Mit der Reihe Nachtmahr will das neue Label Wolpertinger-Hörbücher "die vergessenen Klassiker der Horrorliteratur" als Hörspiel wiederbeleben. Dabei möchte man auf solche Stoffe setzen, die bislang noch nicht für dieses Medium bearbeitet wurden.
Zum Start hat man sich da diesbezüglich ein Paradebeispiel herausgesucht. "Der Skarabäus" war jahrzehntelang ein Bestseller, der bei Erscheinen einigen, heute berühmteren Romane den Rang ablief. Irgendwann erlosch das Interesse am "Skarabäus" etwas. Umso schöner, dass Wolpertinger Hörbücher ihn für das Hörspiel wieder hervorholt.
Die Geschichte ist eine recht klassische Schauergeschichte, in der man das um die Jahrhundertwende recht beliebte Thema des mystischen Ägyptens mit aufnimmt und darauf einen gruseligen Plot aufbaut. Dessen Grundidee dürfte allerdings heute nicht mehr überraschen.
Natürlich musste man für das Hörspiel den Roman ziemlich raffen, was zum einen den positiven Aspekt hat, das zum Teil recht langatmige Bereiche des Romans wegfallen können, man aber auch zum anderen den Personen etwas die Eigenarten nimmt.
Das Ergebnis zeigt, dass dies aber nicht weiter tragisch ist, da das, was übrig bleibt, ein wirklich spannendes Hörspiel ist, dem es vor allem gelingt, den Hörern auch den einen oder anderen Schauer über den Rücken zu jagen. Das sollte eigentlich klar sein, bedarf aber, da sich in diesem Genre vieles tummelt, bei dem das nicht der Fall ist, schon einer besonderen Erwähnung.
Die Umsetzung setzt auf ein sehr imposantes Sprechercast und auf eine sehr atmosphärische Musikbegleitung. Hans Peter Hallwachs füllt die Rolle des klassischen Erzählers gut aus. Auch die drei Hauptakteure sind mit Anna Carlsson, Bernd Rumpf und Wolfram Koch sehr gut besetzt. Zusätzlich sind in den Nebenrollen auch Größen wie Franziska Pigulla und Jürgen Thormann zu hören. Die Inszenierung ist diesezüglich sehr gelungen; Die Dialoge wirken stets lebendig und glaubhaft.
Die Musik schafft Atmosphäre. Sie nimmt recht große Räume zwischen den Szenen ein, in denen sie sehr der Handlung und jeweiligen Stimmung angepasst eingesetzt wird. Etwas ungewöhnlich ist, dass die Soundkulisse während der Spielszenen oft sehr zurückhaltend, und nur an exponierten Stellen ausgeprägter ist. Hier gönnt man sich meist gerade mal eine dezente Geräuschkulisse. Dass es dennoch funktioniert, den Hörer über die Spielzeit gut zu unterhalten, zeigt, wie gut die Bearbeitung der Geschichte und die Darstellung in den Dialogen gelungen ist.
Sehr liebevoll ist auch die Aufmachung ausgefallen. Man gönnt dem Hörspiel ein 12seitiges Booklet, das neben den üblichen Infos zur Produktion auch einen Abriss über den Autor und eine sehr gelungene Sprechergalerie beinhaltet. Zusätzlich gibt es noch einen separat beiliegenden Stadtplan von London.
Mit "Der Skarabäus" legt das Label "Wolpertinger Hörbücher" einen richtig guten Start hin. Eine solide Schauergeschichte in guter Bearbeitung und Inszenierung.