Es gibt Bücher, die an Skurrilität erstmal nicht zu übertreffen sind. Mit dem Buch Nacktwandern" von Nicole Wunram ist es genauso. Sie füllt mit dem kleinen Outdoor - Handbuch eine Lücke, die sich durch die wachsende Zahl von Nacktwander-Begeisterten offenbart hat. Die Tatsache, dass sie mit diesem Thema den Weg in einen Spartenverlag gefunden hat, stellt für eine Freikörperkultur-Aktivistin eine Auszeichnung dar.
Dies ist zurecht geschehen. Nicole Wunram hat mit einer lebendigen und abwechslungsreichen Schreibe neugierig auf das Nacktwandern gemacht. Sie macht schon früh in ihrem Buch darauf aufmerksam, dass Nacktwandern eine Möglichkeit sei, die Natur und den Körper intensiver wahrzunehmen und das angenehme Gefühl der Nacktheit mit dem gesunden Sport Wandern zu verbinden. Nacktwanderer gehen auf wenig frequentiertenWegen, denn sie wollen mit ihrer Nacktheit nicht provozieren".
So nimmt sie der Sexualisierung, Skandalisierung und auch dem Zurschaustellen den Wind aus den Segeln. Bei der inhaltlichen Gesteltung des Buchs Nacktwandern" wird schnell deutlich, dass Nicole Wunram eine ernstzunehmende Publikation hat schreiben wollen. Ganz praktisch und detailliert beschreibt sie die Vorbereitungen für die erste Nacktwanderung. Sympathisch wirkt auch das Motto der Autorin, das dem Leser von der inneren Haltung her immer wieder bei der Lektüre begegnet: Kleider machen Leute. Ohne Kleider sind wir Menschen." Unter anderem stellt Nicole Wunram auch fest, dass das Geschlecht beim Nacktwandern nebensächlcih sei, wir schauen uns beim Unterhalten in die Augen".
Während der Lektüre wird deutlich, dass das Nacktwandern in eine Tradition der Nacktkörperkultur einzuordnen ist. Schliesslich ist Nacktwandern nicht die einzige Sportart, die nackt betrieben wird. Nacktwandern ist auch ein farbiger Mosaikstein in der lebendigen Freikörper-Bewegung. Jene Bewegung muss immer auch über rechtliche Aspekte ihres freizügigen Handelns nachdenken. Auch Nicole Wunram tut dies und zieht die Schlussfolgerung: Ob also das Nacktwandern eine Ordnungswidrigkeit darstellt, hängt im Einzelfall von den konkreten Umständen, insbesondere der jeweiligen Öffentlichkeit, dem situativen Rahmen und dem Anlass und Zweck des Nacktseins ab."
Dass den Nacktwanderern eine gewisse Schlagfertifkeit abverlangt wird, wird deutlich, wenn Nicole Wunram Bemerkungen von Textilträgern bei Begegnungen" und Empfindungen und Erfahrungen von Erstwanderungen" dokumentiert.Hilfreich sind am Ende des Buchs Nacktwandern" am Ende des Buch auch die vielen Verweise auf Internet-Seiten, das Glossar zur Freikörperkultur und die Zitate von prominenten Nacktaktivisten aus der Geschichte und der Gegenwart.
Nicht nur die sympathische und kurzweilige Präsentation des Buchs Nacktwandern" ist ein Grund dafür, dass man ihm viele Auflagen wünscht. Man wünscht sich als (angehendem Vielleicht-) Nacktwanderer, dass nicht nur der Naturistensteig im Harz beschrieben wird. Auch die anderen Naturisten-Wanderwege, die mehr oder weniger kultiviert sind im deutschen Sprachgebiet, gehören beschrieben. Deshalb ist Nicole Wunram noch Energie und Pioniergeist zu wünschen und dem Buch noch zahlreiche Auflagen.