Filzen ist schon länger neu belebt und voll im Trend bei Kunsthandwerkern und im Textilunterricht. Während das Nassfilzen mit knetenden Händen und warmer Seifenlauge einen feuchtigkeitsbeständigen Arbeitsplatz und ein gewisses Training erfordert, bedarf das Nadelfilzen wenig Vorübung und Werkzeugaufwand. Mit einer spitzen Spezial-Nadel, die mit lauter Widerhaken versehen ist, wird auf einer piekssicheren Unterlage in das lockere Wollvlies eingestochen, bis sich die Fasern verwirren und sich dabei zu einem Körper verfestigen. Fotos, Text und die Zeichnungen auf den Vorlagebögen zeigen Details, mit welchen Filzbewegungen welche Körperformen und welcher Oberflächenstruktur entstehen. Unter den Nadelstichen von Ingrid Moras entstehen jahreszeitliche Dekorationen, witzige Figuren, Handy-Halter, umfilzte Spieluhren und genähte Taschen mit aufgefilzten Applikationen. Während das Filzen von flächigen Motiven zeitsparend ohne Nähstiche direkt auf den Untergrundstoff (Filz, Jute, Leinen) vollzogen werden kann, erfordert aus meiner Erfahrung das plastische Trockenfilzen mehr Geschick und Vorsicht, als Ingrid Moras in ihrem Anleitungstext suggeriert. Wer das Nassfilzen liebt, wird das Trockenfilzen auch wegen seiner monotonen Stocherbewegung ermüdend finden und die robuste, feste Oberfläche vermissen. Wer beim Nassfilzen mit dem Anfilzen von Extremitäten und dem nachträglichen Anbringen von Farbschattierungen Probleme hatte, findet in der Filznadel den schnellen Retter als Ergänzung. Selbst für konventionelle Filzprofis bietet dieses Büchlein allerlei Gestaltungsanregungen, mit oder ohne Nadel. Obwohl die Motive kindlich wirken, ist das Filzen für Kinderhände nur bedingt und in Ausnahmesituationen zu empfehlen. Denn die Nadelspitze kann äußerst schmerzhafte Einstiche verursachen, die Nadel bricht schnell, das feste Filzen von Oberfläche und Kern bei Körpern ist sehr aufwändig. Letztendlich hält das trockengefilzte Tier nicht so viele Kuscheleinheiten aus und dient eher der Anschauung als dem Benutzen.