Aus der Amazon.de-Redaktion
"Bitte zieht den Vorhang zu, wir haben unsere Seelen genug erbrochen." -- Maria Riva, die Tochter, ist sich nicht sicher, ob ihre Mutter es gut geheißen hätte, ihre unlängst entdeckten "Nachtgedanken", diese "sehr privaten Augenblicke der Schlaflosigkeit", zu einem Buch zu verarbeiten. Vermutlich nicht, reflektiert die Tochter im fernen Palm Springs im Februar 2005. Man versteht. Der Blick ins Innere einer vereinsamten Seele ist so bedrückend wie beglückend. Denn hätten wir ihn nicht getan, es fehlte uns etwas. Die Nocturnes "der Dietrich" sind kleine litarische Perlen, denen die abgeklärte Ruhe einer Endzeit innewohnt.
Richard Burton klopft an die Tür ihres Appartments ("wäre er nicht anderweitig gebunden gewesen, hätte ich mich in ihn verliebt). So wurde sie nur zur Freundin, die er so dringend brauchte. Festgehalten in einer der vielen grandiosen Schwarzweiß-Aufnahmen: der erwartungsvolle, fast flehentliche Blick des Kostümbildners Travis Banton auf Marlene, die seine Kostümzeichnungen kühl begutachtet. Jean Gabin, der Geliebte, wird schmerzlich vermisst (Er zog Liebe aus den Herzen, so wie ein Magnet jedes Metall anzieht). Die Piaf, Katherine Hepburn, Judy Garland, Lubitsch, Fritz Lang, Hemingway und Orson Welles lassen grüßen. General Patton steckt Marlene im Feldzug gegen Hitlerdeutschland in eine Uniform.
Die Erinnerungsarbeit an die großen Künstler und Wegbegleiter, wird ergänzt durch Gedankensplitter und nachtschwarze Wortkaskaden, aufgereiht wie an einer Perlenkette und subtil übersetzt von Reiner Pfleiderer. Ein traumverlorenes Buch, in dem man auf länger versinken möchte. Ravi Unger
Kurzbeschreibung
Marlene Dietrich, legendäre Film-Diva und eine der schönsten Frauen des 20. Jahrhunderts, lebte in ihren letzten Lebensjahren zurückgezogen in Paris. Dass sie ihre quälend schlaflosen Nächte mit Schreiben verbrachte, wussten nur die Familie und enge Freunde. Erst jetzt hat die Dietrich-Tochter Maria Riva die »Nachtgedanken« ihrer Mutter freigegeben. Zu entdecken ist ein poetischer Schatz zwischen Nachtmahren und Liebesgeflüster. Sehnsüchtig nach Schlaf ruft sich die Dietrich längst verlorene Weggefährten des Ruhms in Erinnerung - Schauspieler, Schriftsteller, Tänzer, Musiker: der charismatische Jean Gabin, der - von Frauen umschwirrt - ein verzweifelt trauriger Mensch war; die Chansonlegende Edith Piaf, deren zarter Körper eine gewaltige Kraft barg; Richard Burton, großer Schauspieler und wahrer Gentleman; der begnadete Komiker Charlie Chaplin, der im Leben wie ein verletztes Kind anmutete; der »Waffenkamerad« Erich Maria Remarque oder Judy Garland mit ihrem unvergesslichen Lachen. In knappen Gedichten und fein ziselierten Miniaturen zeigt sich Marlene Dietrich als sensible, scharfzüngige und genaue Beobachterin. »Nachtgedanken« ist ein melancholischer Abschied von der versunkenen Welt der Ikonen des 20. Jahrhunderts. Ein Buch zum Träumen.
Dieser poetische Schatz enthält Gedanken, Gedichte, Miniaturen, Enthüllungen und anderes bisher unbekanntes Originalmaterial aus Marlene Dietrichs durchwachten Nächten. Es sind faszinierende Zeugnisse eines rebellischen Geistes, einer glamourösen Ikone, einer Frau mit psychologischem Kennerblick und hohem literarischen Feingespür.
Klappentext
RBB Kulturradio
"Die Schatten sind lang in diesen sehr persönlichen Miniaturen voll wehmütigem Liebesgeflüster und illusionslosem Fatalismus."
Kölnische Rundschau
"Man muss nur genau hinhören bei diesen 'Nachtgedanken', um zu erkennen, was sie in Wahrheit sind - Songtexte. Es ist ein schwatzhaftes und auf rührende Weise pompöses Bändchen. Eins von denen, die man nicht kauft, um sie zu lesen, sondern, um sie zu haben."
Frankfurter Allgemeine Zeitung