Das Edgar Hilsenrath ein außergewöhnlicher Schriftsteller ist, ist jedem klar, der "der Nazi und der Friseur" gelesen hat... Aber "die Nacht" ist im Gegensatz dazu sehr verschieden. Hilsenrath erzählt die Geschichte der Menschen im jüdischen Ghetto einer ukrainischen Stadt. Sehr ungeschminkt wird man zum Beobachter - mal mehr objektiv - mal mehr subjektiv aus der Sicht einiger "Hauptpersonen", wodurch das Buch meiner bescheidenen Meinung nach (...) einen ganz eigenen Stil bekommmt. Das Buch schafft es, einem die Lebensumstände nahezubringen, ein Stück weit zu ermöglichen, daß man dabeigewesen ist - vor allem auch gefühlsmäßig - Geschichte anhand dessen zu erzählen, was sie ausmacht, nämlich der Einzelschicksale der Menschen. Aber was das Buch gleichzeitig so erschreckend und faszienierend macht, ist die Art und Weise, wie einem vor Augen geführt wird, wie Menschen unter solchen Umständen leben - na ja mehr oder weniger leben. Wie "tierisch" sich jemand verhält, der vor Hunger kaum noch denken kann, und wie sehr man abstumpft gegenüber den Dingen, die zumindest mir schon beim Lesen eine Gänsehaut den Rücken hinunterjagt haben. Ich habe über lange Strecken des Buches geheult, weil ich es so depressiv fand, aber das ändert nichts daran, daß es sehr gut ist. Außerdem ist die Grundaussage ja auch positiv, denn die einzige näher beleuchtete Person, die ihre Menschlichkeit behält (das will ich jetzt nicht vorwegnehmen, selber lesen!), ist auch die, die am Schluß überlebt - in mehrfacher Hinsicht. Will sagen das Buch bietet einen guten Ausgleich trotz des schockierenden Inhalts und hat meiner Meinung nach einen hervorragenden sprachlichen Stil, der wie immer bei Hilsenrath bewundernswert die Geschichte einrahmt, die erzählt wird. Na wer will denn jetzt noch mehr hören: SELBST LESEN! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)