Wir atmen nicht. Der Ort ist nahe Jedenew, wir hören die Jedenewer Bauern singen, grölen, Klarinette, Akkordeon spielen ..
So beginnt Kevin Vennemanns Roman Nahe Jedenew, in dem zwei Zwillingsschwestern, in einem Baumhaus versteckt, erzählen, wie sie beobachten, wie mit einem Schlag jene funktionierende Zweckgemeinschaft zerbricht, die Juden und Katholiken an ihrem Ort, wahrscheinlich in Polen, dort über viele Jahre verbunden hatte.
Kevin Vennemanns Sprache zieht den Leser sofort hinein in den Sog und Bann der sich überstürzenden Ereignisse. Durch den Überfall der Deutschen wird der Ort zum Kriegsschauplatz, die Zweckgemeinschaft zerbricht, der alte Antisemitismus bricht durch, polnische Bauern plündern die Höfe zweier jüdischer Familien.
Versteckt in einem Baumhaus erinnern sich die beiden Schwestern an zurückliegende Kindersommer mit ihren vielen Abenteuern, und ihre Erinnerungen auch an ihre eigene Familiengeschichte fließt mit der äußeren aktuellen Bedrohung und Gefahr zusammen in einer Prosa von außerordentlicher Dichte und Sprachmacht.
Ein absolut gelungenes Romandebüt von einem Autor, von dessen Sprachgewalt man bald in einem zweiten Roman mehr lesen möchte,.