Hm naja, ich teile nicht ganz die Begeisterung für diesen Fast-Bestseller. Ich finde das Buch zur Hälfte lesenswert, nämlich dann wenn Behrendt sich ausläßt über Mantren und Koans, Jazz, Ursprache- und Töne, über seine persönlichen Erlebnisse und die Spuren des Zen in der japanischen Zivilisation.
Seine Sprache ist mal sachlich, meistens begeisternd, zu oft schwärmerisch-unkritisch. Ganz besonders wenn er völlig naiv, ohne betrachtende, fragende Distanz ausführlich über die hochspekulativen, um nicht zu sagen fantastischen Ideen des Jean E. Charons zum "Elektronengedächtnis" schreibt.
Der Autor Behrendt sieht sich selbst als Text-Komponierer ("Zusammenfüger"). Doch seine Kompositionen bleiben an der Oberfläche, wirken zu oft -vor lauter Begeisterung- hastig (rauschartig ?) zusammengekritzelt. Gerne hätte ich genaueres erfahren über Hans Kayser, Rudolf Haase sowie Wilfried Krüger und ihren Untersuchungen, jene Harmonikforscher, auf die sich das Buch immer wieder bezieht.
Nirgends wird ein einfaches Beispiel vorgeführt, WIE die beiden Harmonikforscher zu ihren Ergebnisse eigentlich gekommen sind.
Fast überall in der Natur würden Dur-, weniger Molltonarten vorherrschen: in Kristallen, bei den Planetengeschwindigkeiten sogar in der DNS könne man Musiktheorie treiben. Das klingt faszinierend. Doch nach der Lektüre von Behrendts Buch ist man nicht einen Deut' schlauer. Man kann die Behauptungen allenfalls glauben und die vergriffenen Kayser-Bücher ausfindig machen, in der Hoffnung mehr zu erfahren.
Mir kommt der Verdacht auf, daß Behrendt sich nicht die Mühe gemacht hat, die Bücher von Kayser und Haase, die sich wiederum auch auf Johannes Kepler beziehen, genau zu lesen, Rechnungen nachzuvollziehen, so sich darin denn welche befinden. Formeln sollten dem Leser ersaprt bleiben....schreibt er....Doch man kann eine Harmonik-"Rechnung" gewiß auch in Sprache skizzieren. Kaum zu glauben, daß Behrendt -so schreibt er- beinah einmal Physik studieren wollte....