Diese von Hoffmann ursprünglich in zwei Bänden veröffentlichte Sammlung enthält zweimal acht Erzählungen: "Der Sandmann", "Ignaz Denner", "Die Jesuiterkirche in G.", "Das Sanctus", "Das öde Haus", "Das Majorat", "Das Gelübde", "Das Steinerne Herz". Jeweils die ersten drei Geschichten eines Bandes sind finstere Schauergeschichten, die dem Ruf des Autors als 'Gespensterhoffmann' entsprechen; mit "Das Sanctus" bzw. "Das Steinerne Herz" schließen die beiden Bände aber mit je einer eher heiteren Erzählung. "Ignaz Denner" ist eine Räubergeschichte, die dem "Wirtshaus im Spessart" entstammen könnte, wenn nicht am Ende, typisch hoffmannsch, der Teufel mit ins Spiel käme; "Der Sandmann" ist die vielleicht am gründlichsten psychoanalysierte Erzählung von Hoffmann; in "Die Jesuiterkirche in G." und "Das Sanctus" beschäftigt sich Hoffmann auf mal heitere, mal eher tragische Weise mit der Frage nach der wahren Kunst; "Das Majorat" ist eine finstere, höchst verwickelte Geschichte über eine Familie, deren Mitglieder (vor allem die erbberechtigen Söhne) sich Schritt für Schritt gegenseitig ins Unglück stürzen; während in "Das steinerne Herz", quasi dem Gegenstück zum "Majorat", am Ende alle glücklich und zufrieden sind. Das Nachwort von Gerhard R. Kaiser erläutert u.a. die Bedeutung des Titels dieser Sammlung: Als "Nachtstücke" waren zu Hoffmanns Zeit vor allem Gemälde von Goya, Caravaggio, Rembrandt und anderen bekannt, die sich durch starke Hell-Dunkel-Konstraste auszeichnen. Hoffmann bringt diese künstlerische Tradition in Zusammenhang mit der im 19. Jahrhundert aufkommenden Beschäftigung mit den "Nachtseiten" der menschlichen Psyche - Mesmerismus, Magnetismus, Wahnsinn, psychische Krankheit und Möglichkeiten der Heilung sind Themen, die in allen Texten von Hoffmann eine Rolle spielen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)