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Auch Nacht des Orakels erinnert an frühere Bücher Austers, vor allem an das letzte, Das Buch der Illusionen, der verschachtelte Roman im Roman um einen Stummfilmstar, seinen Biografen und die Vernichtung eines Lebenswerks. Erzählt wird die Geschichte des 35-jährigen Schriftstellers Sidney Orr aus New York, der seine Schreibhemmung überwindet, als ihm ein merkwürdiger Chinese namens M.R. Chang in einem himmlischen Schreibwarenladen namens Paper Palace ein blaues Portugalbuch verkauft, und dafür, in einer Art Teufelspakt, andere Probleme an den Hals bekommt. Aber eigentlich erzählt Auster einmal mehr die Geschichte des Schreibens und seiner Konstruktionen selbst. Wieder ist die Methode durchschaubar. Und trotzdem muss man sich wieder über seine narrative Raffinesse und sprachliche Bravour mehr als wundern und sich fragen: Mr. Auster, wie haben Sie das gemacht?
Als postmoderner Autor hat Auster sich durch die Literatur hindurchgefressen wie kein Zweiter. So weiß er, dass mit dem ersten Satz alles steht und fällt. "Ich war lange Zeit krank gewesen", lautet dieser Satz. Besser hat auch Goethe seinen Werther nicht starten lassen, oder Hermann Melville seinen Moby Dick -- ein Buch zudem, dem Auster nicht nur den Hang zur ausufernden Fußnote verdankt. Genau so müssen gute Romane beginnen, dann kann kaum mehr etwas schief gehen. Und so ist es auch in Nacht des Orakels, über fast 300 Seiten, bis zum Schluss. Nacht des Orakels ist ein sprachlicher Sog. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass Auster auch damit wieder in den Bestseller-Listen landen wird. Und das ganz zu Recht. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Mit „Nacht des Orakels" ging es mir zwischenzeitlich ganz anders. Versunken in die fordernde Vielschichtigkeit des Romans, habe ich das Lesen genossen: Ich (als erste Ebene), habe einen Roman von Paul Auster (zweite Ebene) in der Hand, der den Ich-Erzähler Sidney Orr (dritte Ebene) über einen John Bowen (vierte Ebene) schreiben lässt, der wiederum einen Roman einer gewissen Sylvia Maxwell (fünfte Ebene) lesen lässt, dessen Figuren schließlich die sechste Ebene darstellen. Man muss entweder konzentriert bleiben, um den Überblick über diese vielen Schichten zu behalten, oder man versinkt, nicht tragisch, in der Sprache und der Magie Paul Austers.
Leider geht dem Roman, bei weniger als 300 Seiten und dem Talent Austers eigentlich verwunderlich, in meinen Augen ein bisschen die Luft aus. Das Ende ist ein wenig beliebig, ich möchte gar nicht sagen: vorhersehbar. Das nicht.
Schön finde ich, dass ich nicht der einzige bin, der beim Lesen von Auster an Haruki Murakami denken muss, dessen Hauptwerke ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Murakami hält die Magie bis zur letzten Seite seiner Werke aufrecht, Auster gelingt das bei mir nicht. (Vielen Dank auch dem Rezensenten, der bemerkt hat, dass Trause umgestellt Auster heißt.)
Der Schriftsteller Sidney Orr leidet nach einem Krankenhausaufenthalt an Schreibhemmung. Ihm fällt ein blaues portugiesisches Notizbuch in die Hände. Überraschend bricht seine Schreibblockade, und es fallen ihm wieder Geschichten ein, die er in das Notizbuch aufzeichnet. Rätselhaft ist, er schreibt in seinem Zimmer, seine Frau Gracia kann ihn dort aber nicht entdecken, wenn sie nach ihm schaut. Eine von Paul Austers wunderbaren Einfällen. Es bedeutet aber nur, dass Sidney in seine erfundene Geschichte total abgetaucht ist, darum seine Umgebung nicht mehr wahrnimmt, und Gracia ihn folglich auch nicht sehen kann. Die erfundene Geschichte im Notizbuch könnte sich zu einem Roman entfalten, führt aber durch eine zufällige Gedankenlosigkeit des Protagonisten selbstverschuldet in eine Sackgasse. Eine dritte Ebene, der Roman im Roman im Roman ist das Werk einer Schriftstellerin. In "Nacht des Orakels" schreibt sie über einen Leutnant im ersten Weltkrieg, der durch eine Granatenexplosion erblindet und prophetische Fähigkeiten erlangt, die ihn letztlich ins Verderben führen.
Sidney erfindet bedrohliche Geschichten, die sich in seinem Leben zu realisieren beginnen und übersieht beinahe, dass seine Ehe in Gefahr ist. Er fühlt sich durchsichtig wie der Leutnant, "der für die Schwingungen in seiner Umgebung so empfänglich war, dass er wusste, was passieren würde, ehe die Ereignisse selbst stattfanden". Und Sidney resümiert: "Die Zukunft war bereits in mir...".
Paul Austers Roman besteht aus verschiedenen Erzählsträngen, ist sehr ereignisreich und bunt. Doch alles was Auster erzählt ist ineinander verwoben, jede Begebenheit passt. Ein einziger Sog, kein einziges Stocken. Dieser Roman übertrifft "Das Buch der Illusionen". Dort wurde der Romanverlauf durch Beschreibungen von Filminhalten zerstückelt. Paul Auster hat den Weg vom Drehbuch zum Roman wiedergefunden. "Ich hatte nie daran gedacht, noch einmal Drehbücher zu schreiben" erfährt der überraschte Leser.
Wenn das nicht ein schöner Anfang eines Buches ist. Lesen Sie weiter...
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