Was hätte man mit dieser Besetzung alles machen können?! Und wer Elina Löwensohn aus dem Vampirfilm 'Die Weisheit der Krokodile' kennt, und den Namen David Lynch liest, hat hohe Erwartungen... So wie ich sie hatte... !
Und der Name David Lynch steht ja nicht gerade für schlechte Qualität. Aber dieser Film hinterlässt einen faden Geschmack, als ob sich David Lanch gesagt hat: 'Ein Vampirfilm fehlt noch in meiner Schaffenssammlung, also drehe ich mal schnell einen - alte Story mit leicht abgewandeltem aber schlechtem Script und mit billigen Effekten, lasse die Hauptakteure wirres Zeug vor sich hin labern, suche mir eine völlig runtergekommene Szenerie, packe ein paar verklausulierte und hirnrissige Szenen, Handlungssprünge und -risse hinein und damit ich das dann noch als künstlerisch-intellektuell verkaufen kann mache ich das ganze noch in schwarz-weiß - passt schon!' Und wenn etwas nicht klappt, dann kann man imer noch darüber reden, was der geniale Regisseur wohl damit gemeint hat.... Na, wenigsten die Filmusik reisst manche Szene raus, hilft unterm Strich aber auch nicht weiter.
Dabei war die Idee gar nicht schlecht: Draculas schöne Tochter im New York der 90er Jahre verliebt sich in Lucy, eine verheiratete junge Frau ... Leider hat David Lynch es hier nicht geschafft, aus den 'Rohstoffen' einen guten Film zu machen. Und das erotische Abenteuer zwischen der Vampirin Nadja und Lucy ist so dürftig gestrickt und ist gerade mal eine Einstellung lang. Dabei wird im Covertext der irrtümliche Eindruck vermittelt, dass dies das zentrale Thema des Films wäre. Aber nichts entwickelt sich, alles ist plötzlich und unerklärlich einfach auf einmal da. Warum das alles so passiert, wie es passiert, bleibt ein Rätsel und man sitzt stirnrunzelnd vor dem Bildschirm und wundert sich über weitgehend sinnlose Dialoge, die ins Nichts führen, ebenso wie über wirre Bilder mit billigen Dunst-und-Nebel-Effekten (da waren die alten Edgar Wallace Krimis besser und gruseliger). Dazu kommt, dass der Film den klassischen Handlungsstrang des Dracula-Romans teilweise adaptiert und den Vater teilweise einfach durch die Tochter ersetzt (Sie flieht, wie im Roman ihr Vater, vor Van Helsing zurück in sein Schloss nach Transilvanien wo sie von diesem gepfählt wird). Auch andere Parallelen zum klassischen Roman kommen vor, wie z.B. die Namensähnlichkeiten (z.B. die sich transformierende Lucy, die Nadja zusammen mit Van Helsing und ihrem Mann nach Transilvanien verfolgt oder Nadjas Diener Renfield, von dem unsäglich miserabel gespielten Van Helsing ganz zu schweigen...).
Und vielleicht kann mir mal einer erklären, was das Kleinkind soll, das in einer 2-Sekunden-Szene im Wald in Transilvanien unbeholfen durch den Nebel stolpert und eine Micky-Mouse-Kappe (mit den großen Ohren???!!!) trägt, ohne dass sich das auf irgendeine Handlung des Films bezieht???
Dieser Film ist von der morbiden Stimmung auf der gleichen Wellenlänge wie der schwarz-weiße Vampirfilm 'The Addiction', ist aber im Gegensatz zu diesem so ziemlich sinnlos inszeniert und völlig unspannend. Ich habe mich ehrlich nach dem Ende gesehnt und werde den Film zwar in meine Filmsammlung aufnehmen, allerdings als Staubfänger, denn dort wird er Jahrelang unberührt stehen.