Carl Herbold ist ein bösartiger Mensch, ein Psychopath ohne Gewissen, ohne Skrupel und ohne jede moralische Grenze. Ihm gelingt die Flucht aus dem Gefängnis und er kennt nur ein Ziel: Blewer, eine texanische Kleinstadt - und die Corbett-Ranch, sein früheres Zuhause. Und er sinnt auf Rache an seinem Stiefvater Delray Corbett und dessen Familie: der Schwiegertochter Anna und dem Enkel David. Der einzige Schutz der Corbetts scheint der Ranchhelfer Jack Sawyer zu sein, ein undurchsichtiger Typ, dem vor allem die taubstumme Anna lange und unberechtigt, wie sich zeigen soll, misstraut.
Jack ist ein harter und vom Leben nicht gerade verwöhnter Mann. Er schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und bleibt nie lange genug an einem Ort, um sesshaft zu werden oder menschliche Bindungen einzugehen. Er ist ein einsamer Mensch, dessen Schicksal lange im Dunkeln bleibt.
In Anna findet er eine Art Seelenverwandte. Von Anfang an ist er fasziniert von der Frau und ihrer Fähigkeit, völlig selbstverständlich mit ihrer Behinderung umzugehen. Jack erkennt jedoch, dass diese Fähigkeit in einem jahrelangen Kampf gegen die eigene Schwäche und gesellschaftliche Ressentiments erworben wurde.
Während Carl Herbold auf seinem Weg zur Corbett-Ranch eine zerstörerische Spur durch Texas zieht, kommen sich Jack und Anna nahe und ahnen nicht, wie groß die Gefahr ist, in der sie schweben...
Ich habe "Nachtglut" mit einer gewissen Erwartungshaltung gelesen. Die Handlung des Buches versprach auf jeden Fall große Emotionen, auf die ich aber vergeblich wartete.
Dabei ist die Story gut erdacht und logisch aufgebaut. Sandra Brown versteht es einmal mehr, ihre tragenden Rollen mit Außenseitern und deren Vergangenheits- und Problembewältigung zu besetzen, sensible Themen nicht zu bagatellisieren und dem unvermeidlichen Happy-End die kitschige Spitze zu nehmen. Die viel kritisierten expliziten Gewaltszenen überschreiten keine Grenze. Sie zeigen lediglich mit Erschrecken, welche Entwicklung Menschen unter ungünstigen Umständen nehmen können. Ich glaube nicht, dass die Autorin damit ihrem Buch eine reißerische Note verleihen wollte.
"Nachtglut" ist das bisher einzige Buch der Autorin, das von der überragenden Mechthild Sandberg-Ciletti übersetzt wurde, auf deren Referenzliste solche anspruchsvollen Namen wie Minette Walters oder Elizabeth George zu finden sind. Schon allein deshalb ist dieses Buch lesenswert und bekommt von mir einen Extra-Stern. *NW*