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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Stilistisch topp - Plots leider unspektakulär, 11. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Nachts . Unheimliche Erzählungen vom zerfaserten Rand der Wirklichkeit (Taschenbuch)
Dem geneigten Leser deutschsprachiger Phantastik wird Markus K. Korb gewiss kein Unbekannter sein. In zahlreichen Anthologien wurden seine Werke abgedruckt, und inzwischen liegen auch einige Sammelbände seiner Erzählungen vor. „Nachts" vereint 14 Kurzgeschichten des jungen Autors, der unter anderem Träger des Deutschen Phantastik Preises ist. Auf knapp 200 Seiten entfaltet Korb wie ein Handlungsreisender dunkler Mächte seinen Musterkatalog. Die Bandbreite der Geschichten spannt sich dabei von nachgerade klassischen Geistergeschichten über dämonische Kreaturen bis hin zum Bösen, das im Menschen selbst steckt. Den 14 Kurzgeschichten folgt übrigens ein sehr interessantes Interview, das wenig überraschend die Vorbilder des deutschen Autors nennt: Poe und Lovecraft. Dementsprechend anachronistisch wirkt Korbs Stil zuweilen, was manche Leser befremden oder gar verärgern mag, Bewunderer üppiger Sprachbilder und verschnörkelten Stils jedoch erfreuen wird. Für den sprachgewaltigen Stil verdient sich Korb höchstes Lob und die Bitte, mit diesem auch hinkünftig seine Geschichten zu verzieren. Großgeschrieben wird in „Nachts" auch die Vielfalt an Szenarien: Ob unheimliche Vorgänge in altehrwürdigen Herrenhäusern, Geisterschiffe oder grausige Mordserien - mangelnde Abwechslung an Schauplätzen oder Charakteren kann man Korb nicht vorwerfen. Ein ganz großes Manko überschattet jedoch diesen Kurzgeschichtenband. Es scheint mir, als feile Korb lieber am Stil oder recherchiere ausgiebig, denn dass er sich dessen entsinne, was das dunkle Herz der Phantastik ausmacht. Originelle, spannende Plots, die im günstigsten Falle sogar leichtes Gruseln auslösen. Vergebens hält der Horror-gestählte Leser Ausschau nach unverbrauchten Plotideen, verblüffenden Wendungen oder unter die Haut gehenden Charakterisierungen. Der Nachgeschmack, den 13 der Geschichten hinterlassen, ist ein schaler: Flüssig zu lesen, stilistisch teilweise großartig - aber eine Stunde später weiß der Leser kaum noch, worum es in den Geschichten ging. Die große, rühmliche Ausnahe bildet „Joanna": Düstere und dichte Atmosphäre, eine interessante Protagonistin und ein erfreulich kreativer Schluss. Diese eine Geschichte entschädigt für die nach einigen guten Geschichten schwache zweite Hälfte des Bands, dessen Tiefpunkte die vorhersehbaren und banalen Storys „Nachts im Schärengarten des Meeres" sowie „Nachts im schwarzen Licht es kriechenden Mondes" bilden. Fazit: „Nachts" ist zwar keine Offenbarung - vor allem für langjährige Leser von Dark-Fantasy-Geschichten -, für den kleinen Lesehunger zwischendurch sind Korbs geistige Ergüsse jedoch allemal geeignet und regen eingedenk der Schwächen den Appetit auf mehr an.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
perfekt unheimliche Geschichten in alter Tradition, 30. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Nachts . Unheimliche Erzählungen vom zerfaserten Rand der Wirklichkeit (Taschenbuch)
Mittlerweile zählt für mich der kleine aber feine Eldur-Verlag zur Creme-de-la-creme der phantastischen Literatur. Um dem erneut gerecht zu werden, hat der Verlagsleiter wohl meine bisherigen Rezensionen über Bücher der Konkurrenz durchforstet, um heraus zu bekommen, welchen Autor ich bereits höchst lobend beschrieben habe. Er stieß dabei anscheinend unter anderem auf einen früheren Monatstipp von mir, in dem ich ein Buch (Grausame Städte) von Markus K. Korb rezensierte. Ich könnte mir vorstellen, daß der Verlagsleiter in einer Nacht- und Nebelaktion dem Autor auflauerte, ihn schnappte und nur mit Papier und Bleistift ausgerüstet in einen düsteren Keller sperrte. Markus K. Korb fand sich also im zerfaserten Rand der Wirklichkeit wider und musste nun um sein Leben schreiben... Anders kann ich mir das gar nicht vorstellen, denn Markus K. Korb lieferte mit "Nachts..." vierzehn unheimliche Kurzgeschichten in alter Tradition ab, die seinesgleichen suchen. Es fällt einem unwahrscheinlich schwer, dieses Buch als Kurzgeschichtensammlung zu betrachten: Zu groß ist der Drang zum Ergründen der nächsten Seite. Markus K. Korb schafft es spielerisch, den Leser zu fesseln, zu ängstigen, zu hoffen, zu beunruhigen und manchmal zum lächeln zu bringen. Auf die einzelnen Geschichten möchte ich gar nicht explizit eingehen, da ich deren Inhalt in keinster Weise gerecht werden kann. Lediglich die geniale, kleine Kurzgeschichtenreihe über die Jungs an der Otterbucht sei nochmal besonders positiv erwähnt. Darüber hätte ich gerne noch mehr gelesen. Somit für mich (wieder einmal) ein weiteres Highlight des Eldur-Verlages und ein weiterer Monatstipp für Markus K. Korb. Perfekt! Ach ja: Lasst ihn wieder raus - er hats verdient.... Jürgen Seibold/30.08.05
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Weiter so ..., 1. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Nachts . Unheimliche Erzählungen vom zerfaserten Rand der Wirklichkeit (Taschenbuch)
Als ausgesprochener Anhänger von Phantastik-Kurzgeschichten und besonderer Fan jüngerer deutschen Autoren des Genres musste ich hier natürlich zugreifen (zumal ich Hr. Korb zufälligerweise kürzlich kennenlernen durfte; Ich hoffe, ich kann hier also objektiv bleiben ;-). ) Zunächst wird der Leser noch in Sicherheit gewiegt. In der ersten Geschichte herrscht zwar schon eine gute Atmosphäre, die Story kommt jedoch äußerst unentschlossen daher. "Nachts im Gewächshaus" wäre auch im Mittelteil einer John Sinclair Drittauflage besser aufgehoben (sorry lieber Markus, so unterhalten sich keine Kinder). Das Stirnrunzeln kann man sich allerdings verkneifen, da Markus Korb hier offenbar nur Fingerübungen zum Warmwerden abgeliefert hat. "Nachts" wird im weiteren Verlauf selbsbewusster und entwickelt beim Weiterlesen einen unentrinnbaren Sog, der stets neugierig hält, und das, obwohl es sich um Kurzgeschichten handelt. Der Überraschungseffekt macht es hier. Stets nehmen die Geschichten unerwartete Wendungen, treten unvorhergesehene Ereignisse ein, wird der Leser auf falsche Fährten gelockt ("Joana"). Ein Paradebeispiel dafür (eine sehr schöne Idee und genial in der Ausführung) ist das Story-Tryptichon "Der Damm an der Otterbucht", "Ist es tief genug um zu tauchen?" und "Tief genug!", das mit jedem Teil einen anderen Weg einschlägt. Der erste Teil ist eine "coming of age" (im Sinne von "Verlust der Unschuld") Story komplett ohne übernatürliche Komponente. In der Fortsetzng werden die Protagonisten von ihrer Schuld eingeholt und im dritten Teil (nur noch Edgar und Howard!) überrollt. Kann man beim zweiten Teil die übernatürlichen Aspekte noch in einen Traum verbannen, hat man es im Abschlussteil schließlich mit einem lebenden Toten als eindeutigem Merkmal des Phantastischen zu tun. Markus Korb schreibt hier im Sinne seiner Vorbilder E. A. Poe und A. M. Frey, verwendet Zitate ("Ein ganz besonderer Saft"), huldigt allerdings auch modernen Autoren des Phantastischen. Beispielsweise erinnerte mich "Die Sekte der Wahrheitsjünger" stark an Ramsey Campbells urbane Horrorgeschichten. Sowohl Markus Korb, wie auch der noch junge Eldur-Verlag sind (und bleiben hoffentlich) also eine Größe, mit der man als Phantastik-Freund rechnen muss. Interessant wären allerdings nach Angaben über die Entsehungsdaten und evtl. vorherige Veröffentlichungen bzw. Überarbeitungen der Geschichten gewesen. Und .... Welche Rechnung hat Hr. Korb mit einem gewissen Dieter B. offen ????
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