Klaus Voswinckels Ghana-Buch ist viel mehr als die Schilderung einer Reise - nämlich ein unverwechselbares Gewebe aus Ethnologie und Topographie, Kolonialgeschichte und Politik, Ritual- und Symbolforschung, realer und imaginärer Wirklichkeit, Musik und Literatur, darin das abendländische dem afrikanischen Denken unmittelbar, ohne gängige Vorurteile, ohne verfälschende Anmaßung begegnen kann. Mit jedem Schritt, den man lesend, versunken in den Text unternimmt, dringt man tiefer ein ins Fremde, das sich als die andere Seite des Vertrauten und Eigenen entpuppt. So führt dieser Weg - unter dem Widerhall der Trommelschläge Ghanabas, des Divine Drummers - letztlich immer wieder zum Ursprung, zur Quelle allen äußeren und inneren Seins zurück. Er beschreibt im Zeichen des mythischen Vogels Sankofa - der seinen langen Hals nach hinten dreht und mit dem Schnabel im Gefieder pickt - jenen Kreis, der in der westlichen Vorstellungswelt verdrängt, unterdrückt oder vergessen wurde: Kreis, der die polaren Gegensätze ausgleicht und aufhebt, der Leben und Tod miteinander versöhnt, der eine Ahnung davon vermittelt, dass jede verkörperte Form, jeder geistige Ausdruck aus dem Unergründlichen hervorgeht, einem Urfeld magischer Schwingungen, das vom einen Augenblick zum nächsten schöpft, zurücknimmt, verwandelt. Diesem Sog ist der Autor vorbehaltlos gefolgt, und seine Schrift bezeugt dies auf eindrucksvolle Weise.