Bruno Apitz (1900-1979) hat mit dem Werk NACKT UNTER WÖLFEN (1958) einen Roman gegen das Vergessen geschrieben. Denn es ist auch über 50 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ungemein wichtig, sich immer wieder vor Augen zu halten, wie hauchdünn die Trennungslinie zwischen Menschenwürde und Barbarei ist.
Dieser Roman-Klassiker ist ein Buch, das unsere Kenntnis von Wesen unmenschlicher Naturen, der perfekt funktionierenden Organisation von Unterdrückung und der Ausübung von Gewalt maßgeblich bereichert.
Die emotionale Kraft dieses Werkes liegt in der großen Genauigkeit, die Gefangenschaft in der Hölle auf Erden ohne sprachliche Umschreibungen auf den Punkt zu bringen.
Das Werk kann helfen, die Hilflosigkeit zu überwinden, die es heute noch zu diesem Thema gibt. Es zeigt auch, dass ein Schlußstrich auch nach einem halben Jahrhundert längst nicht gezogen werden kann. Apitz zeigt, dass Haß das Zusammenleben von Menschen belastet und die willkürliche Drohung mit dem Tod in die Barbarei führt.
Vielleicht hilft dieses Buch weiterhin eine Kultur des Erinnerns und Mitfühlens zu kultivieren. Denn "Wiedergutzumachen" ist nichts mehr. Denn wer an der Vernichtung menschlicher Würde mitwirkt, entwürdigt letzten Endes sich selbst - ohne es oftmals bewußt zu merken.