Die Autorin Simone Janson möchte in "Nackt im Netz" nicht einseitig vor bösen Gefahren warnen, die 'im Netz' auf uns lauern (Stichwort: Datenklau, gläserner Mensch etc.). Viel eher geht es ihr um eine ausgewogene Darstellung einer Nutzen-Risiko-Bewertung, die für den Umgang mit den sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Google+, XING usw. wichtig ist.
Für besonders wertvoll halte ich die Ausgewogenheit der Darstellung verschiedener Positionen zum Thema 'Soziale Medien'. Reihenweise werden von der Autorin wissenschaftliche Untersuchungen und Erfahrungen von unterschiedlichen Experten dargestellt und ausgewertet. (Die große Anzahl an Internetadressen, die das eigene Recherchieren zu den jeweiligen Themen erleichtert, halte ich ebenfalls für sehr hilfreich.)
Ich folge der Autorin ganz und gar in ihrer Einschätzung, dass der 'richtige' Umgang mit dem Internet eine der großen Herausforderungen unserer Zeit darstellt. Es ist eben nicht so leicht, zu entscheiden, ob und warum die neuen Möglichkeiten im Netz uns nutzen oder schaden. Dies gilt schlicht und ergreifend deswegen, weil mögliche positive wie negative Effekte durch den Umgang mit den Neuen Medien (die längst nicht mehr neu sind) je nach gesellschaftlicher Entwicklung, Bewertung und Weiterentwicklung gleichermaßen denkbar sind. Man kann also sagen: Im Netz der schier unbegrenzten Möglichkeiten muss wohl jeder Fisch die eigene Schwimmroute finden. Ganz wichtig ist es allerdings, überhaupt die Möglichkeiten zu kennen, die das Internet und die sozialen Netzwerke liefern - um weder unreflektiert im großen Fischschwarm blind ins Haifischmaul zu schwimmen, noch irgendwann Opfer einer Datenkrake zu werden oder sich im Netz zu verfangen. Wichtig scheint mir, dass wir souverän werden und uns darum bemühen, das richtige Maß für einen richtigen Umgang mit der neuen Technik zu finden. Die Zukunft wird zeigen, ob das gelingt.
Die vielseitige Beleuchtung des Themas Social Media in diesem Buch hilft meiner Meinung nach sehr gut dabei, eigene Haltungen gegenüber den sozialen Medien und dem Internet per se zu entwickeln. Auch macht die Autorin auf sehr eindrückliche Weise deutlich, dass das virtuelle Leben mit der Realität verstärkt in Interaktion tritt. Vor allem die damit zusammenhängende Frage nach möglichen Konsequenzen der Vermischung von Persönlichem und Privatem wird von Simone Janson auf sehr eindrucksvolle Weise gestellt. In der für sie ganz typischen Weise einer ausgewogenen Problemdarstellung wird diese Frage dann sehr interessant beantwortet.
Sehr positiv bewerte ich an diesem Buch, dass der Leser auf der Grundlage der dargestellten Problematisierungen sich eine differenzierte Meinung bilden kann. Anschließend lässt sich diese Meinung dann in konkretes Verhalten umsetzen. Dadurch lässt sich in meinen Augen unreflektierter Aktionismus in bewusste Umgangsformen mit den neuen Möglichkeiten verwandeln. Es ist meiner Meinung nach ungemein nützlich, Vorteile und Nachteile einer technischen Errungenschaft auf der Basis solcher fundierter Fachinformationen einer Expertin gründlich abwägen zu können.
Gesamturteil: Auf den rund 270 Seiten ist eine sehr ausgewogene Darstellung von Nutzen und Risiko im Umgang mit den sozialen Medien entstanden. Zum Thema der privaten wie beruflichen Chancen der eigenen Darstellung im Internet bietet es viele Informationen. Die Fülle an Antwortmöglichkeiten zu Fragen, die (noch) nicht abschließend beantwortet werden können, halfen mir dabei, mir eine ausgewogene Meinung zu bilden. Ich bin mir sicher: Gerade für Internet-Benutzer, die den Neuen Medien durchaus kritisch gegenüberstehen, diese aber überlegt und in vollem Bewusstsein ihrer Chancen und Risiken kontrolliert nutzen wollen, ist "Nackt im Netz" unbestreitbar ein großer Gewinn.