m es vorweg zu nehmen, bisher war ich ein großer Fan von Max Bronski und seinem Antihelden Gossec und habe die drei Vorgängerromane "Sister Sox", "Schampanniger" und "München Blues" verschlungen. Umso enttäuschter bin ich nach der Lektüre von "Nackige Engel". Der Plot klingt vielversprechend, so verkleidet sich Gossec nachdem er dem Alkohol reichlich zugesprochen hat als Adolf Hitler um seinem alten Spezel und Saufkumpan Julius zu beweisen, dass die ganze Münchener Gesellschaft völlig abgestumpft ist und sich einen Dreck um die Vergangenheit schert, soweit so gut und soweit der sozialkritische Ansatz, welcher sich hiermit denn aber auch schon erschöpft. Mit seinem Auftritt zieht Gossec den Zorn einer rechtsradikalen Jugendgruppe auf einen bekannten Kabarettisten, den die Rechten für die Hitlerparodie verantwortlich machen. Besagter Kabarettist liegt dann auch irgendwann tot in seiner Wohnung. Da Gossec sich für dessen Tod verantwortlich fühlt beginnt er eigene Ermittlungen anzustellen, und benimmt sich dabei in gewohnter Manier wie die Axt im Walde während er dabei bis zum Ende den einen oder anderen Holzweg beschreitet.
Die ersten einhundert der insgesamt zweihundertsechs Seiten plätschert die Geschichte völlig unmotiviert und langweilig vor sich hin um dann für etwa zwanzig Seiten Fahrt aufzunehmen bevor sie dann wieder die restlichen Seiten vor sich hin mäandert und die Geduld auch eines geneigten Lesers über Gebühr strapaziert. Das einzige was zum weiterlesen animiert, ist der Wunsch die Lektüre des Buches endlich zu beenden und das Buch zur Seite legen zu können.
Vorbei sind die Zeiten in denen Bronski mit lakonischem Schreibstil und beißender Sozialkritik zu überzeugen wusste. Auch die witzigen und spritzigen Dialoge der Protagonisten aus den Vorgängerromanen sucht man bei "Nackige Engel" vergebens. Viel mehr sind die Dialoge einfallslos und primitiv gehalten und all zu oft leider auch völlig unzusammenhängend. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor während des Schreibens des vorliegenden Romans, es seinem Helden Gossec leider nicht gleichgetan hat und dem Alkohol abgeschworen hat sondern das eine oder andere Weißbier zu viel geschlürft hat, oder wie sonst sind die hakelige, stacksende Erzählweise und redaktionellen Fehler zu erklären?
Auf den letzten Seiten gelingt Gossec dann eine unlogische und reichlich konstruiert wirkende Lösung des Mordfalles, wobei diverse Nebenhandlungsstränge einfach im Nirvana verlaufen, in welchem sich auch Gossec am Ende des Romans befindet, was wohl als Versuch gedacht ist den Titel des Buches zu begründen, schließlich sieht Gossec am Ende besagte nackige Engel.
Fazit:
Bronski sollte überlegen ob er Gossec wie am Ende der Geschichte angedeutet, und damit die Reihe sterben lässt, oder ob Gossec noch eine zweite Chance bekommt. In letzterem Falle sollte sich der Autor jedoch tunlichst bemühen an die Qualität und den Schreibstil seiner drei Erstlingswerke anzuknüpfen, da die Reihe sonst ganz ohne seine Absicht aufgrund mangelnder Leserschaft zum Tode verurteilt ist.
Zwei Sterne für Nackige Engel, wobei der Zweite der Tatsache geschuldet ist, dass ich absoluter Fan der Reihe bin und weiß, dass Bronski es besser kann.