Inhalt:
"Nachtgeboren" handelt von einem Land, indem Nacht- und Lichtgeborene gemeinsam in Frieden leben. Während die Lichtgeborenen tagsüber ihre Leben bestreiten und Dank des Lichts sehen können, leben die Nachtgeborenen, wenn die Dunkelheit die Sonne vertreibt und orientieren sich lediglich mit Hilfe ihres Ultraschalls und ihren anderen Sinnen. So unterschiedlich wie beide Rassen sind verbindet sie dieser immer gegenwärtige Fluch, wie ebenfalls die Magie. Doch wo die Lichtgeborenen forschen und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln, gilt Magie in der Welt der Nachtgeborenen als gefährlich, wenn nicht sogar verboten. Genau in dieser Welt lebt Balthasar und seine Frau Telmaine mit ihren zwei Töchtern. Telmaine, von adeliger Abstammung und eigentlich nur dazu bestimmt ihrem Mann als Dekoration zu dienen, eilt seit ihrer Hochzeit mit einem normalstämmigen Arzt ein Ruf voraus, denn sie ist keine bloße Dekoration, sondern eine kluge Frau, weshalb Balthasar sie auch zu seiner Frau machen wollte. Allerdings taucht eines Tages wie aus dem Nichts die frühere Mätresse seines verhassten und verschollenen Bruders auf und hinterlässt ihm zwei Zwillinge, die ein merkwürdiges Rätsel aufbieten, denn Balthasar ist sich sicher, dass beide Kinder die Gabe zu sehen haben. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, als seine Tochter entführt und Balthasar fast bis zu Tode geprügelt wird, wodurch es an Telmaine liegt ihre Tochter wieder zufinden und den Frieden zwischen Nachtgeborenen und Lichtgeborenen zu bewahren, denn nicht nur hütet sie seit ihrer Kindheit ein belastendes Geheimnis, sondern ist das Land plötzlich von Intrigen aufgewühlt, die über das Grenzgebiet reichen.
Meinung:
Bei "Nachtgeboren" handelt es sich um die Darkborn Trilogie von Alison Sinclair. Die Reihe handelt von der Stadt Minhorne die seit langem von einem Fluch gespalten ist. Es gibt Lichtgeborene und Nachtgeborene, die seit Jahrhunderten Nachbarn sind, aber sich nie wirklich sehen können, da beiden Rassen ansonsten der Tod widerfahren würde . Lichtgeborene ertragen keine Dunkelheit, wohingegen die Nachtgeborenen in der Sonne verbrennen, was mich leicht an Vampire erinnert. Dieser Fluch ist auch nicht das einzige außergewöhnliche an dieser Reihe, denn nicht nur die Kultur zwischen beiden Rassen ist vollkommen anders, sondern auch deren Umgang mit der Magie, da es immer wieder Licht- sowie Nachtgeborene gibt, die mit magischen Fähigkeiten auf die Welt kommen, was eine wichtige Verteidigung darstellt, im Kampf gegen die, die aus dem Grenzgebiet kommen, dem Schattenland. An sich klingt diese Idee ziemlich spannend und bietet ein enormes Potenzial, denn der Konflikt zwischen verschiedenen Kulturen, Überlebenstechniken und magischen Fähigkeiten scheint sehr interessant. Der erste Band aus dieser Trilogie spielt aus der Sicht von Nachtgeborenen, was das Cover schnell vermuten lässt, sowie der Titel. Erzählt wir die Geschichte überwiegend aus Balthasars, Telmaines und Ishmaels Sicht, die allesamt eine bedeutende Rolle in dem Roman spielen. Teilweise erinnert es auch schon an eine Dreier-Beziehung, wobei Balthasar und Telmaine eigentlich verheiratet sind, aber das ist anscheinend auch eher Notwendigkeit bei den meisten Nachtgeborenen. Balthasar als Charakter erschien mir schon von Anfang an sehr positiv und ich glaube, dass es bei solch einem freundlichen Mann auch kaum anders sein könnte. Dagegen finde ich seine Frau relativ oberflächig. Mit Telmaine wurde ich bis zum Ende nicht warm, wieso ich auch öfter einmal beim Lesen ins Stocken kam, denn mir erscheint Balthasars Ehefrau eher unreif, als eine standhafte Mutter, die zu sehr auf eine Scheinwelt achtet. Aber wahrscheinlich liegt mir dieses Frauenbild auch überhaupt nicht, da bei den Nachtgeborenen Frauen eher als Dekoration dienen, was wiederum das völlige Gegenteil bei den Lichtgeborenen ist, wo die Frauen kämpfen und mutig sind, wie Balthasars Jugendfreundin Floria Weiße Hand, meine heimliche Lieblingsprotagonistin.
Ansonsten bietet der Roman "Nachtgeboren" überwiegend für High Fantasy Fans viel Spannung, die vor allem Thriller mögen, denn viel mehr als ein Thriller in einer Fantasywelt ist "Nachtgeboren" eigentlich nicht. Das hatte ich in dem Maße jetzt nicht erwartet, sondern eher, dass es auch ein wenig romantisch, wenn nicht sogar erotisch werden würde, was ja für die meisten Bücher bei Lyx spricht. Dem war aber nicht so, denn Telmaine ist verheiratet, aber eine wirklich innige Beziehung zu ihrem Ehemann konnte ich dann auch nicht ausfindig machen und ihre plötzliche Zuneigung zu Ishmael sind auch eher Teenagergedanken, als das daraus wirklich eine Romanze entstehen würde. Genau dies finde ich ziemlich schade, denn nur als Thriller konnte mich der erste Teil dieser Reihe kaum überzeugen. Es passiert einfach unheimlich viel und ständig wird irgendjemand so schwer verletzt, dass nur Magie ihn heilen kann. Es gibt keine netten romantischen Stellen, die diese trockene Suche nach der wirklichen Gefahr irgendwie aufheitern.
Dazu kommt, dass ich die gesamte Geschichte an sich sehr spannend finde und mich auch der Fluch von Lichtgeborenen und Nachtgeborenen überzeugen konnte, aber es einfach an Vorwissen fehlt. Mir hätte da ein kurzer Prolog genüge getan, aber so wurde ich unheimlich flott in diese merkwürdige Welt hineingeworfen. Irgendwie konnte ich mir bis zum Ende kaum vorstellen, wie das Leben wirklich ablaufen kann, wenn man sich per Ultraschall bewegt, denn Nachtgeborene haben grundsätzlich nicht die Fähigkeit zu sehen, was wiederum teilweise sehr verwirrend ist beim Lesen.
Deshalb kann ich das Buch grundsätzlich auch als bloß durchschnittlich bewerten, vielleicht ändert sich dies bei den folgenden Bänden, aber dafür, dass der erste Roman "Nachgteboren" rund 400 Seiten enthält, hätte ich mir mehr Abwechslung erwartet, zwischen Gefühlen, Kampf und Spannung. Der ganze Roman schien mir durchweg leider eher als eine Hetzjagd, als eine Auflösung von Intrigen, Morden und der Entführung einer der Töchter Telmaines, die Balthasars Ehefrau übrigens ziemlich flott, binnen weniger Seiten rettet, wodurch die ganze Geschichte zu Beginn, mit den Zwillingen relativ schnell in den Hintergrund gerät ' schade.
Alison Sinclair hat jedoch eine sehr schöne Sprache und über ihren Schreibstil kann man nun wirklich nicht meckern. Alles passt, die Dialoge sind nicht zu trocken. Die Autorin hält sich nicht mit zu vielen Details oder Gefühlen auf, sondern bringt durch ihre Wahl der Worte die Geschichte weiter. Allerdings waren mir die Passagen mit Telmaine manchmal etwas zu schwermütig, da die Autorin sich vor allem auf diesen Charakter begrenzt und mir die inneren Konflikte von Telmaine schnell auf den Nerv gingen.
Fazit:
Es handelt sich um einen Fantasy-Thriller im High Fantasy Bereich. "Nachtgeboren" ist der Einstieg zu einer Trilogie, der nächste Band erscheint noch 2011 bei Lyx unter dem Titel "Lichtgeboren". Für Leser, die auch gerne einmal auf Romantik verzichten können und lieber einer spannende Handlung, in mitten einer vollkommen anderen Welt, folgen wollen, könnte der erste Band durchaus lesenswert sein.