aber zu schlecht gedruckt, um wirklich von ihnen beeindruckt zu sein. Wesentliche Aspekte wie Ausleuchtung, Komposition, Blitztechnik, Tips zur Schräfentiefe habe ich wirklich vermisst. Deutlich besser ist John Shaws Buch über Makrofotografie. Und dass man hervorragende Praxisbücher über Fotografie schreiben kann, zeigt die National-Geographic-Reihe, etwa der Band über die Vogelfotografie. Diesem Buch von Fritz Pölking merkt man an, dass es ein Praktiker geschrieben hat, dem die Routine schon so selbstverständlich geworden ist, dass er sie nicht mehr sinnvoll vermitteln kann.