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Baudelaire nannte ihn den "Göttlichen", G. de Nerval stellte ihn auf eine Stufe mit Goethe. Die Meinung dieser beiden Autoren kann als beispielhaft gelten für die Akzeptanz Hoffmanns im französischsprachigen Raum.
Wie aber ist es zu erklären, daß ihm in Deutschland niemals diese Verehrung und Anerkennung zuteil wurde? Ich zitiere (Ricarda Huch über E.Th.A. Hoffmann): "Daß er ein großer Künstler nicht war und Meisterwerke nicht schaffen konnte, sah sein scharfer königsbergischer Verstand wohl ein ...". So oder ähnlich urteilten und urteilen viele in Deutschland über ihn. Ich möchte mich da eher dem Urteil Baudelaires anschließen.
Hoffmann war ein Meister der Ironie, auch der Selbstironie (spalanzanische Fledermaus). Seine skurrilen Gestalten erscheinen oft wie verzerrte Spiegelbilder oder Karikaturen seiner selbst. Auch sein Verhältnis zum Wein, der ihm Mittel zur Inspiration, Antriebskraft für die Mühlen seiner Phantasie war, spiegelt sich in seinem Werk wider, denn in vielen seiner Erzählungen spielt der Wein eine Rolle. Und sein Hang zum Absonderlichen und Obskuren ist auch Spiegelbild seiner eigenen Seelenlandschaft. Seinem Dämonismus, seinem exzentrischen, oft krankhaft übersteigertem Somnambulismus liegen eigene seelische Erlebnisse zugrunde. Das spürt man als Leser, wie ich meine, so wie man es beispielsweise auch bei Poe spüren kann.
Nichts davon spüre ich bei Stephen King und dem Heer seiner Epigonen. Ihnen nehme ich nicht ab, daß ihre Geschichten wirklich traumgeboren sind, beziehungsweise in den Tiefen ihres Unbewußten Gestalt angenommen haben. Bei King und Konsorten wirkt alles eher aufgesetzt und konstruiert, vom literarischen und sprachlichen Standpunkt nicht immer unbedingt wertlos oder uninteressant, aber an psychologischer Tiefe geben sie im Gegensatz zu Hoffmanns Werken meist nichts her.
E.Th.A. Hoffmanns Dichtungen sind für mich stets eine Fundgrube wunderlicher exotischer Blüten gewesen und sie sind von zeitloser Gültigkeit, weil die archetypischen Gestalten, die seine Geschichten bevölkern ebenfalls zeitlos und universell gültig sind. Ich mag ihn und jede einzelne seiner Geschichten, keine mag ich herausheben und vor oder hinter die anderen stellen. Er steht für mich fast auf Augenhöhe mit dem genialen Edgar Allan Poe, auch wenn Hoffmanns Erzählungen manchmal etwas Fragmentarisches, Fratzenhaftes anhaftet, als könne der Autor die bizarren Traumgesichte seines Inneren gar nicht richtig fassen und in Worte umsetzen.
Ob DER SANDMANN, DAS ÖDE HAUS oder DIE BERGWERKE ZU FALUN: Hoffmann gelingt es mit seinen NACHTSTÜCKEN den Rahmen der sogenannten trivialen Schauergeschichten zu sprengen und den Leser in eine Traumwelt zu entführen, die viele Bildmotive der Romantik enthält.
Mit diesen Werken bleibt Hoffmann auch heute noch ein Klassiker der anspruchsvollen und romantischen Schauererzählungen, die Gänsehaut erzeugen und eine Spannung beim Leser hervorrufen, die nur noch von einem Stephen King und seinen Werken übertroffen wird.
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