Der 1924 geborene Regisseur Sidney Lumet, der 2007 im Alter von 83 Jahren ein Meisterwerk "Before the Devil knows you´re dead" schuf, kann auf mehr als 60 Jahre Filmschaffen zurückblicken.
Seinen Durchbruch hatte er mit dem großartigen "Die zwölf Geschworenen" im Jahr 1957. Dieser Film spielte im Justizmilieu und es sollte nicht sein einziger Film über diesen Themenkreis sein.
Immer wieder drehte Lumet sehr komplexe Gerichtsthriller wie "The Verdict" oder "Jenseits der Unschuld".
Ebenfalls beschäftigen sich seine Filme vielfach mit der Polizeiarbeit und der dortigen Korruption: "Serpico" oder "Prince of the City" wären hier als Beispiele zu nennen.
Dabei thematisiert Lumet auch immer wieder einen schleichenden Werteverfall und die große Allmacht des Geldes, in Form von Gier und Gewinnmaximiierung "Network".
In dem 1996 entstandenen und viel zu wenig beachteteten "Nacht über Manhattan" fügt er diese Themen in einer hochinteressanten Einheit zusammen:
New York, wo die Fassaden am prunkvollsten und die sozialen Gegensätze so sichtbar sind.
Der kurz vor der Pensionierung stehende Cop Liam Casey (Ian Holm) und sein Partner Joey Allegretto (James Galdofini) haben den größten Drogendealer der Stadt Jordan Washington (Shiek Muhamed Bey) ausfindig gemacht und wollen ihn hochnehmen. Dabei will Casey den Gangster gemeinsam mit seinem Partner im Alleingang verhaften. Allegretto ruft aber heimlich mehrere andere involvierte Reviere um Hilfe, die mit schwerer Artillerie dort auftauchen sollen.
Washington schießt Casey vor seiner Tür nieder, er kann entkommen und erschiesst auf seiner Flucht zwei weitere Cops.
Der Generalstaatsanwalt Morganstern (Ron Leibman) kommt auf die Idee, den Sohn des schwerverletzten Casey, der auch bei der Polizei ist und sein Jurastudium beendet hat, als Staatsanwalt in diesem Fall zu beauftragen.
Dies bringt dem Choleriker Ärger mit seinem Kollegen Elihu Harrisson (Colm Feore) ein, der denkt er hätte aufgrund seiner hohen Berufserfahrung diesen Fall bekommen müssen.
Morganstern bleibt aber dabei.
Dann stellt sich Washington überraschend und sein Awalt Sam Vigoda Richard Dreyfuß) und dessen Mitarbeiterin Peggy Lindstrom (Lena Olin) begleiten den Gangster ihn ins Gefängnis.
Es klarer Fall: Zwei ermorderte Cops, einer der schwer Verletzt war, Washingtons dazugehörige Schußwaffe.
Doch Vigoda präsentiert eine andere Version: Korruption und Bestechung bei der Pólizei und Washington sollte in der Nacht nicht verhaftet, sondern hingerichtet werden...
Trotz komplexer Thematik, die auch die einzelnen Beziehungen der Figuren untereinander zeigt, ist der Film mit seinem 108 Minuten Laufzeit recht kurzweilig und er hätte sogar gerne etwas länger dauern dürfen.
Aber auch so ist "Nacht in Manhattan" ein klasse Justizthriller, von Lumet äusserst gelassen inszeniert.
Der Film wirft unangenehme Fragen nach Macht und Machtmißbrauch, Korruption und Korrumpierbarkeit, Recht und Gerechtigkeit, Fehlbarkeit und die Dynamik von gegenseitigen Verpflichtungen auf.
Dabei sind die Schauspielerleistungen sehr stark, eine sehr gute Ensembleleistungen, vor allem auch sind die Nebenrollen (Ron Perlman, James Ganldofini, Richard Dreyfuß, Ian Holm) perfekt besetzt.