Der Filmtitel ,,Wer die Nachtigall stört" hat mir bis vor kurzem nicht viel gesagt. Als meine Schwester mir von dem Film erzählte und erwähnte, dass Gregory Peck die Hauptrolle spielte, wurde ich neugierig. Mr. Peck hatte ich bereits von ,,Arabeske" und ,,Ein Herz und eine Krone" gekannt und gewusst, dass er nicht nur hinreißend aussah sondern auch gut spielen konnte. Somit wollte ich meine Neugierlücke füllen und lieh mir ,,Wer die Nachtigall stört" aus. Als ich ihn zum ersten mal sah dachte ich mir: na ja, ist ein guter Film.... Doch beim zweiten mal liefen die Tränen und ich war fasziniert von diesem Film.
Vorerst einmal die Handlung: Die Story setzt in einem Kaff in Alabama zur Zeit der Depression (1932) ein. Das aufgeweckte Mädchen Jean Louise Finch, von allen nur ,,Scout" genannt, wächst zusammen mit ihren Bruder Jem wohlbehütet auf. Die Mutter der beiden ist tot aber dafür haben sie noch ihren sie über alles liebenden Vater, den Rechtsanwalt Atticus (Gregory Peck). Die Kinder halten ihn anfangs nur für einen langweiligen, alten Anwalt. Doch ihre Meinung zu Atticus ändert sich schnell, als er den Auftrag bekommt, einen Schwarzen zu verteidigen, der zwar unschuldig aber schon so gut wie verurteilt ist. Die Kinder bemerken plötzlich, was für ein großer, wunderbarer, tapferer und couragierter Mann ihr Vater ist. Und selbst als es Atticus nicht gelingt, dass Gericht von der Unschuld seines Klienten zu überzeugen, glauben seine Kinder an ihn und nehmen ihn sich zum Vorbild.
Schon bei dem hinreißenden Vorspann wird klar aus welcher Sicht der Film erzählt wird. Man sieht den Film aus der Sicht von Scout, man lernt ihre Welt kennen und fühlt mit wie ein Kind. Man lernt auch Atticus zuerst aus der Sicht Scouts kennen. Er wirkt zuerst wie ein liebenswürdiger Mann, der scheinbar immer die gleichen Empfindungen hat. Doch zwischendrin gibt es Momente in denen der Film aus der Sicht Atticus' erzählt wird und man feststellen kann, dass er auch Gefühle hat, wie z.B. Mitleid, Wut auf intolerante Menschen oder Trauer um seine verstorbene Frau. Doch ein Gefühl, gegen dass Atticus immun zu sein scheint, ist die Angst. Er hat weder Angst vor den einschüchternden Rassisten noch vor dem schlechtem Ruf, der ihm bevorsteht. Allerdings lernt man am Ende doch noch Atticus' einzigste Angst kennen; Er hat Angst um seine Kinder.
Ich glaube, dass ich filmisch gesehen noch nie eine derart schöne Beziehung zwischen einem Vater und seinen Kindern gesehen habe wie in diesem Film. Atticus liebt seine Kinder über alles aber verhält sich ganz anders zu den Kindern wie andere Filmväter: Er spricht nie zu ihnen herab und erlaubt ihnen, ihn Atticus zu nennen (in der damaligen Zeit mussten manche Kinder sogar noch ,,sie" zu ihren Eltern sagen). Atticus lässt den beiden viel Freiraum aber wenn er etwas sagt, gehorchen die Kinder ihm (mit einer Ausnahme). Deswegen und wegen dem oben schon genannten hat mich Atticus Finch schwer beeindruckt. Er ist ein außergewöhnlicher und unglaublich toleranter Held. So nannte ihn das American Film Institute 2003 völlig zurecht als den größten Filmhelden der Filmgeschichte.
Ebenfalls habe ich selten einen so gut gemachten Film gesehen. Wer das Glanzstück des Filmes ist, ist total eindeutig: der atemberaubende GREGORY PECK!!! Er spielt Atticus mit einer solchen Liebe und Würde, dass man ganz vergisst, dass das was man sieht, ein Schauspieler ist. Peck hat sogar einen anderen Tonfall als sonst! Ich finde, dass diese Schauspielerische Leistung die Beste der gesamten 60er Jahre ist- und einer der allerbesten aller Zeiten. Trotzdem sollte man sich bemühen, den Film auf English anzusehen (Die deutsche Synchronfassung ist zwar gelungen, besonders mit Martin Hirth als Sprecher für Peck, aber ein Witz im Gegensatz zum Original. Erst im Original merkt man erst wie wirklich grundgut Atticus ist). Ebenfalls fasziniert hat mich die kleine Mary Badham (Scout). Vergesst jede Tatum O'Neal in ,Paper Moon' oder jeden Macauly Culkin in ,Kevin allein zuhaus'! Die kleine Mary hat für mich die beste Schauspielerische Leistung eines Kindes hingelegt. Sie spielt Scout so unschuldig, aber nicht naiv, kindlich aber nicht aufgesetzt- einfach eine perfekte Gegenspielerin für Peck! (Übrigens sind er und sie während der Dreharbeiten gute Freunde geworden und sind bis Pecks Tod 2003 in Kontakt geblieben. Die beiden nannten sich immer Atticus und Scout). Der Rest der Schauspieler sind natürlich auch toll!
Ein weiterer Punkt, indem der Film in jeder Hinsicht glänzt, ist die Musik von Elmer Bernstein (Dei glorreichen Sieben). Einfach der Hammer, wie viel Gefühl da drin ist. Die Musik allein erzählt schon einen Großteil des Filmes!
Ebenfalls ist das Drehbuch einfach perfekt. Es ist so, als würde man die Romanvorlage lesen, die ich mir prompt auch zugelegt habe!. Es sind nur ganz wenige Szenen vom Buch weggelassen worden (und -Gott sei dank- die schrullige Tante Alexandra auch) und der gesamte Zauber des Buches ist im Film drin! Der Film ist ohne jeden Zweifel die beste Literaturverfilmung aller Zeiten!
Last but not least hab ich noch ein ganz großes Lob zu vergeben an die DVD! So soll eine DVD sein; hervorragendes Bild und Ton, viele Sprachen und Untertitel, Kapitelzugriff und eine Extraportion an interessanten Extras, wie ein 90 minütiges Making off, Trailer, Interviews, Biografien von Cast+ Crew und sogar die Oscardankesrede von Gregory Peck! Jetzt kann ich nur noch sagen: Leute, legt euch diesen Film zu. Sowohl eine bessere DVD als auch einen besseren Film findet man echt nicht mehr! Das ist ganz großes Kino mit ganz großen Gefühlen und einem ganz großen Peck!
-God bless you, Gregory!-