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5.0 von 5 Sternen
Gorkis Meisterwerk, 7. Februar 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Nachtasyl (Taschenbuch)
Szenen aus der Tiefe in vier Akten
In diesem wunderbaren Drama zeigt uns Gorki unverwechselbare Charaktere der untersten Schicht Russlands um 1900. Es geht um Falschspieler, Diebe, Bettler und Herumtreiber die sich in einem Kellerloch mit Humor und Gelassenheit miteinander arrangieren müssen. Der Umgang der Personen untereinander ist aber auch grob und gleichgültig, der eine ist froh, wenn seine totkranke Frau endlich das Zeitliche segnet, der Wirt schlägt seine Frau, seine Frau schlägt ihre Schwester, der Alkoholiker ertrinkt im Selbstmitleid und glaubt die Märchen von einer Heilanstalt, die ihm ein Pilger erzählt.
Neben dieser Tragik kommt der Humor nicht zu kurz, so wird der Falschspieler beschuldigt sich eine Karte in den Ärmel geschoben zu haben und antwotet gelassen:"Soll ich sie mir vielleicht in die Nase stecken?"
Das Werk hat wenig Dramatik, es spielt fasst alles im Wohnkeller. Das wenige Geschehen passt jedoch zur Phlegmatik der Personen.
Maxim Gorki hat die deutsche Sprache auch mit einigen Redewendungen bereichert, die man hier wiederfindet.
Die einmaligen Charaktere und die geniale Sprache macht es zu einem der interessantesten und schönsten Dramen Rußlands (und der Welt).
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Am Beginn der sozialen Frage in Zeiten der Moderne im 20. Jahrhundert - ohne Nachtasyl., 18. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Nachtasyl (Taschenbuch)
Das Nachtasyl, eines der Dramen, das Maxim Gorki berühmt gemacht hat, spielt in den untersten Schichten der zaristischen Gesellschaft um die Jahrhundertwende. Schon von daher für damals ein unerhörtes Theaterstück. So aber gehört das Stück zu den Anfängen der Moderne in der Kunst. Es macht für den Zuschauer das allmähliche Zerreißen der alten festgefügten feudalen Ordnungen unterm Modernisierungsdruck der industriellen Revolution und den daraus bedingten Verwerfungen gesellschafter und sozialer Natur spürbar und sichtbar.
Das Stück zeigt in der Einfachheit seiner Menschen und Dialoge die Nähe von moralischem Anspruch und sozialer Not, von gesellschaftlichem Abstieg und letzter verzweifelter Hoffnung, aus dem, was ist und man selbst sein möchte, noch ein wenig werthaltiges Leben herauszupressen. So sagt Pepel (S.44): "... du hast keine Seele, Weib ... Eine Frau muß 'ne Seele haben ... Wir Männer sind Tiere ... wir kennen's nicht anders ... uns muß man erst anlernen zum Guten ...". Und Wassilissa antwortet (S. 44): "... vielleicht liebte ich in dir nur ... meine eigene Hoffnung ... meinen Traum ... Verstehst du? Ich hatte gehofft, du würdest mich herausziehen ...".
Die letzte Hoffnung wird auf den anderen gesetzt, der selbst ohne Hoffnung ist. Die Verzweiflung der Menschen und die Kälte in ihren Begegnungen und sozialen Gefügen ist überall im Stück zu spüren. Es ist der Stoff, aus dem sich Revolutionen nähren, auch Katastrophen noch gigantischerer Natur, in die die europäischen Gesellschaften mit dem Ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution eintraten.
So steht das Nachtasyl buchstäblich und wortwörtlich am Beginn einer geschichtlich-politischen Nacht im 20. Jahrhundert, in dem es für die Menschen kein Asyl mehr gibt, sie ohne Nachtasyl weiterkommen müssen, weil keiner mehr auch ein noch so einfaches, auf Dauer prosperierendes Leben garantieren kann.
So wurde Maxim Gorkis Stück zur Vorahnung der Verwerfungen im 20. Jahrhundert, die wenige Jahre später auf die Menschen und Völker zugekommen sind. Insofern ist es bis heute ein ganz modernes Stück, eines, dass die Moderne einläutet und uns noch heute zeigt, wohin Gesellschaften tendieren können, die in einer zerbrechenden Welt desorientiert ohne Ideale und gesellschaftliche Ideen zu leben versuchen und für kommende Katastrophen wenig gerüstet sind.
Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend (Weltliteratur oder Tendenz zu Weltliteratur); 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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