"Nachtvisionen" enthält sieben Kurzgeschichten der Autoren King, Simmons und Martin. Es beginnt mit drei Geschichten von Stephen King, denen drei von Dan Simmons und schließlich eine längere Geschichte von George Martin folgen. Diese Abfolge entspricht auch gleichzeitig der Güteklasse der Geschichten. Stephen King liefert mit "Die Reploiden", "Turnschuhe" und "Entschlossenheit" solides Handwerk ab, das aber nicht begeistern kann. Besonders die dritte Geschichte zeichnet sich nur durch einen hohen Ekelfaktor aus.
Besser wird es dann mit den Geschichten von Dan Simmons, der in "Metastasen" und "Vanni Fucchi lebt in der Hölle" gute Ideen und interessante Charaktere zu äußerst gelungenen Geschichten kombiniert. Die dritte Geschichte, "Iversons Gruben", die auf dem amerikanischen Bürgerkrieg basiert, fällt dagegen aufgrund einiger Längen wieder etwas ab.
Das Highlight der vorliegenden Sammlung ist jedoch die letzte Geschichte, "Maskerade" von George Martin. Hier bietet der Autor eine düstere, äußerst raffiniert konstruierte Werwolfgeschichte, die auch die Kenner dieses Subgenres überraschen dürfte.
Fazit: Von Stephen King gibt es sicherlich bessere Kurzgeschichten, zum Beispiel in "Das Kabinett des Todes" oder "Nachtschicht", mit Dan Simmons und George Martin überzeugen hier aber zwei Autoren, die in Deutschland eher für ihre längeren Science Fiction- (Simmons, "Hyperion") oder Fantasy-Werke (Martin, "Das Lied von Eis und Feuer") bekannt sind.