Die schlechte Nachricht zuerst: amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, das beim erneuten Eintauchen von Chips und Crackern in irgend welche Saucen ein "erschreckend hoher Bakterienfaktor" transportiert wird. Diese Information habe ich aus dem zu besprechenden Buch "Nachts sind alle Katzen blau" erhalten.
Die gute Nachricht jetzt: den beiden Autoren, die unter Anderem für das Berliner Stadt-Magazin Zitty, für das Zeit-Magazin und für den Tagesspiegel schreiben und geschrieben haben, bringen mit ihrem Buch ein nicht zwingend lebensnotwendiges, aber schönes, kurzweiliges und sehr unterhaltsames Buch heraus.
Auf mehr als 300 Seiten werden so gut wie alle essenziellen Fragen rund ums Nachtleben gestellt und beantwortet.
Wichtige Dinge (allen voran natürlich die Mega-Ausgeh-Nachtleben-Hauptfrage: "Wie komme ich am Türsteher vorbei?") werden erörtert, wie zum Beispiel:
"Ist Shisha Rauchen harmlos"?
"Zum Sex aufs Männer- oder Frauenklo?"
"Welche Anmachsprüche lasse ich am besten bleiben?"
"Gibt es gelungene Abfuhren"?
"Wie ruiniere ich eine Party?"
"Darf ich als Hetero in eine Schwulenbar"?
"Wie viel Trinkgeld soll ich geben?"
...und: "Was ist das beste Mittel gegen einen Kater?" In dem Buch wird die Aussage von Motörhead-Lemmy aufgegriffen, das es selbstverständlich am besten ist, erst gar nicht mit dem Trinken aufzuhören, dann habe man garantiert keinen Kater... :o) Stimmt zwar, aber so richtig sinnvoll ist der Ratschlag des berühmten Musikers wohl nicht...
Teiweise finde ich die Ratschläge obselet, gleiches gilt für manche Fragen (Beispiel: "Sollten Männer wirklich tanzen?") Natürlich sollten sie, was soll ich denn sonst bitte schön in einem Club anstellen? Am besten finde ich, wenn diese Fragen eher diskutiert als beantwortet werden. Mir fiel beim Lesen des Buchs auf, das ich eher meine eigene Position im Nachtleben verorte und reflektiere, als mir die Ratschläge wirklich zu Herzen zu nehmen.
Bestimmte Dinge sollten jedem Menschen sowieso klar sein: man lötet sich nicht so zu, das man einschläft und am anderen Morgen das Gesicht mit einem Edding bemalt wurde, man trägt keine Sonnenbrille im Club (niemals!) und man sagt nicht zum Türsteher: "Ich kenne den Chef hier, du wirst gefeuert!" oder ähnliches, wenn man nicht reinkommt.
Möglicherweise bin ich nicht unbedingt die "Zielgruppe", da ich seit längerem im Zentrum von Berlin (also im Auge des Taifuns ;o) lebe und nachtlebenmässig aus diesem Grund relativ bewandert und erfahren bin, d. h. ich komme eigentlich überall rein und Benimm-Vorschläge interessieren mich nicht, da ich die Basics "kann" (siehe 3 Beispiele weiter oben) und es mir ansonsten egal ist, wie ich mich benehme ;o)
Es lässt sich aus dem Buch bestimmt den ein oder anderen Nutzen ziehen, aber ich sehe es mehr als Unterhaltungs-Lektüre wie auch als Anstoss, über eigene Wünsche und eigenes Verhalten nachzudenken.
Ich hab das Buch in nur einem Tag so gut wie komplett gelesen...
Unter dem Strich gib es für "Nachts sind alle Katzen blau" ein klares "Thumbs up!"