Eindeutige Positiva sind die spannende, auch eindringlich erzählte Geschichte, die ihr Thema durchaus anspruchsvoll abzuhandeln versucht und dankbarerweise nicht ins Moralisieren oder nur Abenteuerliche abgleitet. Während ein engagierter polnischer Arzt, seine Stellvertreterin und ein mit ihm befreundeter Priester mit Hilfe eines jungen NS-Soldaten, der desertiert ist, und dessen Freundin eine polnische Kleinstadt zu beschützen versuchen, indem sie höchst einfallsreich eine Fleckfieberepedemie vortäuschen, versucht eine jüdische Widerstandsgruppe eine gewaltsame Lösung, und kommt ihnen dabei (fast)in die Quere. Es wird also nicht nur vom Widerstand erzählt, sondern verschiedene Formen werden thematisiert. Dabei dem gewaltsamen Widerstand, obwohl er verständlich wirkt, eine klare Absage erteilt, da die aktive, jüdische Widerstandsgruppe letztlich scheitert und liquidiert wird. Besonders wirkungsvoll ist, daß die Protagonisten/innen als alltägliche, durchwegs "normale" Personen gezeichnet sind, die eben in einer Ausnahmesituation über sich hinauswachsen. So ist der Protagonist z.B. ein polnischer Arzt, der um seine Familie und seine Existenz fürchten muß. Statt zu resignieren, sucht er jedoch einen Ausweg, wobei er auch anderen zu helfen versucht. Sein Verhalten wird dabei geradezu sachlich und ohne Gloriole geschildert, und ist gerade deshalb so beeindruckend. Sehr schön ist auch die Beziehung (keine Liebesbeziehung) zu seiner Mitarbeiterin gestaltet, wenn gezeigt wird, wie er allmählich die anfänglichen gegen seine Kollegin abzubauen beginnt und wie durch die gemeinsame Arbeit eine Zusammenarbeit und Freundschaft aufgebaut wird, die auch nach der Trennung noch Bestand hat. Spannung wird auch dadurch aufgebaut, daß der/die Leser/in nicht über alles sofort informiert wird. So glaubt z.B. zunächst nicht nur die junge Krankenschwester, daß ihr Freund gestorben ist, sondern auch dem/der Leser/in wird dieser Eindruck vermittelt. Ebenso wird z.B. zunächst der Eindruck vermittelt, daß die Flucht des jungen Paares gescheitert ist und über das genaue Ausmaß des Doppelspiels, das der NS-Täter Max mit der Ärztin Maria treibt, ist auch der/die Leser/in zunächst nicht völlig informiert, obwohl er/sie schon einiges ahnen kann. Getragen wird der Roman von der klassischen Vorstellungen der ausgleichenden Gerechtigkeit. So kann z.B. der NS-Täter Max zwar untertauchen, viele Jahre später findet er aber doch noch ein schreckliches Ende. Als der polnischen Priesters (als einziger der passiven Widerstandsgruppe um die Ärzte) von der NS ermordet wird, wird dies als freie Willensentscheidung vorgeführt, mit der er über die Gegner triumphiert und gleichzeitig büssen darf, daß er gezwungen war, einen Menschen aus Notwehr zu töten. Doch empfinde ich diese Form der ausgleichenden Gerechtigkeit nicht unbedingt als Nachteil. Problematisch erscheint mir allerdings die Darstellung der NS-Täter, die nur durch negative, ausgesprochen böse Personen vertreten sind. Angesichts der erwiesenen Verbrechen, die von Vertretern/innen dieses Regimes begangen wurden, ist natürlich verständlich, daß die Autorin und ihr Koautor das Regime nicht entschuldigen oder ihm etwa eine positive Seite abgewinnen wollten. Im Hinblick auf die literarische Qualität des Romans ist die Schwarzweißzeichnung der Feinde, die zudem durch eine Menge Stereotypen (Arroganz, geistige Beschränktheit etc.) charakterisiert werden, allerdings schon ein Problem. Hier wäre etwas Differenzierung sicher nicht schlecht gewesen. Doch grundsätzlich ist das Buch sowohl aus technischen wie auch aus inhaltlichen Gründen sehr zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)