Die landwirtschaftlich geprägte Kleinstadt Owl (850 Einwohner) im Bundesstaat North Dakota (halb so groß wie Deutschland, ca. 600.000 Einwohner) ist Handlungsort des Romans, der 1983-84 spielt: Hier leben Mitch, ein 16-jähriger Schüler, Julia, eine 23-jährige Lehrerin und Horace, ein 73-jähriger Rentner.
Mitch ist ein zurückhaltender Junge, der sowohl in der Football- als auch in der Basketballmannschaft der HighSchool spielt (im Gegensatz zum Klappentext ist er aber kein Football-"Held", sondern nur Auswechselspieler) und daher an der Quelle von Informationen über das Leben der Jugendlichen in Owl sitzt.
Horace trifft sich täglich um 15 Uhr mit seinen Freunden in einer Kneipe, um Kaffee zu trinken, zu reden und dabei Neuigkeiten zu besprechen und alte, mnachmal auch sehr alte Geschichten aus Owl und North Dakota wieder "aufzuwärmen". Die erst kürzlich an der HighSchool lehrende Julia findet schnell Kontakt zu den Bewohnern der Stadt, da sie quasi täglich eine der Bars (sie trinkt eindeitig zu viel) von Owl aufsucht und dabei eine Vielzahl von Personen aus Owl kennenlernt bzw. Geschichten über sie zu Ohren bekommt.
Im Wechselspiel dieser drei Hauptpersonen (das Buch ist in Tagebuch-Form, jedoch nicht in der Ich-Form geschrieben) werden nun diverse Anekdoten aus dem Leben der Bewohner von Owl geschildert. Manche beziehen sich auf das Leben der Hauptpersonenen, auf spezielle Ereignisse in Owl, aber auch regionalgeschichtliche Ereignisse in North Dakota finden Erwähnung. So erfährt der Leser von einem legendären Football-Spielzug des Owl-Quartberbacks Vance Druid, lernt den Steuersünder und Polizistenmörder Gordan Kahl kennen, bekommt indirekt erklärt, warum Bisons schwerer als Rinder zu halten sind.
Die eigentliche Handlung innerhalb des Romans ist zweitrangig, es passiert schlicht und einfach nicht viel im Leben von Mitch (der sich wie viele andere Jugendliche die Frage stellt, ob es jemals zum Kampf zweier HighSchool-Rabauken kommt und wie dieser Kampf wohl enden würde), Julia (die sich verliebt) und Horace (der die Wahrheit über seine verstorbene Frau kennt).
Als sich der Leser schon dem Ende des Buches nähert und sich zu fragen beginnt, ob Mitch den Kampf erleben wird, was aus Julias Liebe wird und was Horace noch bezüglich seiner toten Frau offenbart, fegt ein Schneesturm über Owl, der die 300 Seiten ländliche Idylle pulverisiert. Das Buch gewinnt dadurch noch einmal an unerwarteter Dynamik.
Fazit: Ein äußerst lesenswertes Buch mit vielen interessanten Anekdoten und humorvollen Dialogen über eine Gegend, in der nicht viel passiert, wo - getreu dem Klappentext - "aber trotzdem Menschen leben, und wo Menschen leben, ist immer auch was los".
P.S. Das Buch ähnelt in seinem Wesen und seiner Struktur dem Buch von David Frey "
Strahlend schöner Morgen" über die Stadt Los Angeles. Während das eine mosaikartig über die Megacity mit ihren ca. 10 Mio. Einwohnern schreibt, indem es mehrere Personen begleitet (ein Obdachloser, ein Ausreißerpärchen, eine Einwanderin, ein Schauspieler), zeigt "Nachteulen" in vergleichbarer Form das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt.